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Der Zorn der Vergessenen Teodor Szacki ermittelt von Miloszewski, Zygmunt (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.03.2018
  • Verlag: Piper Verlag
eBook (ePUB)
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Der Zorn der Vergessenen

Als im Ermland, im Keller eines alten Bunkers, ein Skelett gefunden wird, glaubt Staatsanwalt Szacki an einen Routinefall. Doch dann stellt der Rechtsmediziner fest, dass es sich bei dem Toten um einen Mann namens Najman handelt, der bei lebendigem Leib in Natronlauge aufgelöst wurde. Und während das Skelett vollkommen unversehrt ist, fehlten Najman zu Lebzeiten zwei Finger. Wenig später überstürzen sich die Ereignisse und machen den Fall zu Szackis bislang persönlichstem: Seine Tochter wird entführt und der einzige Hinweis auf ihren Verbleib ist ein Foto von dem Ort, an dem Najman ermordet wurde. Von jetzt an zählt jede Sekunde ... Zygmunt Mi?oszewski, geboren 1976 und früher Journalist bei Newsweek Polen, katapultierte sich mit 'Warschauer Verstrickungen' in die erste Reihe der osteuropäischen Autoren, die gerade die internationale Krimiszene aufmischen. Für das Buch erhielt er den Preis Wielki Kaliber, die höchste polnische Auszeichnung für Kriminalliteratur.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 512
    Erscheinungsdatum: 01.03.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492978644
    Verlag: Piper Verlag
    Serie: Teodor Szacki 3
    Originaltitel: Gniew
    Größe: 1733 kBytes
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Der Zorn der Vergessenen

ERSTES KAPITEL

Montag, 25. November 2013

Wissenschaftler haben an Mäusen nachgewiesen, dass man das männliche Y-Chromosom völlig eliminieren kann, ohne die Fähigkeit zur Fortpflanzung zu beeinträchtigen. Aus der polnischen Filmkomödie "Sexmission" ist somit eine wissenschaftliche Möglichkeit geworden. Die Welt blickt weiterhin auf die Ukraine, deren Regierung endgültig erklärt hat, das Assoziierungsabkommen mit der EU nicht zu unterzeichnen. In Kiew gehen Hunderttausende auf die Straße. Laut Statistik kennen mindestens 60 % der Polen eine Familie, in der die Frau ein Opfer häuslicher Gewalt ist, 45 % leben oder haben in einer Familie gelebt, in der es zu häuslicher Gewalt gekommen ist, 19 % sind der Ansicht, Vergewaltigung in der Ehe gebe es nicht, und 11 % meinen, es sei keine häusliche Gewalt, seine Ehefrau oder Lebensgefährtin zu schlagen. In seiner Testphase in Polen bricht der Pendolino einen neuen Geschwindigkeitsrekord: 293 km/h. Krakau, die Stadt mit der drittgrößten Luftverschmutzung in Europa, untersagt das Heizen mit Kohle. Die Einwohner von Olsztyn äußern sich dazu, was ihre Stadt am dringendsten braucht: Radwege, eine Sporthalle und ein wichtiges Festival. Und neue Straßen, um der Pest der Staus Herr zu werden. Eine kaum nennenswerte Unterstützung für den Bau des Straßenbahnnetzes, das Flaggschiff der städtischen Investitionen, lässt einen da schon staunen. Der stellvertretende Bürgermeister erklärt es so: "Mir scheint, viele Leute sind lange nicht mehr mit einer modernen Straßenbahn gefahren." Der ermländische Herbst dauert an, es ist hässlich und grau, und egal, was das Thermometer anzeigt, alle spüren nur: Es ist verdammt kalt. Nebel hängt in der Luft, und in den Straßen herrscht überfrierende Nässe.
1

Staatsanwalt Teodor Szacki vertrat nicht die Ansicht, dass jemand den Tod verdient hätte. Keiner durfte einem anderen das Leben nehmen, ganz unabhängig von den Umständen, egal ob die Tat gegen das Gesetz verstieß oder mit seinen Buchstaben übereinstimmte. Daran glaubte er ganz fest, seit er denken konnte, aber jetzt, als er an der Kreuzung von olnierska- und Bahnhofstraße stand, spürte er, wie sein Dogma ins Wanken geriet.

Auf der einen Straßenseite Wohnblöcke, auf der anderen das Krankenhaus, daneben ein paar Pavillons, vor denen eine riesige Reklamefahne einen "Fellmarkt" ankündigte. Szacki überlegte einen Moment, ob das nur ihm in seinem Beamtenkopf zweideutig vorkam. Eine typische Kreuzung in der Metropole der Woiwodschaft, zwei Straßen schneiden sich, weil sie es irgendwo müssen, hier fährt keiner langsamer, um das Stadtbild hinter dem Wagenfenster zu genießen, die Leute fahren einfach weiter und Schluss.

Das heißt, sie fuhren nicht weiter. Sie fuhren bis zur Kreuzung, hielten an und standen da wie die Schafe, während sie auf grünes Licht warteten. In der Zwischenzeit verschmolzen ihre Füße mit dem Pedal, während des Stopps wuchsen ihnen lange Bärte, die sich auf ihren Knien bauschten, und an den Fingerspitzen formten sich die Nägel zu Krallen.

Als er gleich nach seinem Umzug hierher in der Gazeta Olsztynska gelesen hatte, das Individuum, das den Verkehr in der Stadt verwaltete, glaube nicht an die grüne Welle, weil die Leute sonst zu sehr beschleunigen würden, was wiederum eine Gefahr im Straßenverkehr darstellte, hatte er zunächst gedacht, das sei ein guter Witz. Es war kein Witz. Kurz darauf hatte er erfahren, dass in dieser letzten Endes nicht mal großen Stadt, die man zu Fuß in einer halben Stunde durchmessen konnte und in der sich der Verkehr auf breiten Straßen abspielte, alle pausenlos im Stau standen. Die Leute liefen zwar Gefahr, vor Wut vom Schlag getroffen zu werden, aber - und hier musste man dem Beamten recht geben - wenigstens stellten sie keine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer dar.

Außerdem glaubte man in den Kreis

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