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Der rote Wolf von West, Morris L. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.09.2013
  • Verlag: Edel Elements
eBook (ePUB)
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Der rote Wolf

Ruarri, der 'rote Wolf', als uneheliches Kind geboren und stets verfolgt von dem Fluch, ein Bastard zu sein, hat von klein auf gelernt, sich gegen eine feindliche Umwelt zu behaupten. Er ist jahrelang durch die Welt vagabundiert - als Fremdenlegionär in Afrika, Opiumschmuggler im Fernen Osten, als abenteuernder Seefahrer - und ist dabei zum Mörder geworden. Als reicher Mann kehrt erin seine Heimat, auf die Hebrideninsel Lewis, zurück und wird dort durch Reichtum und Gerissenheit zum mächtigsten Mann der Insel. Sein Kindheitstraum scheint wahr geworden. Doch sein herrschaftlicher Lebensstil, seine ungewöhnliche Freundschaft mit einem Schriftsteller und die verzweifelte Liebe zu einer Ärztin lassen ihn nicht die Ruhe und Geborgenheit finden, nach der er sich zutiefst sehnt. Von Kühnheit und Verzweiflung gleichermaßen getrieben, bleibt er der unverstandene Außenseiter. Als endlich offenbart wird, wer sein Vater ist, kommt es zur Katastrophe...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 30.09.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783955302412
    Verlag: Edel Elements
    Übersetzt von: Übersetzung: Wille, Hansjürgen
    Größe: 2058kBytes
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Der rote Wolf

Vorspiel

Plötzlich konnte ich die Grausamkeit der Welt nicht mehr ertragen.

Ich hatte es satt: die Kriege und das Töten, das Erstehen neuer Tyranneien, die Perfektionierung alter, die Lügen und die Politik, die Drogensucht und die schale Pornographie, die stinkenden Müllhaufen von Städten, den Schrecken, der über jedem Morgen hing. Eine dunkle Verzweiflung erfüllte mich. Ich fürchtete mich, schämte mich und war traurig, ein Mensch zu sein. Ich schrie nach Neugeburt oder zumindest nach der Aufnahme in eine neue Bruderschaft. Aber weder das eine noch das andere vermochte ich zu erlangen. Die Welt stand für mich nicht still. Ich konnte aus ihr nur in eine zweifelhafte Ewigkeit springen.

Ich begann unter einem immer wiederkehrenden Albtraum zu leiden. Ich träumte von Monstren, riesigen Reptilien in einer Landschaft aus Farnen und Bärlapp und schauerlichen Mooren mit unheimlichen Blüten. Der Himmel war schwarz von dahinziehenden Schrecknissen. In der Meerestiefe wimmelte es von Raubfischen. Auch ich war dort, losgelöst von der Zeit, saß in dem riesigen Schlachthaus, das die Wirklichkeit hinter dem Traum des Menschen vom Paradies war. Ich war allein, schrie meine Angst unter den seelenlosen Ungeheuern aus mir heraus. Ich duckte mich vor dem Schauspiel ihrer blutigen Schlachten. Ich rannte sinnlos durch einen Urweltdschungel, betäubt von gespenstischen Dissonanzen. Ich erwachte in Schweiß gebadet in meinen verwühlten Laken, zitternd unter dem Ansturm eines unvorstellbaren Grauens.

Ich wurde mir schließlich selber fremd; sogar mein Herz schien etwas Feindliches geworden zu sein, als ob alle Talismane, die meine Identität kennzeichneten, sich in feindliche Fetische verwandelt hätten. Es war mir, als zerspränge ich. Ich wußte, wenn ich mich nicht hinsetzen, die Scherben aufsammeln und wieder zusammenfügen konnte, würde ich vielleicht wahnsinnig werden oder alle Hoffnung auf Selbsterhaltung einem Akt absoluter Negation opfern. Da aber geschah etwas wie ein Wunder, auf das ich noch heute mit Staunen und Scheu zurückblicke.

Es war ein Morgen Anfang August. Ich war in düsterer Stimmung und schlenderte ziellos die alte Via Appia entlang, wo die umgestürzten Steine und Marmorfragmente und die geplünderten Grabstätten von der Flüchtigkeit menschlichen Bemühens zeugen. Es hatte in der Nacht geregnet, und ich stocherte in der feuchten Erde am Straßenrand, in der Hoffnung, eine jener Münzen oder ein Amulett zu finden, die manchmal an die Oberfläche des ausgelaugten, bröckligen Bodens kommen. Da rief eine Stimme meinen Namen und begrüßte mich in einem Englisch mit weichem schottischem Akzent.

Ich blickte verblüfft und zugleich ärgerlich über diese Störung meines kindlichen Zeitvertreibs auf. Es war ein hochgewachsener, kräftiger Mann, wohl fast zwei Meter groß, mit dichtem schneeweißem Haar, einem geröteten, sommersprossigen Gesicht und einem Grinsen, das ihn wie einen zufriedenen Pan aussehen ließ. Ich starrte ihn mit offenem Munde an, als mir plötzlich aufging, wer er war.

"Mein Gott! Alastair Morrison! Ich glaubte, Sie kurierten noch die Heiden in Thailand."

"Das habe ich schon vor einem Jahr aufgegeben, weil ich nicht mehr recht wußte, wer Heide war und wer nicht. Was machen Sie in Rom?"

"Das gleiche frage ich Sie und noch vieles andere."

Ich zitierte, was er früher einmal gesagt hatte. Er lachte, und ich stimmte in das Lachen ein. Ein merkwürdiger Gedanke, daß ich lange nicht gelacht hatte.

Wir gingen zu mir, ich tischte ihm Wein und Pasta auf, und wir sprachen von der Zeit, da er ein ärztlicher Missionar in Chiengmai und ich ein erfolgloser freier Schriftsteller in Südasien gewesen war. Er erzählte mir, er habe sich in das Haus seiner Familie zurückgezogen und Angel- und Jagdrechte auf den Hebriden erworben. Ich berichtete ihm, was ich getan, und von dem seltsamen Überdruß, der mich in den letzten Monaten gepackt hatte.

Er hörte zu, paffte aus

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