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Der Schatten des Bösen Thriller von Bolton, Sharon (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.04.2019
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Der Schatten des Bösen

Anlässlich der Beerdigung des ehemaligen Sargtischlers und Mörders Larry Glassbrook kehrt die Polizistin Florence Lovelady mit ihrem Sohn Ben zurück nach Lancashire - in die Stadt des spektakulären Falls, der einst ihre Karriere begründete. 1969 wurden dort mehrere Jugendliche vermisst. Es stellte sich heraus, dass sie entführt und in Särgen lebendig begraben worden waren. Florence gelang es, Grassbrook dieser grausamen Taten zu überführen und ihn lebenslang hinter Gitter zu bringen. Doch kaum ist der vermeintliche Mörder von damals selbst unter der Erde, mehren sich die Zeichen, dass der Schatten des Bösen weiter reichen könnte als vermutet ... Der erste Fall für Florence Lovelady: "Brillant gemachter Nervenkitzel" (The Guardian) Sharon Bolton wurde im englischen Lancashire geboren, hat eine Schauspielausbildung absolviert und Theaterwissenschaft studiert. 'Todesopfer', ihr erster Roman, wurde von Lesern und Presse begeistert gefeiert und machte die Autorin über Nacht zum neuen Star unter den britischen Spannungsautorinnen. Ihrem ersten Triumph folgten mittlerweile acht weitere Thriller - darunter vier mit der grandiosen Ermittlerin Lacey Flint -, in denen Sharon Bolton ihr brillantes Können immer wieder unter Beweis stellte. Sie wurde bereits für zahlreiche Krimipreise nominiert und für 'Schlangenhaus' mit dem Mary Higgins Clark Award ausgezeichnet sowie mit dem Dagger in the Library für ihr Gesamtwerk. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in Oxford.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 560
    Erscheinungsdatum: 01.04.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641232634
    Verlag: Goldmann
    Originaltitel: The Craftsman
    Größe: 1966 kBytes
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Der Schatten des Bösen

1. Kapitel

Dienstag, 10. August 1999

Am heißesten Tag des Jahres ist Larry Glassbrook zum letzten Mal in seine Heimat Lancashire zurückgekehrt, und die Leute aus der Stadt sind gekommen, um ihn zu verabschieden.

Nicht auf freundliche Art und Weise.

Vielleicht bilde ich es mir ja nur ein, aber die Menschenmenge vor der Kirche scheint während des kurzen, unterkühlten Trauergottesdienstes größer geworden zu sein. Viele sind früh gekommen, um sich wie Zuschauer vor einer großen Parade einen guten Platz zu sichern.

Überall, wo ich hinschaue, zwischen Grabsteinen und entlang der Friedhofsmauer stehen Leute, sie säumen die Wege wie eine gespenstische Ehrengarde. Als wir dem Sarg hinaus ins grelle Sonnenlicht folgen, sehen sie uns an, ohne sich zu rühren oder etwas zu sagen.

Die Presse ist in voller Mannschaftsstärke erschienen, obwohl das Datum so lange wie möglich geheim gehalten wurde. Uniformierte Polizisten drängen die Medienleute zurück, halten die Wege und das Kirchenportal frei, aber die Fotografen haben Trittleitern und riesige Teleobjektive mitgebracht. Die runden, flauschigen Mikrofone der Berichterstatter sehen aus, als könnten sie noch das Huschen der Kirchenmäuse einfangen.

Ich halte den Blick gesenkt, schiebe die Sonnenbrille auf der Nase noch ein wenig höher, obgleich mir klar ist, dass ich inzwischen ganz anders aussehe. Dreißig Jahre sind eine lange Zeit.

Ein paar Meter vor mir laufen dicke Schweißperlen über die Nacken der Sargträger. Die Männer ziehen eine Geruchsspur hinter sich her, einen Dunst von Aftershave und biergesättigtem Schweiß, von nicht oft genug gereinigten Anzügen.

Das Niveau ist seit Larrys Zeiten deutlich gesunken. Die Angestellten des Beerdigungsunternehmens Glassbrook & Greenwood trugen Anzüge, so schwarz wie frisch geschlagene Kohle. Ihre Schuhe und ihr Haar glänzten, und sie rasierten sich so gründlich, dass sie immer gereizte, wunde Haut hatten. Larrys Männer trugen die Särge voller Ehrfurcht, wie die Kunstwerke, die sie waren. Solche billigen Furniersärge wie den da vor mir hätte es bei Larry niemals gegeben.

Zu wissen, dass seine eigene Beerdigung nicht die Anforderungen erfüllen würde, auf denen er immer bestanden hatte, könnte durchaus eine bittere Enttäuschung für Larry gewesen sein. Andererseits hat er vielleicht auch gelacht, laut und gemein. So, wie er es manchmal getan hatte, wenn man es am wenigsten erwartete und besonders erschreckend wirkte. Und dann fuhr er sich vielleicht mit den Fingern durch sein schwarzes Haar, zwinkerte anzüglich und tanzte weiter zu den Elvis-Songs, die er in seiner Werkstatt unablässig hörte.

Noch nach all dieser Zeit bekomme ich Herzrasen beim bloßen Gedanken an die Musik von Elvis Presley.

Wie ein riesiges krabbelndes Insekt ändern der billige Sarg und seine Träger die Richtung und verlassen den Weg. Während wir nach Süden auf das Familiengrab der Glassbrooks zuhalten, brennt die Hitze so heftig auf unseren Gesichtern wie die Bühnenscheinwerfer einer heruntergekommenen Musicalhalle. In Lancashire, so weit oben auf dem Hochmoor, sind heiße Tage selten, heute jedoch scheint die Sonne fest entschlossen zu sein, Larry schon einmal einen Vorgeschmack auf die Temperaturen zu geben, die in seinem nächsten Kerker auf ihn warten.

Ich frage mich, was wohl auf seinem Grabstein stehen wird: Treu ergebener Ehemann, liebevoller Vater, gnadenloser Mörder.

Während seine letzten Minuten über der Erde verstreichen, scheint die Menge gleichzeitig vorwärtszudrängen und zurückzuweichen, wie ein verwirrtes Meer, das nicht mehr genau weiß, ob Ebbe oder Flut ist.

Da sehe ich aus dem Augenwinkel die Teenager, halb verborgen hinter dem Rand meiner Sonnenbrille. Ein Junge und zwei Mädchen, klein, dürr, in grellbunten Polyesterklamotten. Die Blicke der Erwachsenen huschen auf dem Friedhof umher, mustern zornig die Trauergäste, streifen nervös

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