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Der Tod des Sokrates Kriminalroman von Pears, Iain (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.01.2018
  • Verlag: Fahrenheit
eBook (ePUB)
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Der Tod des Sokrates

Ein witziger, spannungsreicher Krimi vor einer faszinierenden Szenerie: der vierte Teil der Kunstkrimi-Reihe um Taddeo Bottando, seine Assistentin Flavia di Stefano und Jonathan Argyll. Jonathan Argyll ist ein englischer Kunsthändler, mit einer kleinen Schwäche für Rom und einer großen für die hübsche Polizistin Flavia di Stefano. Aus Gefälligkeit transportiert er ein Historiengemälde, dass den Tod des Sokrates darstellt. Doch das Bild zeigt schreckliche Wirkung - zwei potentielle Käufer werden ermordet. Was ist an diesem unbedeutenden Bild so interessant? Iain Pears, geboren 1955 in Coventry ist ein englischer Kunsthistoriker und Schriftsteller. Neben seinen journalistischen Arbeiten entstand mit der Zeit ein literarisches ?uvre, das vom Publikum wie auch von der offiziellen Literaturkritik immer wieder gelobt wurde. Er lebt mit seiner Familie in Oxford.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 260
    Erscheinungsdatum: 02.01.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492983273
    Verlag: Fahrenheit
    Größe: 1124 kBytes
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Der Tod des Sokrates

1

Jonathan Argyll starrte gebannt auf die Szene der Gewalt, die sich ihm unvermittelt bot, als er sich umdrehte. Der Sterbende, den Schmerz des Todeskampfes tapfer ertragend, lag zurückgesunken in einem Sessel. Neben ihm auf dem Boden lag ein Fläschchen, das ihm aus der Hand geglitten war, und man brauchte nicht viel Intelligenz, um zu erkennen, daß es Gift enthielt. Die Haut war blaß, und die zur Faust geballte Hand hing seitlich herab. Links von ihm stand eine Gruppe Zuschauer, Freunde und Bewunderer, die teils weinten, teils wütend oder nur entsetzt über den Anblick waren.

Es war jedoch das Gesicht, das die Aufmerksamkeit auf sich zog. Die Augen waren offen und glasig, aber es strahlte Würde und Gelassenheit aus. Es war das Gesicht eines Märtyrers, der mit dem Bewußtsein starb, daß andere um ihn trauerten. Der Tod würde seinen Ruhm nicht beenden, sondern ihn mehren und vervollständigen.

"Ganz nett, was?" bemerkte eine Stimme seitlich von ihm.

"O ja. Sehr."

Er kniff die Augen zusammen wie ein Profi. Tod des Sokra tes, so auf den ersten Blick, im Kreise seiner Schüler. Der alte Knabe ist wegen Verderbens der Jugend zum Tode verurteilt worden und hat den Schierlingsbecher getrunken. Nicht schlecht, alles in allem, aber vermutlich ziemlich teuer. Französische Schule um 1780, oder da herum, und in Paris noch viel hochpreisiger als irgendwo anders. Dieser Gedanke dämpfte wie so oft seine Begeisterung. Er sah noch einmal hin und tröstete sich mit dem Gedanken, daß das Ding vielleicht doch nicht so erstrebenswert war. Offensichtlich kein bekannter Künstler, sagte er sich. Es mußte auch dringend ein bißchen gesäubert und aufpoliert werden. Und außerdem, die Darstellung war ziemlich kalt und steif. Die Tatsache, daß er im Augenblick nicht viel Geld übrig hatte, vervollständigte seinen Gesinnungswandel. Nichts für mich, entschied er erleichtert.

Trotzdem, ein wenig Konversation mußte sein. "Wieviel verlangen Sie dafür?" fragte er.

"Schon verkauft", erwiderte der Galeriebesitzer. "Das glaube ich wenigstens. Ich bin gerade dabei, es einem Kunden in Rom zu schicken."

"Von wem ist es?" fragte Argyll, den es neidisch machte zu hören, daß ein anderer es geschafft hatte, ein Bild zu verkaufen. Ihm war das schon seit Monaten nicht mehr gelungen. Zumindest nicht mit Profit.

"Signiert ist es von Jean Floret. Keine Ahnung, wer das war, aber auf jeden Fall keiner, den man zu den Großen rechnen könnte. Glücklicherweise scheint das meinem Kunden nichts auszumachen, und dafür bin ich ihm sehr dankbar."

Der Mann, ein entfernter Kollege von Argyll, der ihm in der Vergangenheit ein oder zwei Zeichnungen abgekauft hatte, betrachtete befriedigt das Gemälde. Er war nicht der allerangenehmste Mensch, ein bißchen zu gerissen für Argylls Geschmack. Die Sorte Mensch, bei der man nach der Begegnung alle Taschen kontrolliert, nur um sicherzugehen, daß Scheckbücher und Kreditkarten noch sind, wo sie sein sollen. Nicht daß er Argyll je etwas Schlechtes getan hätte, aber der Engländer war fest entschlossen, ihm auch nie Gelegenheit dazu zu geben. Er lernte schnell, wie das so lief im Kunstgeschäft. Die Leute waren freundlich und hilfsbereit, aber gelegentlich konnten sie einem auch komisch kommen, wenn Geld im Spiel war.

Er stand in Jacques Delormes Galerie etwa auf halber Höhe der Rue Bonaparte, wenige hundert Meter von der Seine entfernt. Eine laute, miefige Straße, gesäumt von Buchhandlungen, Druckereien und Kunsthändlern der minderen Sorte - Leute also, die billigere Bilder verkauften, aber im allgemeinen eine Menge über sie wußten, ganz im Gegensatz zu dem reichen Haufen in der Faubourg St.-Honoré, der überteuerten Nippes an gutgläubige Ausländer verscherbelte, die mehr Geld als Verstand hatten. Die weniger Erfolgreichen waren deshalb eine angenehmere Gesellschaft, auch wenn die Umgebung nicht ganz so chic war. Delormes Galerie war ein bißchen schäbig, und draußen hupt

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