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Der stumme Tod Der zweite Rath-Roman von Kutscher, Volker (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.05.2020
  • Verlag: Piper Verlag
eBook (ePUB)

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Der stumme Tod

Der zweite Fall der Bestsellerreihe um Kommissar Gereon Rath im Taschenbuch In seinem zweiten Fall lernt Gereon Rath die Schattenseiten des Glamours kennen und erlebt eine Branche im Umbruch. März 1930: Der Tod einer Schauspielerin führt Kommissar Rath in die Studios der Filmmetropole Berlin. Betty Winter wurde bei Dreharbeiten zu einem Tonfilm von einem Scheinwerfer erschlagen. Schon bald entdeckt Rath Indizien, die auf einen Mord hindeuten. Doch mit seinen Vermutungen steht er alleine da und muss auf eigene Faust ermitteln. Bis eine zweite Schauspielerin tot aufgefunden wird und Rätsel aufgibt: Der Leiche fehlen die Stimmbänder. 'Mit ?Der stumme Tod? ist dem Kölner Autor erneut ein glänzend recherchierter, spannender Pageturner gelungen.' Der Spiegel

Volker Kutscher, geboren 1962, arbeitete als Tageszeitungsredakteur und Drehbuchautor, bevor er seinen ersten Kriminalroman schrieb. Mit 'Der nasse Fisch' (2007) gelang ihm ein Bestseller, dem fünf weitere folgten. Die Reihe ist die Vorlage für 'Babylon Berlin', deren erste zwei Staffeln 2017 auf Sky anliefen und im Oktober 2018 in der ARD zu sehen sind. Seine von Kat Menschik illustrierte Erzählung 'Moabit' wurde im Oktober 2017 ein weiterer Bestseller.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 544
    Erscheinungsdatum: 04.05.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492996426
    Verlag: Piper Verlag
    Serie: Piper Taschenbuch 31611
    Größe: 4383 kBytes
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Der stumme Tod

3

Die Sch. wehrte sich heftig. »Baumgart« zwang sie aber auf den Rücken und versuchte, ihr das Beinkleid herunterzuziehen. Auf ihre Drohung, sie werde schreien, wenn er nicht von ihr abließe, meinte »Baumgart« höhnisch, sie solle nur schreien, hier höre sie doch niemand. Im weiteren Ringen sagte die Sch. dann, daß sie eher sterben würde, als ihm zu Willen zu sein, worauf »Baumgart« erwiderte: »Dann sollst du sterben ...«

»Haben der Herr noch einen Wunsch?«

»Dann sollst du sterben«, murmelte er.

»Wie bitte?«

Rath blickte von seiner Zeitschrift auf. Der Kellner stand an seinem Tisch, in der Hand ein Tablett mit schmutzigem Geschirr.

»Ach, schon gut«, sagte Rath. »Nicht weiter wichtig.«

»Kann ich dem Herrn noch etwas bringen?«

»Im Moment nicht, danke. Ich erwarte noch jemanden.«

»Sehr wohl.«

Der Kellner räumte die leere Kaffeetasse vom Tisch und drehte ab. Ein beleidigter Pinguin. Rath blickte ihm hinterher, wie er sein Tablett durch die Stuhlreihen balancierte. Das Café füllte sich langsam. Bald würde er den freien Stuhl an seinem Tisch verteidigen müssen.

Sie kam zu spät. Sie kam sonst nie zu spät. Ob sie nicht begriffen hatte, um was es ging? Oder kam sie nicht, weil sie es begriffen hatte?

Sie hätte ihn nicht im Büro anrufen dürfen. Sie hatte es einfach nicht verstanden. Sie hatte ihm einen Gefallen tun wollen, so wie sie ihm immer und immer wieder Gefallen tun wollte, nach denen er überhaupt nicht verlangt hatte. Nur deswegen hatte sie unbedingt mit ihm ins Resi gewollt, das müsse ihm doch gefallen, als Rheinländer, hatte sie gesagt und ihm die Karten für den Kostümball gezeigt.

Fasching!

Allein schon dieses Wort!

Aber so nannten sie das hier, Fasching. Rath ahnte, was ihn da erwartete. Kostümzwang, Weinzwang, Gutelaunezwang, Ichliebedichzwang, Wirgehörenaufewigzusammenzwang.

Das missglückte Telefonat hatte ihn unbarmherzig daran erinnert, was das mit Kathi wirklich war: eine Silvesterbekanntschaft, die es viel zu weit ins neue Jahr geschafft hatte.

Er hatte sie erst kurz vor Mitternacht kennengelernt, zusammen hatten sie auf das neue Jahr angestoßen und sich, beide schon recht angeschickert, spontan geküsst. Gemeinsam waren sie dann zur Bowleschüssel gegangen, an der irgendein Schlauberger jedem, der es nicht hören wollte, alle Hoffnungen auf das neue Jahrzehnt schon gleich zu Beginn zerstörte, indem er behauptete, das sei doch noch gar nicht das neue Jahrzehnt, da müsse man sich noch gedulden, das beginne erst mit dem Jahr 1931, mathematisch korrekt sei 1930 vielmehr das letzte Jahr der Zwanziger.

Rath hatte den Kopf geschüttelt und die Bowlegläser nachgefüllt, während Kathi dem mit Missionsdrang gesegneten Mathematiker fasziniert gelauscht hatte. Er hatte sie regelrecht wegzerren müssen von der Nervensäge, zurück auf den Dachgarten, wo die Festgesellschaft das Feuerwerk am Nachthimmel über Charlottenburg bestaunte, und in eine dunkle Ecke, in der er sie wieder küsste, während um sie herum die Leute lachten und grölten und die Feuerwerksraketen pfiffen und krachten. Er küsste sie heftig, bis sie einen kurzen spitzen Schrei ausstieß, einen Schmerzensschrei. Ihre Lippe blutete, und sie schaute ihn für einen Moment so überrascht an, dass er schon eine Entschuldigung formulierte. Doch dann lachte sie und zog ihn wieder zu sich.

Sie hielt es für Leidenschaft, doch eigentlich war es Wut, eine unbenennbare Aggression, die sich Bahn brach und an einer Unschuldigen austobte, auch später, als sie ihn mit in ihr kleines Dachzimmer genommen hatte und er sich austobte, als habe er hundert Jahre keine Frau mehr gehabt.

Sie nannte es Liebhaben.

Und seine Wut nannte sie Leidenschaft.

So missverständlich wie alles, was danach kam, ihre Liebe, wie sie es nannte, das, was da zwischen ihnen war, für das er keinen

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