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Der siebente Winter Kriminalroman von Eik, Jan (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.07.2015
  • Verlag: EDITION digital
eBook (PDF)
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Der siebente Winter

Während seines langersehnten Urlaubs erlebt Siegfried Korn eine böse Überraschung. Auf den Geldtransport seines Kombinats wird ein Überfall verübt. Und dieser Überfall läuft genau nach dem Muster ab, den er sich vor vielen Jahren mit drei ehemaligen Studienkollegen im Suff und aus Jux und Dallerei ausgedacht hatte. LESEPROBE: Früher hatten sie über die gleichen Witze gelacht und in Mittweida nebeneinander in Ehebetten geschlafen, ohne dass ihm an Hannes jemals eine besondere Neigung aufgefallen war. Der Gedanke daran entlockte ihm jetzt unwillkürlich ein Grinsen. Korn startete den Wartburg und fuhr in nördlicher Richtung auf die Invalidenstraße zu. Er kannte sich nicht gut aus in diesem Teil der Stadt, und es herrschte bereits reger Feierabendverkehr, der seine Aufmerksamkeit forderte. Dennoch ging ihm im Kopf die Frage herum, von wem er erfahren konnte, was seit gestern beim RIF tatsächlich passiert war? Von Androsch gewiss ebenso wenig wie von Hadank. Die saßen vermutlich als permanent tagender Krisenstab in Hadanks Büro beisammen und vermissten ihn. Und Adelheid hatte der Major wegen dieser dämlichen Terminänderung im Visier. Die Sache stank. Irgendwie musste herauszukriegen sein, wer es auf das Geld abgesehen hatte. Sosehr der Gedanke auch schmerzte: Der Schlüssel für den Raubüberfall konnte nur beim RIF liegen; nicht bei Graubaum oder Rosanke. Oder bei Ulf Dettenberg. Den Morgenbesuch hätte er sich schenken können. Eine Schnapsidee, Ulf mit einer solchen Räuberpistole zu überfallen. Kein Wunder, dass er sich beunruhigt fühlte. Und dann kam ihm Cordula Landgraf in den Sinn. Die Sekretärinnen sind die wahre Macht in jedem funktionierenden Betrieb. Das Haus, in dem Cordula Landgraf wohnte, fand Korn wieder, obwohl eine Haustür in der Straßenzeile aussah wie die andere und es bereits dunkelte. Zwei-, dreimal war er bei ihr gewesen, um dringende Arbeiten zu bringen oder abzuholen, wenn Cordulas Tochter krank war. Das lag Jahre zurück. Und vor beinahe ebenso langer Zeit, nach einem Kollektivabend in einem Pankower Nobelschuppen à la 'Nina', hatte er vor dieser Haustür ein halbes Stündchen mit Cordula gestanden und sich schließlich mit einem züchtigen Wangenkuss von ihr verabschiedet. Er mochte sie, das gab er unumwunden zu. Nur hatte ihn noch nie jemand danach gefragt. Seltsamerweise nicht einmal Regina, die früher gelegentlich Regungen von Eifersucht gezeigt hatte. Helmut Eikermann wurde 1940 in Berlin geboren. Nach dem Studium in Mittweida und Dresden Diplom-Ingenieur für Informationstechnik beim Rundfunk der DDR. Seit 1961 Glossen, Feuilletons, Reportagen und Rezensionen hauptsächlich in Die Weltbühne; Kinderhörspiele, Features und Jazzsendungen für den Rundfunk. Seit 1987 freiberuflicher Autor und Publizist; Beiträge zur Medien-, DDR- und Berlin-Geschichte und zur Kriminalliteratur. Gründungsmitglied der Sektion Kriminalliteratur im Schriftstellerverband der DDR; 1990 Mitglied im VS/ver.di, in der Kurt-Tucholsky-Gesellschaft und bis 20007 im SYNDIKAT, Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur; 1991/93 und 1994/98 Herausgeber des Syndikat-Informationsblattes Secret Service. 1990 Handschellenpreis der Sektion Kriminalliteratur 1999 Berliner Krimipreis - Krimifuchs

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 284
    Erscheinungsdatum: 26.07.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783956554285
    Verlag: EDITION digital
    Größe: 1561 kBytes
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Der siebente Winter

