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Der zerrissene Faden Ein Fall für Roger Chapman von Sedley, Kate (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.12.2013
  • Verlag: Edel Elements
eBook (ePUB)
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Der zerrissene Faden

Ein spannender Kriminalroman aus der Zeit der Rosenkriege! Kate Sedley entwirft ein farbenprächtiges Bild des mittelalterlichen England, erzählt von rauschenden Festen, opulenten Banketten, prunkvollen Maskenspielen am Fürstenhof, aber auch vom Leben in verwinkelten Gassen und finsteren Kaschemmen der Unterwelt. Roger Chapman, ehemals Dominikanermönch, jetzt Straßenhändler, ermittelt in seinem dritten Fall. Im Januar des Jahres 1474 ist Roger Chapman mal wieder in Bristol. Sonst von eiserner Gesundheit, hat sich der Ex-Mönch bei einem klirrend kalten Wintereinbruch ein schweres Fieber zugezogen. Nach einem Zusammenbruch mitten in der Stadt wird er von Lillis und ihrer Mutter, der Witwe Margaret Walker aufgelesen. In ihrer Weberhütte wird er von beiden gesund gepflegt. Zum Dank erklärt er sich bereit, die mysteriösen Geschehnisse um William Woodward - den Vater Margarets - aufzuklären. Dieser verschwand und tauchte nach ein paar Monaten geistig verwirrt wieder auf. William behauptete in die Sklaverei nach Irland verschleppt worden zu sein. Doch stimmt das wirklich? Was haben die Lollarden und die wunderschöne Cicely Ford mit dem Fall zu tun?

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 260
    Erscheinungsdatum: 18.12.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783955301774
    Verlag: Edel Elements
    Größe: 2997 kBytes
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Der zerrissene Faden

Der zerrissene Faden

Deutsch von

Irmela Erckenbrecht

1

E s war ein kalter Wintertag, als ich Lillis und ihre Mutter, Margaret Walker, zum erstenmal sah. Das Weihnachtsfest des Jahres 1473 lag bereits hinter uns. Der "Lord of Misrule" hatte seine Kappe und seine Schellen abgelegt, und die Chorknaben, die man in der Weihnachtszeit zu Kinderbischöfen erkoren hatte, waren ihre geborgten Bischofsmützen wieder losgeworden. Es war Anfang Januar, doch an vielen geschützten Stellen sah man noch die Reste des Dezemberschnees. Der Graf von Oxford hielt sich auch weiterhin auf dem St. Michael's Mount verschanzt. Die Sheriffs von Cornwall und die wachsamen Kapitäne der königlichen Flotte belagerten ihn, um ihn auszuhungern und zur Unterwerfung zu zwingen. Doch wer irgend konnte, blieb zu Hause in seinem warmen, gemütlichen Heim, um dem naßkalten, stürmischen Wetter zu entgehen, das allen, die sich im Freien aufhalten mußten, das Leben in den letzten Tagen so schwer gemacht hatte.

Unsicheren Schrittes stapfte ich über den verlassenen Marktplatz und schaute zu den gewaltigen Mauern des Schlosses von Bristol auf Der Burgturm streckte sein häßliches Gesicht über den inneren, von weiteren Mauern umgebenen Ring. Mein Bündel lastete unbequemer als sonst auf meinen Schultern, und die Beine waren mir schwer wie Blei. Nur mein Kopf fühlte sich so leicht an, als wäre er mit Federn gefüllt, genau wie die Gänsefedermatratze meiner Mutter, auf die sie immer so stolz gewesen war. Meine Stirn war glühend heiß.

Es ist sicherlich keine eitle Prahlerei, wenn ich behaupte, daß ich mich zeit meines Lebens einer guten, kaum zu erschütternden Gesundheit erfreuen konnte. Ich war immer stark und widerstandsfähig, doch wenn mich dann einmal eine Krankheit packte, traf es mich doppelt hart. Das Fieber, das mich jetzt in seinen Klauen hielt, hatte vor ungefähr einer Woche begonnen. Nach einem recht erfolgreichen Herbst, in dem ich meine Waren in den Dörfern und Weilern rund um Southampton feilgeboten hatte, war ich westwärts gewandert. Die klaren, sonnigen Oktobertage waren in einen ungewöhnlich milden November übergegangen, und ich hatte mich froh und zufrieden gefühlt. Die Erinnerung an meine Reise in die Bretagne verstärkte diese Zufriedenheit. Es war mir eine große Genugtuung, daß ich der Verpflichtung, die mir der Herzog von Gloucester auferlegt hatte, so erfolgreich nachgekommen war. Aber das ist eine andere Geschichte... Es genügt wohl, wenn ich sage, daß mich der plötzlich einsetzende Schneefall und die eisigen Regenfälle, die den Süden Englands um die Weihnachtszeit heimsuchten, völlig unvorbereitet trafen.

Knapp eine Woche nach dem Geburtsfest unseres Herrn und Heilands wachte ich eines Morgens in einer einsamen Scheune irgendwo nördlich von Salisbury vor Fieber zitternd und schwitzend auf und blickte in das besorgte Gesicht meines Reisegefährten, der sich ängstlich über mich beugte. Es war ein Karmelitermönch, den die eisigen Stürme am Vorabend davon abgehalten hatten, sich eine bessere Schlafstätte zu suchen, und der deshalb meine bescheidene Unterkunft und mein Abendbrot mit mir geteilt hatte. Zum Glück hatte ich sowieso keinen rechten Appetit – ein Umstand, der allein mir schon hätte sagen müssen, daß mit mir etwas nicht in Ordnung war.

"Du bist krank, mein Sohn", sagte der Mönch und legte eine schwielige Hand auf meine Stirn.

"Unsinn!" gab ich zurück. "Ich bin niemals krank. Das ist nur ein kleiner Schwächeanfall und wird bald vorübergehen. Sobald ich gefrühstückt habe, mache ich mich auf den Weg."

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