text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Der Tod und das Mädchen Ein Fall für Max Liebermann von Tallis, Frank (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.09.2011
  • Verlag: btb
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Der Tod und das Mädchen

Ein diabolischer Mord in Wien der Jahrhundertwende Wien 1903: Die Starsängerin der Hofoper wird tot aufgefunden. Zunächst scheint es, dass sie an einer Überdosis Beruhigungsmittel gestorben ist. Doch der Pathologe stellt einen Rippenbruch fest: Jemand muss sie erstickt haben. Der Verdacht fällt auf ihre Konkurrentin in der Oper, der sie die Rolle der Senta im "Fliegenden Holländer" weggeschnappt hat. Doch dann stellt sich heraus, dass sie schwanger war vom Wiener Oberbürgermeister, der gerade eine beispiellose Kampagne gegen Juden beginnt. Inspektor Rheinhardt und sein Freund, der Psychoanalytiker Liebermann, müssen sich wappnen, um gegen die politischen Ränkeschmiede bestehen zu können. Frank Tallis ist Schriftsteller und praktizierender klinischer Psychologe. Für seine Romane, vor allem für seine Erfolgsserie um den Psychoanalytiker und Detektiv Max Liebermann, erhielt er zahlreiche Preise, u. a. den 'Writers' Award from the Arts Council of Great Britain' und den 'New London Writers' Award'. Tallis lebt in London.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 416
    Erscheinungsdatum: 05.09.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641065027
    Verlag: btb
    Originaltitel: Death and the Maiden
    Größe: 1550 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Der Tod und das Mädchen

43 (S. 241-242)

"Frau Kluge?" "Ja?" "Inspektor Rheinhardt." "Oh ja, treten Sie ein." Sie war eine gebrechliche Frau Anfang siebzig mit zerzaustem Haar und einer halbmondförmigen Brille auf einer langen Nase mit einer sehr runden Nasenspitze. "Haben Sie die Bahn genommen?" "Nein." "Sehr weise. Sie haben den Hofpavillon für den Kaiser gebaut, aber er verwendet ihn nie.

Dafür muss es doch einen Grund geben, oder?" "Schon möglich." "Man kann nicht vorsichtig genug sein." Rheinhardt fragte sich, ob nicht Frau Kluge wie schon ihr Gatte von der Hilfe Professor Saminskys hätte profitieren können. Die alte Frau führte ihn in ein Zimmer, dessen Wände mit Büchern bedeckt waren und in dem es nach Verfall, Ammoniak, Schimmel und verrottendem Leder roch. In der Mitte saß ein Herr mit einem langen weißen Bart in einer gesteppten Jacke und einem traditionellen, chinesischen Hut. Der Seidenhut war mit leuchtenden Drachen und Chrysanthemen bestickt. Er las konzentriert.

"Herr Inspektor Rheinhardt", sagte Frau Kluge und lenkte die Aufmerksamkeit ihres Ehemannes auf den Besucher. "Hast du Inspektor Rheinhardt gesagt?" "Ja", erwiderte Frau Kluge. "Er will mit dir über Professor Saminsky sprechen." "Ach?" "Das stand auf seiner Karte." Der alte Mann erhob sich, indem er sich auf beiden Lehnen abstützte. Dann stand er zwei Sekunden lang da, verbeugte sich, erklärte: "Adalbert Kluge", und ließ sich dann wieder in den Sessel fallen. Rheinhardt knallte die Hacken zusammen. "Vielen Dank, dass Sie mich empfangen haben, Herr Kluge."

Frau Kluge stand neben ihrem Mann und nahm seine Hand. "Adalbert ging es nicht gut." "Das hat mir Professor Saminsky bereits gesagt. Haben Sie etwas dagegen, dass ich Platz nehme?" "Nein." "Das ist zu freundlich." Rheinhardt zog sich einen Hocker heran und nahm vor dem Paar Platz. "An welcher Krankheit leiden Sie, Herr Kluge?" Der alte Mann antwortete widerwillig: "Sie sagen, ich würde Dinge in der Welt wahrnehmen, die keine materielle Realität besitzen." Frau Kluge strich ihrem Gatten über den Ärmel. "Mach dir keine Sorgen, mein Lieber." "Gute Christen glauben an die Existenz von Engeln und Dämonen – und niemand erklärt sie für verrückt." "Niemand hat gesagt, dass du verrückt bist, mein Lieber."

"Aber das denken alle, das denkt Saminsky auch." "Er sagt, dass du schwache Nerven hast." "Ich habe genug von dieser Elektrotherapie. Sie ist unangenehm. Er sagt, es würde nur kribbeln – aber die Stäbe sind heiß. Sie brennen. Und seine Pillen bringen mich vollkommen durcheinander." Rheinhardt hustete, um ihre Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. "Professor Saminsky hat Sie am Abend des siebten September aufgesucht." Kluges feuchte Augen reagierten nicht. Rheinhardt wandte sich an seine Frau. "Stimmt das, Frau Kluge? Ihrem Gatten ging es sehr schlecht, und Sie riefen Professor Saminsky."

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen