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Der Sockenmörder Authentische Kriminalfälle aus der DDR von Marmulla, Berndt (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.10.2013
  • Verlag: Das Neue Berlin
eBook (ePUB)
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Der Sockenmörder

Drei spannende und verwickelte Fälle: In einem Berliner Appartement wird ein Toter gefunden, erstickt, mit einer Socke im Rachen. Die Ermittlungen fördern das Doppelleben eines DDR-Diplomaten zutage - und enden vor einem Kasernentor der NVA, denn dort dürfen die Kriminalisten nicht ermitteln. Erst in den 90er Jahren kann der Fall aufgeklärt werden. Bei einem Kunstdiebstahl führen die Spuren nach Westberlin, und es passiert etwas Ungewöhnliches: Die Behörden kooperieren. Auch der dritte Fall ist eine Ost-West-Story: Das Mordopfer ist Ostberliner, der Täter Westberliner, wird aber von den Kriminalisten ermittelt. Als er wieder in die DDR einreist, wird er verhaftet.

Berndt Marmulla, Kriminaloberrat a.D., Detektiv, Ausbilder, Sachverständiger, geboren 1946 in Berlin, ab 1967 bei der Ostberliner Schutzpolizei, später Wechsel zur Kriminalpolizei und bis 1990 Leiter des Dezernat X (Schwere Verbrechen und Serientäter). Anschließend war er bis zu seinem Ausscheiden 1992 bei der Direktion Spezialaufgaben der Verbrechensbekämpfung im Raubdezernat als Sachbearbeiter tätig. Er ist seit 1996 selbständiger Privatdetektiv und lebt in Berlin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 260
    Erscheinungsdatum: 15.10.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783360500533
    Verlag: Das Neue Berlin
    Größe: 5182 kBytes
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Der Sockenmörder

Coming out

Cem Ünal hatte es nicht leicht. Als drittes von fünf Kindern nahm er die undankbare Position zwischen zwei älteren Brüdern und zwei jüngeren Schwestern ein. Das waren unzertrennliche Geschwisterpaare, gegen die er selten ankam. Die Eltern, Vater Adem und Mutter Funda, stammten aus Anatolien und besaßen feste Vorstellungen von Tradition und Familienehre, die sie nicht nur weitergaben, sondern auch konsequent durchsetzten. Darin waren die Aufgaben, die ein Mann in der Familie zu erfüllen hatte, klar umrissen. Nicht nur in Anatolien, sondern auch in Berlin-Kreuzberg, wo sie seit 24 Jahren lebten. Cem war hier zur Welt gekommen. Seine beiden Brüder waren noch in Zelxider geboren worden, jenem kleinen Dorf, das eine knappe Tagesreise mit dem Auto von Ankara entfernt lag. Seit ungezählten Generationen war dieses Dorf die Heimat der Ünals. Wer dort geboren war, trug den Stolz seiner Ahnen im Herzen. Auch sonst glichen sich die großen Brüder bis aufs Haar. Haci und Kuntay waren unzertrennlich. Beide von stattlicher Statur, beide sehr sportlich, beide der ganze Stolz des Vaters. Für sie war es vollkommen normal, dass der Vater ihre künftigen Ehefrauen auswählte und sie ihre Verlobten erst am Tag der Hochzeit kennenlernten.

Cem unterschied sich nicht nur körperlich von den Brüdern. Er besaß die schmächtige Figur eines Tänzers, seine Hände waren lang und schmal. Er trug sein schwarzes Haar etwas länger als die Brüder und einen Schnauzer, den er Barthaar für Barthaar pflegte. Die ballonseidenen Jogginganzüge, mit denen seine Brüder tagein, tagaus ihren sportlichen Eifer zur Schau stellten, waren ihm ein Graus. Er bevorzugte moderne Bundfaltenhosen und trug jeden Tag ein frisches weißes Hemd. Seine Schwestern amüsierten sich bereits über seine modischen Ticks, als er noch ein Junge war. Doch das legte sich irgendwann. Inzwischen waren die Frauen in der Familie Cems Verbündete gegen die anderen drei Männer. Und für sie war er der gute Freund, der Vertraute, mit dem man über alles reden konnte. Cem hatte Mitgefühl selbst bei Liebeskummer seiner Schwestern, Cousinen und Schulkameradinnen. Er verstand, weshalb sich seine jüngste Schwester Koza in den schönen Rifat verliebte. Er sah, wie der charmante Safet allen Mädchen mit einem flüchtigen Lächeln das Herz stahl. Cem wusste, wie sich die Mädchen fühlten. Denn auch sein Herz schlug für Männer.

Kreuzberg war kein Pflaster für einen jungen Mann wie Cem, damals, in den 80er Jahren. Die Familienbande der türkischen Einwanderer waren eng geknüpft. Man kannte sich untereinander und pflegte die Kultur der alten Heimat. Zusammenzuhalten, die Muttersprache zu sprechen und die kulturellen Gepflogenheiten lebendig zu halten – das half den Menschen über Heimweh und Verlust der vertrauten Alltagskultur hinweg. Gerade die Väter legten großen Wert darauf, ihre Söhne in der Tradition ihrer Herkunft zu erziehen, und dieser Stolz setzte sich in den Familien in der zweiten und später in der dritten Generation fort. Cem passte sich, soweit es ging, an. Er besuchte mit seinem Vater und den Brüdern täglich das Männercafé "Bosporus" in der Schlesischen Straße. Dort saßen sie am frühen Abend nach getaner Arbeit, tranken Tee, sahen Fußball oder türkische Sendungen im Fernsehen, die es seit kurzem gab. Sie waren unter sich.

Zwei Mal im Monat gab Cem vor, einen Abendkurs als Frisör zu besuchen. Dann fuhr er in den Osten der Stadt, um frei zu sein. Dort konnte er so sein, wie er wirklich war. Er besuchte die Schoppenstube, eine in der Szene bekannte Schwulenbar in der Schönhauser Allee.

In Westberlin stand ein aktives Ausleben de

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