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Der nasse Fisch Der erste Rath-Roman von Kutscher, Volker (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.01.2020
  • Verlag: Piper Verlag
eBook (ePUB)
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Der nasse Fisch

Der erste Fall der Gereon Rath-Bestsellerreihe Mit diesem Roman beginnt die spektakuläre Serie, in der Kutscher seinen Kriminalkommissar Gereon Rath in die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche im Berlin der späten 20er-Jahre führt. Rath, neu in Berlin und abgestellt bei der Sitte, erlebt eine Weltstadt im Rausch, die von sozialen und politischen Spannungen zerrissen ist. Ungefragt schaltet sich der Kommissar in die stagnierenden Ermittlungen eines Mordfalls ein - und stößt in ein Wespennest. Dann verliebt Rath sich in Charly, Stenotypistin in der Mordkommission, und missbraucht ihr Insiderwissen für seine einsamen Ermittlungen. 'Der beste deutsche Hardboiler des Jahres.' Bücher

Volker Kutscher, geboren 1962, arbeitete als Tageszeitungsredakteur und Drehbuchautor, bevor er seinen ersten Kriminalroman schrieb. Mit 'Der nasse Fisch' (2007) gelang ihm ein Bestseller, dem fünf weitere folgten. Die Reihe ist die Vorlage für 'Babylon Berlin', deren erste zwei Staffeln 2017 auf Sky anliefen und im Oktober 2018 in der ARD zu sehen sind. Seine von Kat Menschik illustrierte Erzählung 'Moabit' wurde im Oktober 2017 ein weiterer Bestseller.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 544
    Erscheinungsdatum: 03.01.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492996419
    Verlag: Piper Verlag
    Serie: Piper Taschenbuch 31594
    Größe: 4713 kBytes
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Der nasse Fisch

2

Der Mann erinnerte ein wenig an Wilhelm zwo. Der markante Schnurrbart, der stechende Blick. Wie auf dem Porträt, das zu Kaisers Zeiten in der Stube eines jeden guten Deutschen gehangen hatte - und in manch einer immer noch hing, obwohl der Kaiser vor über zehn Jahren abgedankt hatte und seitdem in Holland Tulpen züchtete. Der gleiche Schnurrbart, die gleichen Blitzeaugen. Doch da endeten auch die Gemeinsamkeiten. Dieser Kaiser trug keine Pickelhaube, die hing zusammen mit Säbel und Uniform über dem Bettpfosten. Dieser Mann trug nichts außer dem nach oben gezwirbelten Schnurrbart und einer imposanten Erektion. Vor ihm kniete eine nicht minder nackte Frau, gesegnet mit üppigen Rundungen, die dem kaiserlichen Zepter offensichtlich den gebotenen Respekt entgegenzubringen gedachte.

Rath blätterte lustlos in den Fotos, deren eigentlicher Zweck es war, Lust zu erregen. Weitere Aufnahmen zeigten den kaiserlichen Doppelgänger und seine Gespielin bereits in Aktion. Ganz gleich, wie sich ihre Körper verknoteten, der markante Schnurrbart war immer im Bild.

»Schweinkram!« Rath blickte sich um. Ein Schupo hatte ihm über die Schulter geschaut. »So ein Schweinkram«, fuhr der Blaue kopfschüttelnd fort, »das ist Majestätsbeleidigung, dafür hat es früher Zuchthaus gegeben.«

»Aber so beleidigt sieht unser Kaiser doch gar nicht aus«, meinte Rath. Er klappte die Mappe mit den Fotos zu und schob sie zurück auf den wackligen Schreibtisch, den sie ihm zur Verfügung gestellt hatten. Böser Blick unter dem Tschako. Der Mann in der blauen Uniform drehte wortlos ab und ging zu seinen Kollegen. Acht Uniformierte standen in dem Raum und unterhielten sich halblaut, die meisten wärmten ihre Hände an einer Kaffeetasse.

Rath schaute zu ihnen hinüber. Er wusste, dass die Schupos im 220. Revier gerade andere Sorgen hatten, als einem Kriminalbeamten vom Alex freundlichst Unterstützung zu gewähren. In drei Tagen wurde es ernst. Mittwoch war der erste Mai, und Polizeipräsident Zörgiebel hatte alle Maidemonstrationen in Berlin untersagt, die Kommunisten aber wollten trotz des Verbots marschieren. Die Polizei war nervös. Gerüchte über einen geplanten Putsch machten die Runde: Die Bolschewisten wollten Revolution spielen, Sowjetdeutschland mit zehn Jahren Verspätung doch noch errichten. Und im 220. Revier war die Polizei nervöser als in den meisten anderen Berliner Bezirken. Neukölln war ein Arbeiterviertel. Noch roter war höchstens der Wedding.

Die Schupos tuschelten. Ab und an warf ein Blauer dem Kriminalkommissar einen verstohlenen Blick zu. Rath klopfte eine Overstolz aus der Schachtel und zündete sie an. Dass er hier ungefähr so willkommen war wie die Heilsarmee in einem Nachtclub, das brauchte ihm niemand zu sagen, das war offensichtlich. Das Sittendezernat genoss in Polizeikreisen keinen allzu guten Ruf. Bis vor zwei Jahren noch war es vorrangige Aufgabe der Inspektion E gewesen, die Prostitution in der Stadt zu überwachen. Eine Art verbeamtete Zuhälterei also, denn nur polizeilich registrierte Prostituierte betrieben ihr Gewerbe legal. Viele Beamte hatten diese Abhängigkeit schamlos ausgenutzt. Bis ein neues Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten diese Aufgaben von der Sittenpolizei auf die Gesundheitsämter verlagert hatte. Seitdem kümmerte sich die Inspektion E um illegale Nachtclubs, Zuhälter und Pornographie, ihr Ruf allerdings hatte sich kaum gebessert. Immer noch schien etwas von dem Schmutz, mit dem sich die Beamten beruflich zu beschäftigen hatten, an ihnen hängen zu bleiben.

Rath blies Zigarettenrauch über den Schreibtisch. Von den Tschakos an den Garderobenhaken tropfte Regenwasser auf den Linoleumboden, grünes Linoleum, wie es auch in den Büros der Kriminalpolizei am Alexanderplatz verlegt war. Sein grauer Hut wirkte zwischen all dem schwarzen Lack und den glitzernden Polizeisternen wie ein Fremdkörper, ebenso sein Mantel, der mitten im Blau der Schupomäntel hing. Ein Zivilist

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