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Der Schrei des Hahns Roman von Walters, Minette (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.04.2016
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Der Schrei des Hahns

Abgründiger Psychothriller nach einem historischen Kriminalfall

Die 22jährige Elsie Cameron ist weder hübsch noch charmant, kaut Fingernägel und hat auch sonst nichts, was Männer anziehen könnte. Im Gegenteil, sie ist launisch, besitzergreifend und eifersüchtig. Dabei will sie doch nur eines: geliebt werden um jeden Preis. Und zwar von Norman Thorne. Der jüngere und in Liebesangelegenheiten noch unbedarfte Norman gibt Elsies stürmischem Werben allzu schnell und unüberlegt nach - nicht ahnend, worauf er sich einlässt ...

Minette Walters arbeitete lange als Redakteurin in London, bevor sie Schriftstellerin wurde. Seit ihrem Debüt 'Im Eishaus', das 1994 auf Deutsch veröffentlicht wurde, zählt sie zu den Lieblingsautoren von Millionen Leserinnen und Lesern in aller Welt. Alle ihre bisher erschienenen Romane wurden mit wichtigen Preisen ausgezeichnet und in zahlreiche Sprachen übersetzt. Minette Walters lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen in Dorset, England.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 100
    Erscheinungsdatum: 05.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641186050
    Verlag: Goldmann
    Größe: 1160 kBytes
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Der Schrei des Hahns

KAPITEL 2

Nord-London - Sommer 1921

Norman trottete schlurfend neben Elsie her. Fiat hatte ihm gekündigt, und er lebte von zehn Schillingen Stütze die Woche. "Alle sind entlassen worden", sagte er. "Es ist überall das Gleiche. Dad hat gesagt, es gibt drei Millionen Arbeitslose, und es soll noch schlimmer werden."

Elsie musste schnell gehen, um mit ihm Schritt zu halten, er hatte längere Beine. "Und was willst du tun?"

"Keine Ahnung."

"Aber irgendwas musst du tun, Schatz. Du kannst nicht auf Dauer von der Stütze leben."

(Sie meinte: 'Wenn du nicht bald eine andere Arbeit findest, werden wir ewig nicht heiraten können.' Aber Norman wich aus, wie immer bei diesem Thema.)

"Sie haben uns belogen", beschwerte er sich stattdessen. "Als wir an die Front gegangen sind, haben sie uns erzählt, wenn wir heimkommen, würden wir ein Land vorfinden, 'das seiner Helden würdig' sei. Weißt du noch? Sie haben uns Arbeit und Geld versprochen -", er schlug zornig nach einem Busch, an dem sie vorüberkamen, "- und gekriegt haben wir verdammt noch mal gar nichts."

Elsie überging das 'Verdammt noch mal'. Jetzt war nicht der Moment, ihm das Fluchen zu verbieten. Sie hätte am liebsten gesagt, dass es ihr ärger zu schaffen machte als ihm. Alles war so gut gelaufen, solange er verdient hatte. So gut, dass er sogar gelächelt hatte, wenn sie Andeutungen übers Heiraten machte. Nun stand er ohne Arbeit da, und alles war anders.

Von Heirat könne keine Rede sein, solange er arbeitslos war. Frau und Kinder kosteten Geld. Kein Mann dürfe Versprechungen machen, die er dann doch nicht einlösen konnte. Zu einer Ehe gehöre mehr als ein paar Küsse. Not und Armut führten zu Wut und Hass.

Solche Dinge wollte Elsie nicht hören. Sie hatte eine romantische Ader und redete sich ein, dass die Liebe alle Schwierigkeiten überwinden könne. Was konnte es ihnen schon ausmachen, arm zu sein, wenn sie zusammenhielten? Sie wusste, dass sie für Norman sehr viel mehr empfand als er für sie. Sie nannte ihn 'Bärchen', 'Schatz' oder 'Liebster', aber er nannte sie immer nur 'Elsie' oder 'Else'.

Sie hakte sich bei ihm unter und setzte ihr strahlendstes Lächeln auf. "Du hast mir doch immer erzählt, dass man mit Hühnern gut verdienen kann. Warum baust du dir nicht eine Hühnerfarm auf?"

"Und wo bitte?" Sein Ton war gereizt, als fände er ihren Vorschlag albern. Aber er stieß sie nicht weg.

"Jedenfalls nicht in London. Irgendwo außerhalb. Sussex oder Surrey vielleicht. Auf dem Land ist der Grund billiger."

Er blieb stehen. "Und wie soll ich das bezahlen?"

"Du könntest deinen Vater fragen, ob er dir was leiht. Du hast doch gesagt, dass er immer sehr sparsam war und etwas zur Seite gelegt hat. Wer weiß! Vielleicht gibt er lieber mit warmer Hand, als zu warten, bis die Hand kalt ist. Er hat doch niemanden, dem er es hinterlassen kann."

"Meinst du wirklich?"

"Warum denn nicht? Hühner züchten ist besser, als von der Stütze leben."

Es war erstaunlich, wie schnell seine Niedergeschlagenheit verflog. "Du könntest recht haben, Else. Er hat gesagt, dass er mir jederzeit unter die Arme greifen würde, wenn Not am Mann ist."

"Na bitte."

Flüchtig drückte er ihre Hand. "Wir könnten uns aber nicht mehr so oft sehen. Sussex ist ganz schön weit von Kensal Rise."

"Das schaffen wir schon", meinte sie. "Wir schreiben uns eben jeden Tag. Das macht unsere Liebe nur stärker."

Norman war überrascht, wie schnell sein Vater die hundert Pfund für das Vorhaben lockermachte. Elsie meinte, er glaube eben an seinen Sohn. Norman vermutete, dass es ihm mehr darum ging, ihn von Elsie zu trennen. Mr. Thorne war ein wenig zu erpicht darauf, seinen Sohn nach Sussex zu schicken. Vielleicht hoffte er auf den alten Spruch, aus den Augen, aus dem Sinn.

"Die Veränderung wird dir gutt

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