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Der Schatten des Chamäleons Roman von Walters, Minette (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.04.2016
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Der Schatten des Chamäleons

Das Fremde in dir. Wehe, wenn es erwacht! Charles Acland erleidet eine schwere Kopfverletzung, die nicht nur sein Gesicht zeichnet, sondern vor allem seine Seele zutiefst verwundet. Der bisher als heiter und offen geltende Charles entwickelt sich zu einem unberechenbaren Mann, der seine Umwelt terrorisiert. Das Beängstigende: Charles ist sich seiner Persönlichkeitsveränderung bewusst, steht aber seinen eigenen Ausbrüchen vollkommen hilflos gegenüber. Als er nach einer Auseinandersetzung mit einem Mann in den Verdacht gerät, mit einer Mordserie in Verbindung zu stehen, sind weder er noch die Polizei sich sicher, ob er der gesuchte Killer ist ... Minette Walters arbeitete lange als Redakteurin in London, bevor sie Schriftstellerin wurde. Seit ihrem Debüt 'Im Eishaus', das 1994 auf Deutsch veröffentlicht wurde, zählt sie zu den Lieblingsautoren von Millionen Leserinnen und Lesern in aller Welt. Alle ihre bisher erschienenen Romane wurden mit wichtigen Preisen ausgezeichnet und in zahlreiche Sprachen übersetzt. Minette Walters lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen in Dorset, England.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 100
    Erscheinungsdatum: 05.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641186395
    Verlag: Goldmann
    Größe: 2691 kBytes
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Der Schatten des Chamäleons

1

Als Charles Acland aus der Bewusstlosigkeit erwachte, glaubte er zuerst, beim Zahnarzt zu sein. Sein ganzer Mund war taub wie von einer Betäubungsspritze. Dabei war die Sache mit dem Zahnarzt völlig absurd. Er lag auf dem Rücken, die Zimmerdecke über ihm bewegte sich, und hinter ihm bimmelte laut eine Glocke. Ein Wecker ? Er wollte den Kopf heben, um zu sehen, wo er war, aber sofort spürte er eine Hand auf seiner Brust, und das körperlose Gesicht einer Frau erschien über ihm. Die Zahnärztin ? Er sah, dass ihre Lippen sich bewegten, konnte aber nicht hören, was sie sagte, weil der Wecker immer noch schrill läutete. Er überlegte, ob er sie bitten sollte, das Ding abzustellen, bezweifelte aber, dass er unter der Einwirkung des Novokains überhaupt verständlich sprechen konnte. Und sie würde ihn ohnehin nicht hören können.

Irgendwo in den Tiefen seines Bewusstseins lauerte eine ihm unbekannte Angst. Er verstand nicht, warum, aber die Nähe der Frau beunruhigte ihn. Er hatte sich schon einmal in dieser Lage befunden - platt auf dem Rücken und unfähig, sich zu bewegen -, und eine starke Erinnerung an Schmerzen überfiel ihn. Flüchtig erschien eine andere Frau in seinem Blickfeld, schlank, dunkelhaarig und anmutig. Sie hatte Tränen in den Augen, aber Acland hatte keine Ahnung, wer sie war. Er reagierte instinktiv mit Ablehnung.

Seine einzigen Bezugspunkte waren der Wecker und die Zimmerdecke, die sich über ihm bewegte. Und mit beiden konnte er nichts anfangen. Er hätte ewig im Zustand morphiuminduzierter Losgelöstheit dahintreiben können, wenn nicht sein erwachendes Bewusstsein ihm gesagt hätte, dass dies kein Traum war. Sein Empfindungsvermögen meldete sich wieder. Ein Ruck, als das Bett über eine Schwelle holperte. Ein Zug an den Gurten, als sein Körper zuckte. Ein dumpfer Schmerz im hinteren Teil seines Kiefers. Ein kurzer stechender Schmerz den Hals hinauf. Die verwunderte Erkenntnis, dass nur eines seiner Augen geöffnet war.

Mit Grauen erkannte er, dass er wach war - ohne eine Ahnung, wer er war, wo er war und was ihm zugestoßen war ...

Jedes Mal, wenn er danach erwachte, wurde das Grauen größer. Mit der Zeit begriff er, dass das Bimmeln in seinem Kopf war. Mit jeder Rückkehr des Bewusstseins wurde es erträglicher, aber er konnte trotzdem nicht hören, was die Menschen sprachen, deren Gesichter zu ihm hinunterblickten. Die Münder öffneten und schlossen sich, aber kein Laut erreichte ihn. Er wusste auch nicht, ob seine Lippen die Signale umsetzten, die sein Gehirn ihnen sandte. Er versuchte, von seinen Ängsten zu sprechen, aber an der Reaktionslosigkeit der fremden Gesichter erkannte er, dass seine Lippen sich nicht bewegten.

Zeit hatte keine Bedeutung. Er hätte nicht sagen können, wie oft er in Bewusstlosigkeit versank und wieder erwachte, wie lange die Schlafphasen dauerten. Er war überzeugt, dass Tage und Wochen vergangen waren, seit er an diesen Ort gebracht worden war, und als einzelne Schnipsel der Erkenntnis sich zusammenfügten, erwachte Zorn in ihm. Irgendetwas Schlimmes war passiert. Er war im Krankenhaus. Die talking heads waren Ärzte. Aber sie halfen ihm nicht, und sie erkannten nicht, dass er wach war. Er hatte entsetzliche Angst, er könnte in der Hand von Feinden sein - warum? - oder für immer gefangen in einem Zustand der Lähmung, der ihm zwar vernünftig zu denken erlaubte, nicht aber sich mitzuteilen.

Er fühlte sich von der dunkelhaarigen Frau bedrängt. Ihr Geruch widerte ihn an, ebenso die Berührung ihrer Hand. Sie war immer da, zarte Tränen auf den blassen Wangen, aber ihre Traurigkeit ergriff ihn nicht. Er wusste intuitiv, dass die Tränen Theater waren und nicht ihm galten, und verachtete sie für ihre Unaufrichtigkeit. Er meinte, er müsste sie kennen. Jedes Mal, wenn er erwachte und sie unter halbgeschlossenen Lidern hervor beobachtete, glaubte er, eine gewisse Ve

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