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Der Zorn des Zeppelin von Kärger, Walter Christian (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.03.2016
  • Verlag: Emons
eBook (ePUB)
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Der Zorn des Zeppelin

Die Nichte des Friedrichshafener Kriminaldirektors wird entführt und schwer traumatisiert in der Basilika von Birnau wiedergefunden. Wenig später stirbt ein Mädchen, und es wird klar: Der Täter befi ndet sich auf einem ebenso heimtückischen wie raffi nierten Rachefeldzug. Sein Gegner: die gesamte Kripo inklusive Max Madlener. Immer wieder wird die Polizei in der Öffentlichkeit vorgeführt - bis Madlener beschließt, nicht mehr mitzuspielen . . . Tiefe Einblicke in dunkle Abgründe, filmreife Action und große Bilder - ein fulminanter Kriminalroman. Walter Christian Kärger, aufgewachsen im Allgäu, studierte an der Hochschule für Fernsehen und Film und arbeitete 30 Jahre als Drehbuchautor in München. Über 100 seiner Drehbücher wurden für Kino oder TV verfilmt. Er lebt als Romanautor in Memmingen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 416
    Erscheinungsdatum: 17.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863589745
    Verlag: Emons
    Serie: Bodensee Krimi Bd.3
    Größe: 3409 kBytes
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Der Zorn des Zeppelin

2

Dr. Anselm Arbogast hörte leise Stimmen von oben, als er die hintere Stahltür zur Apotheke abgesperrt hatte und die Treppe zum ersten Stock in den Wohnbereich hinaufging. Aber das war nicht ungewöhnlich. Die Stimmen stammten vom Fernseher, der Tag und Nacht im Schlafzimmer seiner Mutter lief. Sie war seit gut einem halben Jahr ans Bett gefesselt. Seit ihrem schweren Schlaganfall, dem Blutgerinnsel im Gehirn. Der Apoplex hatte seine Mutter im Schlaf überrascht und rechts halbseitig gelähmt. Er hatte Adelheid Arbogast, Witwe und Apothekerin, über Nacht in einen lebenden Leichnam verwandelt, der sich nicht mehr artikulieren konnte und nur noch im Dämmerzustand im Ehebett dahinvegetierte, ein regloser Zombie, mit dem keine Kommunikation mehr möglich war, obwohl die altkluge Pflegerin meinte, man könne nie wissen, ob so ein im Koma liegender Patient nicht doch alles oder wenigstens einiges von dem mitbekomme, was um ihn herum vorging.

Niemand kannte Adelheid Arbogast so gut wie ihr einziger Sohn. Er brauchte ihr nur in die Augen zu sehen, dann wusste er Bescheid: Sie bekam alles mit.

Und er wusste auch genau, was sie am meisten hasste: Fernsehen und Werbung im Fernsehen.

Noch während sie im Krankenhaus lag, hatte er ihr einen neuen Flachbildschirm so vor das Bett in ihrem Schlafzimmer gestellt, dass sie, wenn sie wieder daheim war und die Augen aufmachte, gar nicht umhinkam, etwas anderes zu sehen als die stets flimmernde Mattscheibe.

Der Pflegerin flunkerte er vor, dass er das Gefühl habe, seine Mutter freue sich darüber, unterhalten zu werden. Sie habe ihm einmal dankbar die Hand gedrückt, wenn auch schwach, aber er habe es deutlich gespürt. Die Lautstärke war so eingestellt, dass er gerade nicht gestört wurde, wenn er die Schlafzimmertür seiner Mutter geschlossen hatte. Wenn er sie heimlich aus einem Winkel, der außerhalb ihres Gesichtsfeldes lag, beobachtete, was er oft und mit Genugtuung tat, schien sie seine Gegenwart doch zu spüren und wahrzunehmen und murmelte Unverständliches. Ihr maskenhaftes, verzerrtes Gesicht versuchte mit übermenschlicher Anstrengung, sich irgendwie zu äußern, aber es gelang ihr nicht. Sie hatte eine leicht zu bedienende Fahrradklingel an ihrem Nachtkästchen, die Arbogast extra für sie angebracht hatte, damit sie sich bemerkbar machen konnte, denn ihre linke Hand konnte sie bewegen. Aber Arbogast schob einfach, wenn ihm das Geklingel auf den Wecker ging, das Nachtkästchen ein kleines Stück aus ihrer Reichweite. Noch in ihrem jetzigen Zustand hätte sie ihn sonst terrorisiert, so wie sie das ihr ganzes Leben hindurch getan hatte.

Damit war jetzt ein für alle Mal Schluss.

Die Installation aus Klingel und TV -Gerät war von der Pflegerin mit viel Anerkennung bedacht worden, sie fand es großartig, wie Dr. Arbogast seiner Mutter das armselige Stückchen Leben, das ihr noch geblieben war, erleichterte. Überhaupt: wie rührend der Sohn um seine Mutter besorgt war, ein wahres Vorbild für alle Menschen, die sich selbst um die Pflege ihrer Angehörigen kümmern mussten. Und dabei hätte Dr. Arbogast doch das Geld gehabt, um seine Mutter in einem teuren Pflegeheim unterzubringen. Aber nein - er wollte selbst für sie da sein, sie sollte nicht aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen werden. Das würde die Pflegerin auch brühwarm allen weitererzählen, und sie kam viel herum, das hatte Dr. Arbogast einkalkuliert. Manche Stammkunden, die davon erfahren hatten und ihn deswegen über den Schellenkönig lobten, wie man in Friedrichshafen zu sagen pflegte, konnten sich vor Lob und Bewunderung für die rührende Besorgtheit des Apothekers kaum noch zurückhalten. Manchmal war ihm das selbst richtiggehend peinlich, jedenfalls tat er so.

Insgeheim jedoch aalte er sich geradezu in der Sonne der öffentlichen Meinung, ihr strahlender Glanz trug nur dazu bei, sein

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