Früher hatten sie über die gleichen Witze gelacht und in Mittweida nebeneinander in Ehebetten geschlafen, ohne dass ihm an Hannes jemals eine besondere Neigung aufgefallen war. Der Gedanke daran entlockte ihm jetzt unwillkürlich ein Grinsen. Korn startete den Wartburg und fuhr in nördlicher Richtung auf die Invalidenstraße zu. Er kannte sich nicht gut aus in diesem Teil der Stadt, und es herrschte bereits reger Feierabendverkehr, der seine Aufmerksamkeit forderte. Dennoch ging ihm im Kopf die Frage herum, von wem er erfahren konnte, was seit gestern beim RIF tatsächlich passiert war? Von Androsch gewiss ebenso wenig wie von Hadank. Die saßen vermutlich als permanent tagender Krisenstab in Hadanks Büro beisammen und vermissten ihn. Und Adelheid hatte der Major wegen dieser dämlichen Terminänderung im Visier. Die Sache stank. Irgendwie musste herauszukriegen sein, wer es auf das Geld abgesehen hatte. Sosehr der Gedanke auch schmerzte: Der Schlüssel für den Raubüberfall konnte nur beim RIF liegen; nicht bei Graubaum oder Rosanke. Oder bei Ulf Dettenberg. Den Morgenbesuch hätte er sich schenken können. Eine Schnapsidee, Ulf mit einer solchen Räuberpistole zu überfallen. Kein Wunder, dass er sich beunruhigt fühlte. Und dann kam ihm Cordula Landgraf in den Sinn. Die Sekretärinnen sind die wahre Macht in jedem funktionierenden Betrieb. Das Haus, in dem Cordula Landgraf wohnte, fand Korn wieder, obwohl eine Haustür in der Straßenzeile aussah wie die andere und es bereits dunkelte. Zwei-, dreimal war er bei ihr gewesen, um dringende Arbeiten zu bringen oder abzuholen, wenn Cordulas Tochter krank war. Das lag Jahre zurück. Und vor beinahe ebenso langer Zeit, nach einem Kollektivabend in einem Pankower Nobelschuppen à la 'Nina', hatte er vor dieser Haustür ein halbes Stündchen mit Cordula gestanden und sich schließlich mit einem züchtigen Wangenkuss von ihr verabschiedet. Er mochte sie, das gab er unumwunden zu. Nur hatte ihn noch nie jemand danach gefragt. Seltsamerweise nicht einmal Regina, die früher gelegentlich Regungen von Eifersucht gezeigt hatte. Cordula schien gerade gebadet oder geduscht zu haben. Ihr Teint sah noch rosiger aus als sonst, und sie trug einen weiten Bademantel, den sie erst im Zimmer zuband. Über den Sessel verstreut lagen ihr Pullover und ihre Unterwäsche. Auf der breiten Liege war das Bettzeug in eine Decke gerollt, davor ein Stapel Wäsche, die Cordula anscheinend von der Leine genommen hatte. 'Entschuldige bitte, wie es hier aussieht. Ich bin nämlich allein. Ulrike ist noch im Schwimmlager.' Sie räumte den Sessel frei und entfernte unauffällig ein halb geleertes Glas Rotwein vom Tisch. Korn fühlte sich wie ein Voyeur. Die Abwesenheit der Tochter irritierte ihn. Er kannte Ulrike: ein langbeiniges und wenig anmutiges Kind, das alljährlich bei der Maidemonstration still neben Cordula hertrottete. An der Wand über der Liege war sie in allen Lebenslagen und Lebensaltern zu besichtigen. Aus einem Porträt blickten ihn Cordulas wache Augen an. So schien es ihm jedenfalls. Ein vertrautes Gesicht. Dabei war Ulrike kurzhaarig und blond. Und ihre Lippen besaßen einen anderen Schwung als die ihrer Mutter. Über den Vater gab es damals mancherlei Gerüchte. Korn forschte unter den Bildern an der Wand nach einer männlichen Person, entdeckte aber nur Cordula mit einem knappen Badeanzug und ein älteres Ehepaar zusammen mit Ulrike. Die Großeltern wahrscheinlich. 'Mach es dir bequem', sagte Cordula. Korn fühlte sich ertappt. Sie duzten sich seit Langem. Er hatte sie schon in ihrer Lehrzeit gekannt, und da war es ihm so wenig wie den anderen eingefallen, sie Fräulein Landgraf zu nennen. Als sie die Planstelle beim RIF übernommen hatte, bot er ihr sofort das Du an, ohne auf die übliche Brüderschaftsmasche bei der nächsten Kollektivfete zu warten. Sie war schon ein patentes Mädel, die Cordula. Nahm die Dinge so selbstverständlich, wie sie kamen; war ordentlich und ungeheuer zuverlä

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