text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Der Verräter vom Schlangental Kriminalroman von West, Christopher (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.01.2019
  • Verlag: Aufbau Verlag
eBook (ePUB)
7,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Der Verräter vom Schlangental

Eigentlich wollten Kommissar Wang aus Peking und seine junge Frau Rosina in seinem Heimatdorf Urlaub machen. Doch schon bald werden sie in die Auseinandersetzungen um ein Großprojekt hineingezogen: Ein Staudamm soll gebaut und das Schlangental überflutet werden. Befürworter und Gegner stehen sich unerbittlich gegenüber. Eines Morgens findet man den Parteisekretär erschlagen in seinem schönen Haus. Stecken die Staudammgegner hinter der Tat oder liegen ihre Ursachen tief in den düsteren Zeiten der Kulturrevolution? 'Ein erstklassiger Kriminalroman.' The Times. 'Eine wunderbar anschauliches Bild vom modernen China, und eine sehr guter Krimi.' Deadly Pleasures. Christopher West wurde 1954 in Deutschland geboren, schlug sich mit allerlei Gelegenheitsjobs durch, verdiente sein Geld als Musiker und studierte Philosophie. Seit seiner Kindheit faszinierte ihn China, wohin er 1985 zum erstenmal als Rucksacktourist reiste. 1991 veröffentlichte er als Ergebnis dieser Reise sein erstes Buch. 1994 begann er seine Serie um die Abenteuer von Kommissar Wang. Die Idee dafür hatte er aus Schanghai mitgebracht, wo er einem Kriminalpolizisten begegnet war, der eine ausgesprochene Leidenschaft für Gerechtigkeit und Fairness besaß.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 18.01.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841217608
    Verlag: Aufbau Verlag
    Originaltitel: Death on Black Dragon River
Weiterlesen weniger lesen

Der Verräter vom Schlangental

Zweites Kapitel

Der rote Stern über dem Eingang zum Parteihaus glänzte in der Sonne.

"Frisch lackiert", bemerkte Wang anerkennend.

"Speziell für uns?" fragte Rosina.

Ein Polizist am Tor bat um ihre Ausweise. Nachdem Wang das erledigt hatte, ging das Paar über einen holprigen Hof zum Hauptgebäude, einem zweistöckigen Bau aus Beton mit Flecken von der feuchten Luft und kleinen Fenstern, deren Läden geschlossen waren.

Die Partei. Was Rosinas Freunde aus der Künstlerwelt nicht wussten: Sie war Mitglied wie ihr Ehemann. Nicht aus Überzeugung, sondern weil es für ihr berufliches Fortkommen besser war. Manchmal fühlte sie sich nicht wohl dabei, aber viele andere handelten genauso. Mit Äußerungen über Kollegen hielt sie sich zurück. Wenn es aber sein musste, dann berichtete sie zum Verdruss ihrer Vorgesetzten über rein berufliche Dinge. Oft wünschte sie, sie möge eines Morgens aufwachen, alle Politiker und Parteifunktionäre wären verschwunden und ließen die Menschen leben, wie sie wollten. Aber sie wusste, dass dies nur ein Traum war. Wenn sie Oberschwester in einem der ersten Krankenhäuser der Hauptstadt bleiben wollte, musste sie Parteimitglied sein.

Nun waren sie am Hauptgebäude angekommen. Der Pförtner hinter dem Gitter wollte noch einmal ihre Ausweise sehen. Dann telefonierte er.

"Der Mitarbeiter des Parteisekretärs kommt sofort", sagte der Pförtner. "Nehmen Sie inzwischen Platz ..."

Wang und Rosina setzten sich auf eine harte Holzbank im Vestibül und blätterten in einer Zeitschrift über Landwirtschaft, die dort auslag. Dann ging eine Tür auf, und ein junger Mann in einem knallgelben Hemd und modisch enger Hose erschien.

"Mein Name ist Xia", sagte er und streckte ihnen die Hand entgegen. "Ich bin der persönliche Mitarbeiter von Sekretär Wu. Er ist noch unterwegs und hat mich gebeten, Ihnen inzwischen unser Haus zu zeigen."

Der junge Mann führte sie zunächst in einen kleinen Raum mit hohem, geschlossenem Fenster und Neonlicht. "Das ist mein Büro." Der Schreibtisch war aufgeräumt: Ein Stoß Dokumente in der Mitte, ein Ventilator auf der einen und das Foto einer jungen Frau auf der anderen Seite.

"Ihre Frau?" fragte Rosina und zeigte auf das Bild.

"Meine Freundin", antwortete Xia mit unverhülltem Stolz. Dann öffnete er die Tür zum Arbeitszimmer des Parteisekretärs. Dieses war etwa achtmal so groß wie das des Mitarbeiters. An den Wänden überall Aktenschränke. Der metallene Schreibtisch mitten im Raum wirkte wie eine einsame Insel. Darauf türmten sich Papiere in zwei Körben.

"Einiges hat sich nicht verändert", sagte Wang und blickte auf die Papierstapel. "Haben Sie etwas dagegen, wenn ich hineingehe?"

"Äh ... Nein. Natürlich nicht."

Wang ging zum Schreibtisch und setzte sich in den Sessel des Sekretärs. Er wollte eigentlich nicht auf die Papiere schauen, aber instinktiv erfasste er das meiste sofort.

Antwort: Lokale Umweltdemonstranten ...

Oje, die hatten sie hier also auch?

"Oben ist ein schöner Bankettsaal", sagte der junge Mann. Wang hob das Deckblatt leicht an. "Überwachung muss auf diskrete ..."

"Er ist erst kürzlich renoviert worden. Sie müssen ihn sehen, Kommissar."

Wang folgte dem Hinweis. Sie gingen eine kahle Treppe hinauf, vorbei an einem Spucknapf und einer halb verdorrten Blattpflanze. Dann standen sie in einem Raum mit rotem Teppich und schreiend grünen Tapeten.

"Sekretär Wu gibt heute abend für Sie ein Essen, nicht wahr?" sagte Xia.

"Ja. Sie sind nicht eingeladen?"

Der junge Mann errötete. "So weit bin ich noch nicht. Aber alle wichtigen Leute aus dem Dorf werden da sein. Und Ihr Bruder natürlich."

"Natürlich", sagte Wang, wenig begeistert. Rühr bloß den Schnaps nicht an, Anming, bei allem was dir lieb und teuer ist.

"Ganbei! - Zum Wohl!" Parteisekretär Wu erhob sein Gläschen mit dem starken, klaren Maotai. "Auf das Ande

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen