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Der Tod kommt nach Mitternacht Kriminalroman von Sullivan, Matthew (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.08.2018
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Der Tod kommt nach Mitternacht

Der Tod kam in der Nacht, und nur die zehnjährige Lydia überlebte das Blutbad. Nun ist Lydia eine junge Frau, ihre Welt die kleine Buchhandlung, in der sie arbeitet. Als sich dort ein Stammkunde das Leben nimmt, erbt Lydia zu ihrer Überraschung dessen spärliche Hinterlassenschaften. Eine Überraschung, die dem Entsetzen weicht, als sie darunter nicht nur ein Kinderfoto von sich findet, sondern auch eine Reihe von Büchern, in deren zerschnittenen Seiten Hinweise versteckt sind. - Eine Spur tödlicher Verzweiflung, die Lydia an den dunkelsten Punkt ihrer eigenen Vergangenheit führt ...

Matthew Sullivan hat in verschiedenen Buchläden gearbeitet und ist heute als Dozent für Kreatives Schreiben, Literatur und Film tätig. Nachdem er bereits mehrere preisgekrönte Kurzgeschichten veröffentlicht hat, legt Sullivan nun mit "Der Tod kommt nach Mitternacht" sein vielbeachtetes Romandebüt vor. Er lebt mit seiner Familie in Washington.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 20.08.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641179397
    Verlag: Goldmann
    Originaltitel: Midnight at the Bright Ideas Bookstore
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Der Tod kommt nach Mitternacht

Kapitel 2

"Lydia?"

Ernest eilte die Treppe hinauf.

"Wo bist du?"

Lydia zog das Foto aus Joeys Jeans. Darauf war sie zehn, trug krause Zöpfe, eine blaue Cordjacke und blies die Kerzen auf einem Schokoladenkuchen aus.

"O Gott!", hörte sie Ernest sagen, als er um die Ecke kam. "Hey, Joey, komm schon, komm schon, Mann, Joey, nicht ..."

Im schwachen Licht des Buchladens, im Gestank von Joeys Tod, mitten im Gewirr der vielen Regale steckte Lydia das Foto in ihre Gesäßtasche und versuchte, einfach nur zu atmen. Ernest - der verantwortungsvolle Ernest, der noch vor ein paar Augenblicken unten das Wechselgeld gezählt und die Toilette des Bright Ideas vor geilen Clubbesuchern geschützt hatte, der vor fünf Jahren, in einem früheren Leben, im Golfkrieg durch Sandstürme gefahren war, zog einen Hocker heran, sprang darauf und rief etwas wegen eines Krankenwagens. Lydia machte einen Schritt zurück und merkte, dass das betrunkene Paar aus der Toilette jetzt hinter ihr stand. Sie umarmten einander, und sie trat versehentlich auf den Fuß der Frau in den hochhackigen Schuhen und flüsterte: "Entschuldigung", und die Frau sagte: "Macht nichts", und beide begannen zu weinen. Als jemand die Hand auf ihre Schulter legte, schüttelte Lydia sie ab.

"Bewegt er sich? Hat jemand gesehen, dass er sich bewegt?"

In das lange Nylonband, das Joey von einem Transport- oder Gerätewagen abgemacht hatte, war eine Sperrvorrichtung eingebaut. Als Ernest sie hoch über seinem Kopf löste, spulte das Band sich wie eine zischende Peitsche ab, und Joey fiel zu Boden.

Alles war still. Niemand versuchte, ihn zu bewegen, eine Herzmassage oder Beatmung. Joey war offensichtlich hinüber.

Draußen auf der Straße vor der Tür hupte jemand, und das Schild der Union Station leuchtete rot zum Fenster herein. Lydia fühlte, wie sich ihr Magen zusammenzog, da war etwas Hartes, etwas viel Entsetzlicheres als Trauer oder Schock, und sie kniete sich hin und hob die Bücher auf, die Joey mit den Füßen umgestoßen hatte. Sie räumte sie in die Regale, weil sie nicht wusste, was sie sonst tun sollte. Bücher, die zu weit nach hinten geschoben waren, zog sie nach vorne, und Bücher, die zu weit vorne standen, schob sie nach hinten. Eine ältere Frau mit einer dicken Brille, die Teilzeit im Laden arbeitete, ergriff Lydia am Ellbogen und führte sie zu einem Sofa in der Selbsthilfeabteilung, wo sie auf die Polizei wartete, außer Sichtweite von Joeys Leiche.

Nachdem sie vom diensthabenden Beamten befragt worden war und mit einem Mantel aus der Fundgrube über ihren Knien eine Tasse Grüntee getrunken hatte, ging Lydia nach draußen und beobachtete, wie Joeys Leiche in einem Sack auf einer Krankenliege in einen Krankenwagen geschoben wurde. Sie lehnte ein paar Angebote ab, nach Hause gefahren zu werden, und nahm einen langsamen Bus die Colfax Avenue hinauf, wo sie in Ruhe Joeys Foto betrachten konnte.

Draußen zog die nächtliche Stadt vorbei, Straßenlaternen und Neonschilder, die über Nudelläden und Cantinas leuchteten, die Fastfood- und Porno-Shops, die Basilika und der Mormonentempel, die Perückengeschäfte und Friseursalons. Sie fuhr am Diner mit Kaffee für fünfundsechzig Cent vorbei und an der Reinigung mit dem Keramikbuddha im Schaufenster. Leute mit Kapuzen über dem Kopf tranken aus Pappbechern, und zwei Nonnen schoben einen Einkaufswagen voller Decken vor sich her. Sie liebte es, im Colfaxbus durch die Schlaglöcher und an den Menschen vorbeizufahren.

Als sich der Bus ein bisschen geleert hatte, nahm sie das Foto aus ihrer Gesäßtasche. Ihre Hände waren feucht, und sie hatte das Gefühl, durch einen Strohhalm zu atmen.

Lydia konnte sich nicht mehr erinnern, wann sie das letzte Mal ein Kinderfoto von sich betrachtet hatte, und sie war sich ziemlich sicher, dass sie es noch nie gesehen hatte. Die wenigen Schnappschüsse ihrer Kindheit waren so tief in ihrem Kleiderschrank verborgen, dass sie nicht m

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