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Der Schatten des Fälschers von Barrosa, Vladi (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.09.2015
  • Verlag: novum pro Verlag
eBook (ePUB)
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Der Schatten des Fälschers

Berlin, 1945: Die letzten Tage des Krieges. Die Stadt ist von den Alliierten umzingelt; der Krieg für Nazi-Deutschland hoffnungslos verloren. Der SS-Offizier Gustav von Wannstedt, Zeuge der letzten Stunden des Führers, hat die Hoffnungslosigkeit der Lage längst erkannt und sieht nur noch einen Ausweg vor dem sicheren Tod: Die Flucht aus Berlin. Er kämpft sich bis in die neutrale Schweiz vor, wo er mit einer neuen Identität ein neues Leben beginnen will. Zürich, 55 Jahre später. Lukas Wellauer trauert um seinen Vater, einem Zürcher Buchhändler deutscher Herkunft. Während er die Wohnung des Verstorbenen aufräumt, entdeckt er Dinge, die nicht zum Bild passen wollen, dass er von seinem Vater hat. So entdeckt er auch verschiedene Nazi-Magazine und sogar eine Originalausgabe von 'Mein Kampf', signiert von Hitler für einen Gustav von Wannstedt. Lukas beginnt Nachforschungen anzustellen, die folgenreiche Ereignisse auslösen. Vladi Barrosa ist ein langjähriger ehemaliger Zürcher Radiojournalist und -Moderator (Radio24) und arbeitet heute als Kommunikationsexperte und Unternehmenssprecher in der Luftfahrtbranche. 1972 in Zürich geboren, spricht der Sohn spanischer Einwanderer neben Deutsch auch fließend Englisch, Spanisch, Italienisch und Französisch. Zu seinen Hobbies zählen Fußball, Golf, Reisen, Literatur, Geschichte, Kino und Theater. Er lebt in Wallisellen bei Zürich. 'Der Schatten des Fälschers' ist sein erster Roman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 334
    Erscheinungsdatum: 21.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783990387320
    Verlag: novum pro Verlag
    Größe: 536 kBytes
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Der Schatten des Fälschers

Kapitel 4

Herrliberg, 4. April 2000, gegen Mittag

Sein Herz pochte laut in der Brust, als er vor der Türe des Hauses seiner Schwester stand. Die Villa, etwas außerhalb von Zürich gelegen, an der sogenannten Goldküste, hatte ihr Mann vor etwas mehr als drei Jahren bauen lassen. Kurt Blaser war ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann, der es fertiggebracht hatte, Ende der Achtzigerjahre mehrere Millionen Schweizer Franken auf einem Nummernkonto bei der UBS sein Eigen zu nennen. Den Großteil seines Vermögens hatte Kurt Blaser cleveren, wenn auch oftmals äußerst riskanten Börsengeschäften zu verdanken. Blaser hatte Wellauers Schwester 1985 geheiratet. Sie waren noch immer, so schien es wenigstens, ein glückliches Ehepaar. Ihre beiden Kinder Matthias und Lorenz waren unterdessen dreizehn und zehn Jahre alt.

Marion Blaser-Wellauer saß, eine Tasse in den Händen haltend, im Wintergarten und wartete unruhig auf ihren Bruder. Sie trank fürs Leben gern Tee, egal ob Sommer oder Winter. Als sie die Tasse hob, um einen weiteren Schluck zu nehmen, sah sie ihren Bruder kommen. Wie immer ging Lukas nicht auf dem Kiesweg zum Wintergarten, sondern überquerte die Strecke vom Parkplatz zum Gebäude über die Wiese, die noch immer regennass war.

"Du wirst dich niemals ändern", sagte Marion ihrem Bruder zur Begrüßung. "Zieh wenigstens die Schuhe aus, Lukas."

Wellauer setzte sich zu seiner Schwester und legte das Buch und das Magazin, das er am Vortag entdeckt hatte, vor sich auf den Tisch.

"Schon mal gesehen?", fragte er sie.

"Nein", war ihre knappe Antwort.

"Na, dann lies mal." Er schob ihr das Buch entgegen und sagte noch: "Seite drei ist ausgesprochen spannend."

Seine Schwester öffnete das Buch und betrachtete die Widmung. Wie ihr Bruder zuvor fuhr auch sie mit dem Finger über das Papier, als wollte sie in der alten, trockenen Tinte irgendetwas spüren. Dann klappte sie es wieder zu und schob es ihrem Bruder zurück.

"Ich hatte gehofft, dass wir uns nie mit diesem Thema befassen müssten", sagte sie nach einer kurzen Denkpause. "Hast du mit Edith gesprochen?", fragte sie ihren Bruder.

"Nein, ich wollte zuerst mit dir reden. Weiß sie davon?"

Seine Schwester schüttelte den Kopf.

"Außer Mutter und mir hat bis jetzt niemand in unserer Familie etwas davon gewusst. Es wäre besser, wenn Edith nichts davon erführe. Wir müssen die Familie ja nicht unnötig beunruhigen."

Edith Richter-Wellauer, die mittlere der drei Geschwister, war früh von zu Hause weggegangen. Mit neunzehn Jahren war sie nach Genf gezogen, um einen Sprachaufenthalt zu absolvieren, und war dort hängen geblieben. In den letzten fünfzehn Jahren war sie gerade vier Mal in Zürich gewesen. Zum Begräbnis der Mutter, zur Geburt der Kinder ihrer Schwester und vor etwas mehr als drei Wochen zum Begräbnis des Vaters. Sie lebte nach wie vor in Genf und arbeitete dort bei einer amerikanischen Investmentbank. Ihren Mann Paul Richter, einen Österreicher, der für die UNO arbeitete, hatte sie bei einem Spaziergang am Ufer des Genfersees kennen- und lieben gelernt. Zürich hatte keine Bedeutung mehr für Edith Richter-Wellauer.

"Gut", sagte Lukas Wellauer, "ich allerdings möchte alles wissen. Die ganze Geschichte unseres Vaters. Ich möchte wissen, wer er wirklich war."

"Lukas, es gibt viele Dinge im Leben deines Vaters, die dich erschüttern werden, wenn du sie erfährst. Du wirst ihn nie mehr mit denselben Augen sehen. Deine Erinnerung an ihn wird niemals die gleiche sein. Ist es dir das wirklich wert? Ist es für dich tatsächlich so wichtig zu wissen, was in seiner Vergangenheit geschehen ist?"

Er blickte seiner Schwester tief in die Augen und musste sich räuspern, doch dann sagte er mit

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