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Der Resident Die Dominikanische Tragödie, 2. Band von Schreyer, Wolfgang (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.05.2012
  • Verlag: EDITION digital
eBook (PDF)
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Der Resident

Santo Domingo, 1962: nur drei der Trujillo-Attentäter haben den Untergang des barbarischen Regimes erlebt. Sie schicken sich an, auch den alten Familien die Macht zu entreißen - kühn, um dem Land zu dienen, oder selbstsüchtig, skrupellos. Da kommt auf die karibische Insel der neue US-Botschafter, ein Amateurdiplomat und Mann John F. Kennedys. Im Geiste der 'Allianz für den Fortschritt' will er den Streit schlichten, die Dominikaner Demokratie lehren. Industriegigant und Bananenrepublik - zwei Welten prallen aufeinander, beide vital, doch zerrissen und defekt. Washington sucht die Entwicklung zu steuern, elegant und energisch ein südliches Schaufenster zu errichten, das die kubanische Herausforderung überstrahlt. Wird dem Botschafter dies glücken? Trotz privater Sorgen ist er ein Mann von bedeutender Schlagkraft, Redlichkeit und Frische. Gewinnt er diesen Mehrfrontenkrieg - den Kampf gegen die revolutionäre Stimmung, gegen das Komplott der Superreichen und seine internen Feinde? Das Buch zeigt Menschen mit ihren Hoffnungen und Begierden, der uralten Jagd nach Glück, Reichtum, Liebe, Karriere, Befriedigungen jeder Art... Eingepfercht in Machtmechanismen und das Geflecht persönlicher Verstrickung. Die Ereignisse zeichnet es nach Dokumenten und der Erinnerung von Augenzeugen; ohne eine Spur von Schwarzweiß. Von den tropischen Schauplätzen führt der Roman bis in den obersten Stock des State Departements und in das Weiße Haus. Seine Kraft liegt in der Verknüpfung politischer Abläufe mit dem Schicksal der Handelnden, ihrem seelischen Mikrokosmos, umbrandet vom Strom der Zeit. Das packt wie die Dramatik des abenteuerlichen, hier so kühl und wahrhaftig erzählten Geschehens. 2. Band der Dominikanischen Tragödie.

Wolfgang Schreyer, geboren 1927 in Magdeburg. Oberschule, Flakhelfer, Soldat, US-Kriegsgefangenschaft bis 1946. Debütierte mit dem Kriminalroman "Großgarage Südwest" (1952), seitdem freischaffend, lebt in Ahrenshoop. 1956 erhielt er den Heinrich-Mann-Preis für den Kriegsroman "Unternehmen Thunderstorm". Schreyer zählt zu den produktivsten und erfolgreichsten Autoren spannender Unterhaltungsliteratur in der DDR, schrieb Sachbücher, Szenarien für Funk und mehr als zwanzig Romane mit einer Gesamtauflage von 6 Millionen Exemplaren.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 671
    Erscheinungsdatum: 10.05.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863945183
    Verlag: EDITION digital
    Größe: 2324kBytes
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Der Resident

"Wie stecken Sie denn bei Nacht draußen Ihre Planquadrate ab?", fragte Mitchell wütend. "Das ist doch Schwachsinn! Jessika kann nur bei den Häftlingsbaracken sein. Sie sucht den Burschen, dessen Bekanntschaft sie Ihnen verdankt." "Ich weiß, Sir. Aber sie ist bisher nur in einem der drei Camps gewesen - in diesem. Sie hat nach Pancho Valdez gefragt, und als sie hörte, dass es den hier nicht gibt, ist sie weiter und muss sich verirrt haben." Erst jetzt wurde dem Botschafter bewusst, dass er sich in einem Internierungslager befand, im Essraum der Wache wohl; es roch penetrant nach Fischsuppe und schlechtem Tabak. Über ihm hing eine Petroleumlampe, sie beleuchtete trist ein Wandbild, auf dem man eben noch den Vorsitzenden des Staatsrats erkannte. Er dachte an eine Schlagzeile im Caribe, "US-Botschafter bei Deportierten", oder wie immer Tirado formulieren würde, wenn er von dem Besuch erfuhr. An der totalen Protokollwidrigkeit dieses Aufenthaltes wären Leute wie Thurston und auch sein eigener Botschaftsrat Smith erstickt, ihn trieb sie nur in bohrende Fragen: Wozu noch solche Lager? Wieso fand er sich damit ab? Hätte er doch wenigstens diesen Burschen losgeeist! Getuschel hatte er gefürchtet und bekam nun stattdessen einen Skandal. Im Grunde geschah ihm recht. Draußen knallte es, Licht fiel herein, warf wandernde Schatten, dann bellten Hunde. Das erinnerte ihn an die Gefahr, in der seine Tochter schwebte. Warum zum Teufel fand man sie nicht? "Was hat man Ihnen denn gesagt?", drängte er. "In welchem Camp steckt nun der Mann?" "Das ist es ja", antwortete King. "Angeblich in keinem. Er scheint gar nicht auf der Insel zu sein." "Genug! Ich suche jetzt selbst!" "Bitte nicht, Sir", sagte hinter ihm Tony Imbert, der von irgendwoher in den Lichtkreis der Lampe trat, die Hände beruhigend erhoben. "Sie sind ortsunkundig, könnten überhaupt nichts tun. Und es wird ja nicht mehr lange dauern. Die Wachboote strahlen das gesamte Ufer an. Es sind zweihundert Mann im Einsatz, mit Fackeln, Lampen und Leuchtpistolen..." Wie viel Häftlinge gab es eigentlich, wenn man hier zweihundert Wächter hatte?

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