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Der untröstliche Witwer von Montparnasse Kriminalroman von Vargas, Fred (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.12.2012
  • Verlag: Aufbau-Verlag
eBook (ePUB)
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Der untröstliche Witwer von Montparnasse

Ein ehemaliger Inspektor des Pariser Innenministeriums versteckt den leicht beknackten Akkordeonspieler Clément, der des Mordes an zwei jungen Frauen schwer verdächtig ist, bei seinen drei Historikerfreunden Mathieu, Marc und Lucien. Die sind hell begeistert über den mörderischen Gast. 'Eine Autorin von unverwechselbarer Tonart in der Kriminalliteratur der Gegenwart. Die Personen, die ihre Romane bevölkern, sind ebenso Anarchisten und Traumtänzer wie ernsthafte Wissenschaftler. Ob Antike-Fans oder Tiefseeforscher - ihr Blick setzt gegen Konformismus und etablierte Ordnung die Waffen der Phantasie und des Humors.' Magazine littéraire 'Vargas ist einzig in ihrer Art' Le Nouvel Observateur Fred Vargas, geboren 1957 und von Haus aus Archäologin. Sie ist heute die bedeutendste französische Kriminalautorin und eine Schriftstellerin von Weltrang, übersetzt in 40 Sprachen. Sie erhielt für Fliehe weit und schnell den Deutschen Krimipreis, für ihr Gesamtwerk wurde sie mit dem Europäischen Krimipreis ausgezeichnet. Bei Aufbau liegen in Übersetzung vor: Die schöne Diva von Saint-Jacques, Der untröstliche Witwer von Montparnasse, Es geht noch ein Zug von der Gare du Nord, Bei Einbruch der Nacht, Das Orakel von Port-Nicolas, Im Schatten des Palazzo Farnese, Fliehe weit und schnell, Der vierzehnte Stein, Vom Sinn des Lebens, der Liebe und dem Aufräumen von Schränken, Die dritte Jungfrau, Die schwarzen Wasser der Seine, Das Zeichen des Widders, Der verbotene Ort, Die Tote im Pelzmantel, Die Nacht des Zorns, Von der Liebe, linken Händen und der Angst vor leeren Einkaufskörben

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 293
    Erscheinungsdatum: 03.12.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841201034
    Verlag: Aufbau-Verlag
    Originaltitel: Sans feu ni lieu
    Größe: 2303 kBytes
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Der untröstliche Witwer von Montparnasse

4

Marthe wohnte jetzt in einem Zimmer im Erdgeschoß in einer kleinen Sackgasse in der Nähe der Bastille.

"Das hat ein Freund für mich besorgt!" sagte sie stolz zu Clément, als sie die Tür öffnete. "Wär da nicht mein ganzes Durcheinander, würde das was hermachen. Das Geschäft auf den Quais auch. Er heißt Ludwig. Hättest du gedacht, daß ich eines Tages Bücher verkaufen würde? So von einem Trottoir zum nächsten kann einem alles passieren, weißt du."

Clément folgte ihr nur halb.

"Ludwig?"

"Das ist der Freund, von dem ich dir erzähle. Ein Mann, wie du nur wenige findest. Und du weißt, daß ich mich mit Männern auskenne. Leg dein Akkordeon ab, du ermüdest mich, Clément."

Clément wedelte mit der Zeitung herum, er hätte gerne geredet.

"Nein", sagte Marthe. "Leg erst dein Akkordeon ab und setz dich, du siehst doch, daß du dich kaum noch auf den Beinen halten kannst. Du wirst mir das mit dem Akkordeon noch erklären, aber das eilt nicht. Hör mir zu, mein kleiner Mann: Wir essen was zu Abend, wirtrinken ein ordentliches Glas, und dann erzählst du mirin aller Ruhe deine Geschichte. Man muß die Dinge in der richtigen Reihenfolge tun. Während ich das Essen vorbereite, machst du dich frisch. Und stell jetzt das Akkordeon ab, verdammt."

Marthe führte Clément in eine Ecke des Zimmers und zog einen Vorhang beiseite.

"Guck mal", sagte sie. "Ein richtiges Badezimmer. Da bist du platt, was? Du nimmst jetzt ein heißes Bad, weil man immer ein heißes Bad nehmen soll, wenn es einem nicht gut geht. Wenn du was Sauberes zum Anziehen hast, dann zieh dich um. Und gib mir deine schmutzigen Sachen, ich kümmere mich heute abend drum. Bei der Hitze trocknet das schnell."

Marthe ließ Wasser ein, schob Clément in Richtung Badezimmer und zog den Vorhang zu. Zumindest würde er nicht mehr nach Schweiß riechen. Marthe seufzte, sie machte sich Sorgen. Sie nahm leise die Zeitung und las langsam den ganzen Artikel auf Seite sechs. Die junge Frau, deren Leiche man am Morgen zuvor gefunden hatte, wohnte in der Rue de la Tourdes-Dames; sie war niedergeschlagen, erwürgt und mit achtzehn Stichen durchbohrt worden, vielleicht mit einer Schere. Ein Gemetzel. "Man setzt große Hoffnungen in die Zeugenaussagen der Anwohner, die übereinstimmendeinen Mann erwähnen, der in den Tagen vor dem Mord täglich vor dem Gebäude des Opfers gestanden hat." Das Geräusch von Wasser ließ Marthe aufschrecken, Clément ließ sein Badewasser ab. Marthe schob behutsam die Zeitung beiseite.

"Setz dich, mein Junge. Es kocht."

Clément hatte sich umgezogen und gekämmt. Er war nie schön gewesen, was vielleicht an seiner runden Nase, seiner fahlen Haut und vor allem an der Leere in seinen Augen lag. Marthe sagte, das komme, weil sie so dunkel seien, daß man die Pupille nicht von der Iris unterscheiden könne, aber wenn man sich bitte schön mal die Mühe machen würde, dann sähe er so schlecht doch gar nicht aus, und außerdem, was hatte das schließlich für eine Bedeutung. Während sie weiter die Nudeln umrührte, wiederholte Marthe im Geist die Suchmeldung, die die Zeitung im Anschluß an den Artikel abgedruckt hatte: "... die Ermittlungen richten sich auf einen jungen Mann weißer Hautfarbe zwischen fünfundzwanzig und dreißig Jahren, klein, mager oder sehr schmal, lockiges, helles Haar, glattrasiert, einfach gekleidet, graue oder beige Hosen, Turnschuhe." Die Polizei sei in der Lage, in zwei Tagen ein Phantombild zu liefern, vielleicht früher.

Graue Hose, präzisierte Marthe und warf einen kurzen Blick auf Clément.

Sie füllte die Teller mit Nudeln und Käse und gab ein weichgekochtes Ei über das Ganze. Clément starrte wortlos auf sein Essen.

"Iß", sagte Marthe. "Nudeln werden schnell kalt, niemand weiß, warum. Blumenkohl dagegen bleibt lange heiß. Frag, wen du willst, du wirst niemanden finden, der dir sowas erklärt."

Clément hatte noch nie beim Essen reden können, er war unfähi

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