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Der rote Salon Gerardine de Lalande ermittelt von Wolf, Tom (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.09.2013
  • Verlag: be.bra verlag
eBook (ePUB)
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Der rote Salon

Dezember 1793: Gerardine de Lalande, vor Kurzem über Paris aus den Vereinigten Staaten nach Berlin zurückgekehrt, bezaubert mit ihrer kleinen Manufaktur für Camera obscura und Laterna magica die Hauptstädter. Während die ganze Stadt von der bevorstehenden Hochzeit des Thronfolgers mit der jungen Prinzessin Luise spricht, wird Gerardines beste Freundin stranguliert und mit einer mysteriösen Tätowierung auf der Schulter aufgefunden. Gegen den Willen ihres Mannes beginnt Gerardine mit eigenen Ermittlungen und gerät in den Strudel eines dunklen Geheimnisses ...

Tom Wolf, geboren 1964 in Bad Homburg, studierte Literaturwissenschaft und promovierte 1996 in Tübingen. Er ist als freier Autor für verschiedene Tageszeitungen tätig. Seit 2001 lässt er in seinen Preußenkrimis Hofkoch Honoré Langustier im Auftrag des Alten Fritz ermitteln. Tom Wolf wurde im Jahr 2005 mit dem Berliner Literaturpreis 'Krimifuchs' ausgezeichnet. Von Februar bis Juni 2006 war er 'Stadtschreiber zu Rheinsberg'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 09.09.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783839361283
    Verlag: be.bra verlag
    Serie: PreußenKrimi Bd.1
    Größe: 1069 kBytes
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Der rote Salon

"Bringen wir es hinter uns!", befahl Distel. "Bitte nur das obere Stück."

Der Meister des dunklen Orts nickte lächelnd und führte uns zu drei gemauerten Tischen. Mit einem Schwung, der mich schon früher entgeistert hatte, da er seinem ehrwürdigen Amt nicht recht zu Gesicht stand, enthüllte mir der Lächler das Antlitz einer Dämonin: das Gesicht gedunsen, die Pupillen schreckhaft geweitet, die Augäpfel grausig nach links unten verdreht, wodurch Stauungsblutungen sichtbar wurden, die auf dem vormals perlmuttweißen, jetzt cremefarbenen Grund wie braune Faulstellen wirkten. Der Mund war nicht offen, trotzdem hing die Zunge heraus. Sie schien nur an einem kleinen Ende zu baumeln - abgebissen im Erstickenskrampf. Eine rote Linie lief um den Hals, sehr dünn, was auf eine filigrane feste Schnur als Tatwerkzeug hindeutete.

"Anne de Pouquet!", entfuhr es mir, und ich hielt mich heftig aufschluchzend an Jérôme. Dafür - unter anderem - verfügen Frauen über Ehemänner ... um sich in der Rechtsmedizin, wenn ihnen eine Leiche gezeigt wird, an ihren Arm gekrallt, ausweinen zu können. Und so die Form zu wahren. Frauen müssen aufschluchzen, krallen und eisern geradestehenden Ehemännern die Samtschultern mit Tränen benetzen!

"Was ist mit ihr geschehen?", fragte der braunsamtschulterne Jérôme.

Mein früheres Interesse an Gewaltverbrechen war zeitweilig so groß, dass ich tiefe Blicke in einschlägige Handbücher warf und daher die auffälligen sekundären Merkmale der Tötungsart leicht wiedererkannte.

"Stranguliert!", brachte ich gepresst hervor, als hätte ich es auf die lächelnde Anerkennung abgesehen, die Theden erfreut nickend bezeugte, während er sich zwischen die beiden Tische linkerhand stellte. Seine Fleischerschürze glomm schwachrosa im Funzellicht der Unschlittlampen. Mir schwindelte und die Brust ward mir eng. Auch breitete sich ein Gefühl in meinem Bauch aus, so widerwärtig, dass mich der Ekel fast überwältigte.

Was war geschehen? Ich dachte an unsere gemeinsamen Monate. Der Geist konnte diese Tote nicht mit der Lebenden meiner Erinnerung in eins setzen. Alles in mir sträubte sich, das Offensichtliche zu akzeptieren.

"Es geschah das Gleiche mit ihr wie mit diesen beiden!", sagte Theden und ließ mit viel Elan die Kopf- und Brustpartien zweier weiterer Dämonen vor unseren Augen erscheinen, indem er die oberen Drittel der Laken synchron mit den Händen umklappte.

Während ich dies schreibe und auf die träge dahinziehende Havel blicke, lenkt mich eine reisefertige Schwalbengesellschaft im Schilf ab. Diese kleinen, unermüdlichen Vögel zögern wie die Störche noch immer, nach Süden zu ziehen. Das reißt meine Gedanken kurz aus dem Strudel der Erinnerung und lässt sie in sanfterem Fahrwasser Atem schöpfen. Ich verlasse für eine kleine Schleife den Ort des Schreckens, die Berliner Pathologie, in der ich 1793 so verloren und fassungslos stand, und lasse den Geist aufsteigen und zu meinem geliebten Ehemann Jérôme fliegen.

Kaum einen Monat ist es her, dass er mit dem Ballon aufstieg. Er hat guten, stetigen Wind erwischt und bis Paris nur glückhafte sechs Tage gebraucht, wie er schreibt, davon drei in einer Kutsche, da auch der schönste, nach Südwest blasende Antizephyr mitunter auf Abwege gerät. Jérôme fährt nicht ohne Begleitung: Ein Freund und leidenschaftlicher Aeronaut ist bei ihm, was mich einigermaßen beruhigt. Gestern kam ein Brief aus Straßburg mit einer Zwischenbilanz. Die meteorologische Sektion der Pariser Akademie wird ein Dutzend Wetterballone kaufen nebst zehn achromatischen Taschenperspektiven, die geographische Abteilung überdies fünfzehn Lochkameras mit Zeichenaufsatz für die Feldvermessung und fünf Theodolite! Den Vogel aber schießt der schwerreiche Baron von Walmoden ab, dem Jé

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