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Der Modigliani-Skandal Roman von Follett, Ken (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.07.2010
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Der Modigliani-Skandal

Die junge Engländerin Dee und ihr amerikanischer Freund Mike stoßen in Paris auf die Spur eines verschwundenen Meisterwerkes - ein Bild des berühmten Malers Amedeo Modigliani. Aber es machen noch andere Jagd auf die kostbare Beute, und sie schrecken vor nichts zurück. Diebstahl, Betrug und vielleicht Mord sind im Spiel. Und keiner weiß: Gibt es den Modigliani wirklich? Und wenn ja, ist er echt? Ken Follett, geboren 1949 in Cardiff, Wales, gehört zu den erfolgreichsten Autoren der Welt. Seinen größten Erfolg feierte er mit Die Säulen der Erde und deren Fortsetzung Die Tore der Welt, die beide erfolgreich verfilmt wurden. Mit Sturz der Titanen, gefolgt von Winter der Welt und Kinder der Freiheit, legte er zuletzt sein bislang ehrgeizigstes Werk vor: eine dreibändige Familiensaga, die das ganze 20. Jahrhundert umspannt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 271
    Erscheinungsdatum: 13.07.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783838703503
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: The Modigliani Scandal
    Größe: 655 kBytes
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Der Modigliani-Skandal

1

D ER BÄCKER KRATZTE sich mit mehlbestäubtem Zeigefinger am Schnurrbart, so daß sich seine schwarzen Haare grau färbten und er plötzlich zehn Jahre älter aussah. In den Regalen rings um ihn stapelten sich frische, krustige Brote, und der vertraute Geruch füllte seine Nasenlöcher und ließ seine Brust anschwellen in ruhig-zufriedenem Stolz. Es war ein neuer Schub Brot, der zweite an diesem Morgen: Das Geschäft ging gut, weil das Wetter schön war. Wenn die Sonne schien, zog es die Pariser Hausfrauen unwiderstehlich zu seinem Laden, zu seinem ausgezeichneten Brot.

Er blickte durch das Ladenfenster hinaus, seine Augen blinzelten im blendend hellen Licht. Ein hübsches Mädchen überquerte die Straße. Der Bäcker lauschte: Von hinten erklang die schrille Stimme seiner Frau, die einen Lehrling herunterputzte. Das würde noch minutenlang so gehen, wie stets – also war er vor ihr sicher, und so gönnte er sich ein paar lüsterne Blicke auf das hübsche Mädchen.

Es trug ein dünnes ärmelloses Sommerkleid, das nicht gerade billig zu sein schien; allerdings kannte sich der Bäcker in solchen Dingen wenig aus. Anmutig bauschte sich der Rock in halber Höhe ihrer Oberschenkel, was ihre schlanken, nackten Beine besonders zur Geltung brachte und lohnende Blicke auf weibliche Unterwäsche verhieß – eine unerfüllte Hoffnung.

Für meinen Geschmack ist sie allzu schlank, befand er, während sie näher kam. Ihr Brüste waren sehr klein – trotz ihrer langen, selbstsicheren Schritte hüpften sie kein bißchen. Selbst nach seiner zwanzigjährigen Ehe mit Jeanne-Marie zog der Bäcker ihre großen, wenn auch etwas schlaffen Brüste entschieden vor.

Das Mädchen betrat den Laden, und der Bäcker sah, daß sie keine Schönheit war. Ihr Gesicht war lang und dünn, ihr Mund wirkte klein und eher spröde, und ihre Schneidezähne standen ein wenig vor. Sie hatte braunes Haar, doch war die oberste Schicht von der Sonne ausgeblichen.

Sie wählte eine der Baguettes auf dem Ladentisch aus, prüfte die Kruste mit ihren langen Händen und nickte zufrieden. Nein, keine Schönheit, dachte der Bäcker, jedoch unbedingt begehrenswert.

Sie hatte einen Teint wie Milch und Blut, und ihre Haut wirkte weich und glatt. Was indes die Blicke auf sie lenkte, war ihre Haltung: selbstsicher, selbstbewußt. Diese verriet der Welt, daß die junge Frau genau das tat, was sie tun wollte, und nichts sonst. Der Bäcker verbot sich solche Spitzfindigkeiten: Sie war sexy, und das war alles.

Er bewegte die Schultern, um das Hemd zu lockern, das ihm am schweißnassen Rücken klebte. "Chaud, hein?" sagte er.

Das Mädchen entnahm ihrer Börse ein paar Münzen, um das Brot zu bezahlen. Sie lächelte über seine Bemerkung, und plötzlich war sie schön. "Le soleil? Je l'aime", sagte sie und ging zur Ladentür. "Merci!" fügte sie hinzu.

Der Bäcker glaubte, einen Akzent herauszuhören – einen englischen Akzent. Aber vielleicht bildete er sich das nur ein, weil das irgendwie zu ihrem Teint paßte. Während sie die Straße überquerte, starrte er auf ihr Hinterteil, fasziniert von der Muskelbewegung unter dem Baumwollstoff. Wahrscheinlich kehrte sie jetzt zurück in die Wohnung irgendeines jungen, wildmähnigen Musikers, der nach einer Nacht voller Ausschweifungen noch immer im Bett lag.

Die schrille Stimme von Jeanne-Marie näherte sich und ließ die Phantasien des Bäckers in tausend Stücke springen. Er seufzte tief und warf die Münzen in die Ladenkasse.

Dee Sleign

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