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Der Liebe böser Engel Roman von Rendell, Ruth (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 31.03.2015
  • Verlag: Blanvalet
eBook (ePUB)
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Der Liebe böser Engel

Chief Inspector Wexford setzt alles daran, die Waffe zu finden, mit der die liebenswürdige Elizabeth Nightingale im Wald erschlagen wurde. Nur so scheint es möglich zu sein, Rückschlüsse auf Täter und Motiv zu ziehen, die zunächst völlig im Dunkeln liegen. Doch da ist noch das Geheimnis der Päckchen, die von Mrs. Nightingales Angestellter zur Post gebracht wurden und über die niemand etwas zu wissen scheint ...

Ruth Rendell wurde 1930 in London geboren und lebte dort bis zu ihrem Tod 2015. Sie arbeitete als Journalistin, bevor sie sich ganz dem Schreiben von Romanen widmete. 1997 wurde sie mit dem Grand Master Award der Crime Writers' Association of America, dem renommiertesten Krimipreis, ausgezeichnet und darüber hinaus von Königin Elizabeth II. in den Adelsstand erhoben. Ruth Rendell ist auch unter dem Pseudonym Barbara Vine bekannt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 180
    Erscheinungsdatum: 31.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641161088
    Verlag: Blanvalet
    Größe: 624 kBytes
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Der Liebe böser Engel

1

_____

Wenn Quentin Nightingale morgens aus dem Haus ging, um nach London zu fahren, schlief seine Frau in der Regel noch. Die Haushälterin bereitete ihm das Frühstück, öffnete die Haustür für ihn und reichte ihm Hut und Regenschirm, während das Au-pair-Mädchen die Zeitung für ihn holte. Als nächstes begegnete er - wie immer - den beiden Gärtnern, die ihn mit einem ehrerbietigen "Guten Morgen, Sir" zu grüßen pflegten, dann vielleicht seinem Schwager, der eilig die friedliche Abgeschiedenheit des 'Old House', dem Stammhaus, aufsuchte, wo er sich in Ruhe seiner schriftstellerischen Arbeit widmen konnte. Nur Elizabeth fehlte, doch falls Quentin daran Anstoß nahm, ließ er sich nie etwas anmerken. Selbstsicher ging er wie ein glücklicher Mensch zu seinem Auto. An diesem besonderen Morgen Anfang September war alles so wie immer, nur dass Quentin keinen Regenschirm mitnehmen musste. Der Garten von Myfleet Manor lag fast ganz unter goldenen Nebelschleiern verborgen, die auf einen wunderschönen Tag hoffen ließen. Quentin schritt über die Steinstufen vor der Haustür und blieb einen Moment an der Hecke stehen, um Will Palmer daran zu erinnern, dass die Matricarien, die sie für die Kingsmarkhamer Blumenausstellung hegten und pflegten, heute ihren Flüssigdünger bekommen sollten. Daraufhin ging er zwischen den alten Remisen den Weg zum Hof entlang, wo ihn sein Auto erwartete, dessen Windschutzscheibe Sean Lovell soeben gereinigt, hatte.

Quentin war heute ein wenig zu früh dran. Statt in den Wagen einzusteigen, schlenderte er zu der niedrigen Mauer und ließ den Blick über das Kingsbrooktal schweifen. Die Aussicht bereitete ihm stets aufs neue Vergnügen. Fast kein anderes Haus war zu sehen, nur grüne Wiesen, durchsetzt mit dem Goldgelb der frischgemähten; durch das Tal schlängelte sich der Bach, zu beiden Seiten von Weiden gesäumt; Baumgruppen krönten die Kuppen der niedrigen runden Hügel, und dort, zu Quentins Linken auf der anderen Straßenseite, stand der große Tannenwald. Er erstreckte sich über eine ganze Hügelkette, im morgendlichen Nebel sah er wie ein dunkles Samttuch aus, das man achtlos über die Landschaft geworfen hatte. Quentin dachte sich immer Metaphern für den Wald aus, verglich ihn mit anderen Dingen und sah ihn in romantischem Licht. Manchmal stellte er ihn sich nicht als Wald oder Samttuch vor, sondern als ruhendes Tier, das im Schlaf die Felder bewachte, und jene sich speichenförmig ausbreitenden Pflanzungen als ausgestreckte, mächtige und schutzgewährende Tatzen.

Nun wandte er den Blick dem eigenen Anwesen zu, richtete ihn auf die näher gelegenen Gartenanlagen, den gepflegten nebelverhüllten Rasen und die Rosenbeete, die im Morgendunst ganz fahl aussahen, und gerade überlegte er, ob er eine Rose abschneiden sollte, eine Iceberg oder vielleicht eine Superstar, als ihn ein Finger an der Schulter stupste und eine ruhige Stimme sagte:

" Der Schönheit nahe hat gebracht

Natur den Geist, der mich beseelt;

Was Mensch aus Menschen hat gemacht,

Das sann ich tief gequält. "

"Guten Morgen, Denys", begrüßte ihn Quentin herzlich. "Kein sonderlich fröhliches Zitat für einen heiteren Morgen wie heute. Wordsworth, oder?"

Denys Villiers nickte. "Falls ich nicht fröhlich bin, muss das daran liegen, dass in zwei Tagen die Schule beginnt, dann werde ich bis Weihnachten nicht mehr zum Arbeiten kommen. Ich habe übrigens etwas für dich. " Er klappte seinen Aktenkoffer auf und zog ein Buch hervor, neu und druckfrisch, offenbar direkt aus der Binderei.

"Ein Vorausexemplar", sagte er. "Ich dachte, du hättest es vielleicht gerne."

Quentins Gesicht strahlte vor Freude. Er las den Titel: Der verliebte Wordsworth, von Denys Villiers, dann schlug er mit kaum verhohlener Erregung die Widmung auf

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