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Der Raffael-Coup Kriminalroman von Pears, Iain (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.11.2017
  • Verlag: Fahrenheit
eBook (ePUB)
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Der Raffael-Coup

Ein spannender, witzig-eleganter Kriminalroman von Iain Pears aus der schillernden italienischen und internationalen Kunstszene: Der Auftakt zur Krimireihe um das ungleiche Duo Flavia Di Stefano und Jonathan Argyll Als der junge Kunsthistoriker Jonathan Argyll in einer heruntergekommenen römischen Pfarrkirche aufgegriffen wird, tischt er den Behörden eine abenteuerliche Geschichte auf: Das Altarbild aus dem 18. Jahrhundert, scheine wertlos, sei in Wirklichkeit aber ein übermalter Raffael - und man kann nicht sagen, dass jeden Tag ein neuer Raffael entdeckt wird. Doch nun ist es verschwunden und irgendwer ist bereit über Leichen zu gehen... Ein bislang unbekanntes Meisterwerk Raffaels wird zur Sensation des internationalen Kunstmarktes und bald darauf zum Schrecken für das Kunstraubdezernat in Rom... Iain Pears, geboren 1955 in Coventry ist ein englischer Kunsthistoriker und Schriftsteller. Neben seinen journalistischen Arbeiten entstand mit der Zeit ein literarisches ?uvre, das vom Publikum wie auch von der offiziellen Literaturkritik immer wieder gelobt wurde. Er lebt mit seiner Familie in Oxford.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 200
    Erscheinungsdatum: 02.11.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492983204
    Verlag: Fahrenheit
    Größe: 1098 kBytes
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Der Raffael-Coup

1

Wie jeden Morgen stieg Generale Taddeo Bottando den mit gestohlenen Kunstwerken geschmückten Treppenaufgang hoch, kurz bevor die Glocke von San Ignazio sieben Uhr schlug. Auf der Piazza war er schon viel früher eingetroffen und hatte, wie es seine Gewohnheit war, zehn Minuten über zwei Tassen Espresso und einem mit frischem Schinken gefüllten Panino in der Bar gegenüber verbracht. Die Stammgäste der Bar hatten ihn begrüßt, wie es dem täglichen Frühstückskunden zukam: ein freundliches "buon giorno", ein Zunicken, aber keine weiteren Gesprächsversuche. Das Wachwerden ist in Rom wie in jeder anderen Stadt eine private Angelegenheit, die man am besten allein und ungestört erledigt.

Nach diesem angenehmen Morgenritual überquerte er den gepflasterten Platz und stieg die Treppe hoch, wobei er schon vor dem ersten Absatz zu ächzen und zu schnaufen anfing. Eigentlich lag es gar nicht daran, daß er zu fett war, versicherte er sich bei solchen Gelegenheiten immer. Stattlich vielleicht. Er selber bezeichnete seine Körperfülle lieber als distinguiert. Er müßte nur die Zigaretten, den Kaffee und das Essen aufgeben und statt dessen Sport treiben. Aber welchen Genuß hätte ihm das Leben dann noch zu bieten? Außerdem ging er schon auf die sechzig zu, und in diesem Alter fing man nicht mehr mit Körperertüchtigung an. Die Anstrengung würde ihn wahrscheinlich umbringen.

Er blieb einen Augenblick stehen, teils, um sich ein neues Bild an der Wand anzusehen, vor allem aber, um wieder zu Atem zu kommen. Eine kleine Zeichnung von Gentileschi, wie es aussah. Sehr hübsch. Schade, daß sie an ihre rechtmäßigen Besitzer zurückging, sobald der Papierkram erledigt, der Schuldige festgestellt und der Fall dem Staatsanwalt übergeben war. Trotzdem war das einer der Vorzüge, die der Posten des Chefs des Staatlichen Italienischen Kunstraubdezernats mit sich brachte. Wenn man, was selten genug vorkam, wirklich etwas wiederbeschaffen konnte, war es fast immer der Mühe wert.

"Hübsch, nicht?" fragte eine Stimme hinter ihm, während er noch das Kunstwerk betrachtete. Er unterdrückte seine Atemnot und drehte sich um. Flavia di Stefano war eine dieser wunderbaren Frauen, wie sie nach Bottandos Ansicht nur Italien hervorbringen konnte. Entweder wurden sie Ehefrauen und Mütter oder sie arbeiteten. Und wenn sie arbeiteten, mußten sie sich so anstrengen, um die Schuldgefühle wegen ihrer Flucht von Heim und Herd zu kompensieren, daß sie doppelt so gut waren wie alle anderen. Aus diesem Grund waren acht seiner zehn Mitarbeiter Frauen. Er wußte, daß das seinem Dezernat bei den anderen Abteilungen der Polizei einen unglücklichen Spitznamen eingebracht hatte. Aber wenigstens konnte Bottandos Bordell, wie offensichtlich eifersüchtige Kollegen sein Büro nannten, Erfolge aufweisen. Ganz im Gegensatz zu einigen anderen, die er nennen könnte.

Bottando begrüßte das Mädchen mit einem wohlwollenden Lächeln, oder genauer: die Frau. Es wurde ihm plötzlich bewußt, daß er inzwischen in einem Alter war, in dem jede Frau unter dreißig als Mädchen zählte. Er mochte sie sehr, obwohl sie offensichtlich vollkommen unfähig war, ihm den Respekt entgegenzubringen, der seinem Rang, seinem Alter und seiner Weisheit zustand. Während einige Freunde zartfühlend von einer gewissen Rundlichkeit seines Körpers sprachen, nannte Flavia ihn liebevoll und völlig ungeniert altes Faß. Doch abgesehen davon war sie eine fast perfekte jüngere Kollegin.

Flavia, die sich zum Beweis, daß sie weder in die Kategorie Polizistin noch in die der ernsthaften Geschäftsfrau gehörte, standhaft weigerte, etwas anderes als Jeans und Pullover zu tragen, erwiderte sein Lächeln. Es war aufrichtig gemeint. In den vergangenen Jahren hatte der General ihr eine Menge beigebracht, vor allem, indem er sie Fehler machen ließ und danach für sie geradestand. Denn er war kein Vorgesetzter, der sein Personal als eine Herde williger Lämmer betrachtete, die

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