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Der Schattenmörder Roman von North, Alex (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.08.2020
  • Verlag: Blanvalet
eBook (ePUB)
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Der Schattenmörder

In den Schatten lauert das Böse ... Der neue fesselnde Spannungsroman von Alex North nach dem internationalen Bestsellererfolg DER KINDERFLÜSTERER!
Niemals hat Paul den Tag vergessen, an dem er Charlie Crabtree in der Schule zum ersten Mal begegnete. Charlie mit seinem überlegenen Lächeln und den dunklen Fantasien, mit denen er Paul in seinen Bann zog. Sie waren Freunde. Bis zu dem Tag als Charlie den Mord beging und danach spurlos verschwand. Fünfundzwanzig Jahre später kehrt Paul erstmals in seine Heimatstadt zurück. Seine Mutter liegt im Sterben, die Pflegerin hat ihn alarmiert. Gleich nach seiner Ankunft passieren seltsame Dinge. Die Mutter behauptet, jemand sei im Haus gewesen, und als Paul den Dachboden betritt, findet er alles übersät mit blutig-roten Handabdrücken. In der Stadt bemerkt Paul, dass ihn jemand verfolgt, und er beginnt sich zu fragen: Was geschah damals mit Charlie Crabtree am Tag des Mordes?
Unheimlich, beklemmend und nervenzerreißend spannend - der neue Roman von Alex North.

Alex North, geboren und aufgewachsen in Leeds, England, studierte Philosophie und arbeitete nach seinem Abschluss an der Fakultät für Soziologie und Sozialpolitik. Insgeheim hegte er aber immer den Wunsch zu schreiben. Mit seinem atmosphärischen Spannungsroman "Der Kinderflüsterer" gelang ihm 2019 der große Durchbruch. Der Roman wurde international gefeiert und stand auch in Deutschland wochenlang auf der SPIEGEL-Bestsellerliste. Alex North lebt bis heute in seiner Heimatstadt Leeds, inzwischen mit seiner Frau, dem gemeinsamen Sohn und zwei Katzen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 416
    Erscheinungsdatum: 17.08.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641240080
    Verlag: Blanvalet
    Originaltitel: The Shadow Friend
    Größe: 3676 kBytes
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Der Schattenmörder

1
Heute

An dem Tag, als alles anfing, hatte Detective Amanda Beck eigentlich frei und schlief bis weit in den Vormittag. Mitten in der Nacht war sie von einem Albtraum geweckt worden, den sie schon häufiger gehabt hatte. Anschließend hatte sie sich an den leichten Schlaf geklammert, so lange es ging. Als sie zu guter Letzt aufgestanden war, sich geduscht und Kaffee gekocht hatte, war es fast Mittag gewesen. Unterdessen war andernorts ein Junge umgebracht worden, nur dass das noch keiner wusste.

Am Nachmittag machte sich Amanda im Auto auf den kurzen Weg zu ihrem Vater. Als sie vor den Rosewood Gardens ankam, parkten dort zwar ein paar andere Wagen, aber der Bürgersteig war leer. Während sie den gewundenen Weg zwischen den Blumenbeeten zum Zugangstor entlangging, herrschte um sie herum Totenstille. Wo sie auf welchen Weg abbiegen musste und dann an wohlbekannten Gräbern vorbeikam, hatte sich ihr in den vergangenen zweieinhalb Jahren tief eingeprägt.

War es komisch, sich die Toten als Bekannte vorzustellen?

Vielleicht. Trotzdem war es teils so. Sie fuhr mindestens einmal in der Woche zum Friedhof, und das bedeutete, dass sie sich mehr mit den Leuten abgab, die hier unter der Erde lagen, als mit den paar lebenden Freunden, die sie hatte. Sie hakte sie im Vorbeigehen ab: hier das Grab, das immer so schön gepflegt war, mit frischen Blumen. Dort das mit der alten, leeren Brandyflasche, die am Grabstein lehnte. Und dann das Grab mit den Kuscheltieren: ein Kindergrab, wie Amanda vermutete, auf dem die trauernden Eltern Geschenke ablegten, weil sie noch nicht zulassen wollten, dass ihr Kind sie vollends verließ.

Und schließlich ganz hinten das Grab ihres Vaters.

Sie blieb stehen und schob die Hände in die Manteltaschen. Auf dem Grab stand ein rechteckiger Stein - breit, wuchtig, genau wie ihr Vater in ihrer Jugend gewesen war. Die Schlichtheit hatte etwas Unerbittliches, das sie jedoch als angenehm empfand - lediglich der Name und die beiden Daten, die sein Leben definiert hatten. Kein Schnickschnack, genau wie er es gewollt hätte. Ihr Vater war zu Hause ein liebevoller, aufmerksamer Mann, aber hauptsächlich nun mal Polizist gewesen, hatte sich stets in den Dienst der Sache gestellt und, wenn Feierabend gewesen war, die Arbeit auf der Dienststelle zurückgelassen.

Dieser Wesenszug war bei der Auswahl des Grabsteins maßgeblich gewesen. Keine verdammten Blumen auf meinem Grab, Amanda. Wenn ich weg bin, bin ich weg. Eine der zahlreichen Anweisungen, denen sie nachgekommen war.

Trotzdem, es fühlte sich noch immer seltsam und ungut an, dass er nicht mehr da sein sollte. Als Kind hatte sie im Dunkeln Angst gehabt, und es war immer ihr Vater gewesen, der gekommen war, wenn sie gerufen hatte. Wenn er Nachtschicht gehabt hatte, war sie beunruhigt gewesen, das wusste sie noch, als wäre ihr das Sicherheitsnetz weggenommen worden und nichts mehr da, was sie im Notfall auffangen könnte. Und so fühlte sich derzeit auch ihr Leben an. Dieses unterschwellige Gefühl, dass etwas verkehrt war, dass irgendetwas fehlte. Dann fiel ihr jedes Mal wieder ein, dass ihr Vater gestorben war, und es machte sie von Neuem fertig. Wenn sie jetzt riefe, wäre da niemand mehr, der sie trösten käme.

Sie zog den Mantel ein bisschen enger.

Und auch kein Mit-mir-Reden, sobald ich weg bin.

Noch so eine Anweisung. Wenn sie das Grab besuchen kam, stand sie entsprechend immer nur da und dachte nach. Natürlich hatte ihr Vater damit recht gehabt. Sie war genauso wenig gläubig, wie er es gewesen war, insofern hätte es auch wenig Sinn, hier irgendwas vor sich hin zu faseln. Es hörte sowieso keiner mehr. Die Chance, ihm noch gewisse Fragen zu stellen, war verstrichen. Sie war mit wenig Lebenserfahrung und dem bisschen Wissen zurückgeblieben, das ihr Vater ihr vermittelt hatte, und jetzt war es an ihr, sich da durchzuwühlen.

Nüchtern.

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