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Der zweitbeste Koch Kriminalroman von Bracharz, Kurt (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.12.2013
  • Verlag: Haymon Verlag
eBook (ePUB)
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Der zweitbeste Koch

Hunger ist bekanntlich der beste Koch. Der zweitbeste ist ein Chinese namens Wang Li. Das glaubt zumindest der Wiener Gourmetkritiker Xaver Ypp, weshalb er auch sehr verärgert ist, als es plötzlich heißt, Wang Li habe das Land verlassen. Und Ypp hat noch mehr Probleme: Sein Chef hält ihn schon lange für zu konservativ und drückt ihm zu allem Überfluss noch die Ausbildung eines pubertierenden Geschmacksgenies aufs Auge. Schlechte Karten für Ypp, der bald auch noch Opfer eines Überfalls wird: Als er die Probe eines ungewöhnlichen Stückchens Fleisch aus Wang Lis ehemaligem Restaurant untersuchen lassen will, beginnt die Angelegenheit vom Kuriosen ins Kriminelle abzugleiten und nimmt dabei immer rasanter Schussfahrt auf ... Nach seinen kultigen Erfolgskrimis in den 90er Jahren hat Kurt Bracharz sich mit seinem neuen Krimi viel Zeit gelassen - doch das Warten hat sich definitiv gelohnt: angenehm pikant, gewürzt mit einer ordentlichen Prise Nervenkitzel und in typisch amerikanischer Krimimanier: hartgesotten. Kurt Bracharz, geboren 1947, lebt als Schriftsteller, Kinderbuchautor und Kolumnist in Bregenz. Zahlreiche Literaturpreise, u.a. Deutscher Krimipreis (1991) und Ehrenpreis des Vorarlberger Buchhandels (2003). Seit 2005 Mitherausgeber der Literaturzeitschrift Miromente. Bei Haymon: Für reife Leser (2009), Cowboy Joe. Kriminalroman (HAYMONtb 2009) und Mein Appetit-Lexikon (2010).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 180
    Erscheinungsdatum: 04.12.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783709974599
    Verlag: Haymon Verlag
    Größe: 984 kBytes
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Der zweitbeste Koch

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Der Herausgeber hatte eine Überraschung angekündigt und die ängstlicheren Redakteure vermuteten, dass es sich um ihre Kündigung handeln könnte, aber ich dachte mir, dass einem solche Überraschungen eher unter vier Augen bereitet würden als in einer Versammlung aller Schreiber, die für das Magazin "Lukull" arbeiteten.

Im Sitzungszimmer stand in Kühlern eine Batterie von zehn Weißweinflaschen bereit, deren Etiketten mich überraschten, denn es handelte sich um Ware einer Kategorie, die in Supermarktregalen herumsteht, aber nicht in unserer Redaktion: Grüne Veltliner der unteren Preisklasse aus dem Weinviertel. Die Flaschen waren mit Nummernschildern versehen und vor jeder stand ein Glas, in das eine kleine Menge Wein eingeschenkt war. Daneben zwei mit etwas Wasser gefüllte Kübel zum Ausspucken. Sollten etwa wir diese Weine verkosten?

Ich versuchte, mir das Aromaprofil des Weinviertler Grünen Veltliners in Erinnerung zu rufen, um gegebenenfalls mitschwafeln zu können, obwohl mich die Wichtigtuerei so vieler angeblicher Weinkenner bei Verkostungen schon seit langem nervt. Klar - Pfeffer, fruchtig, frisches Gras, grüner Apfel, Zitrus, mineralisch, das sagt man beim Grünen Veltliner und das kommt immer gut, auch wenn der Wein im Glas ziemlich dumpf schmeckt oder einen Böckser hat.

Wir waren fünf Redakteure und sieben freie Mitarbeiter, und Dr. Ska hatte auch die beiden Redaktionssekretärinnen zur Runde eingeladen. Er schien gut gelaunt und ich sah, wie vor allem bei Roman Singer, der schon seit Monaten bange erwartete, vom immerhin geringfügig Beschäftigten in einen gänzlich freien Mitarbeiter zurückverwandelt zu werden, die Anspannung in seiner Miene nachließ.

Ich saß zwischen Knihomol und Zupan, also zwischen einem Alkoholiker und einem Narkoleptiker, die aber beide ihre Probleme im Griff hatten, Knihomol als sozial unauffälliger Spiegeltrinker, Zupan, indem er nur noch mit Taxis fuhr und nicht mehr selbst Autos lenkte, seit er in Niederösterreich in einen Heuballen gefahren war - das hätte ja auch ganz anders ausgehen können. Franz Knihomol war der Altweinexperte des "Lukull", Ante Zupan ein Kenner der Küchen Osteuropas, beide Profis auf ihren Gebieten und zusammen mit mir, Xaver Ypp, die Drei Husaren, die altgedienten - oder auch nur alten - Redakteure des Magazins, benannt nach einem nicht mehr existierenden Wiener Restaurant, in dem wir in den 1980er Jahren oft getafelt hatten, als dort noch der Rindfleischpapst Plachutta in der Küche gestanden war. Nebenbei bemerkt, hatte ich auf einer Weihnachtsfeier des Verlags von einer sehr beschickerten Volontärin erfahren, dass die Jungen uns hinter unserem Rücken die Drei Memmen nennen, aber ich habe meine Zweifel, dass sie die Bedeutung dieses alten Wortes überhaupt richtig kennen - sie tun sich gelegentlich sogar bei neueren schwer.

Keiner von uns Drei Husaren hatte einst als Volontär begonnen, alle waren wir ursprünglich Quereinsteiger gewesen. Knihomol hatte ich zum "Lukull" gebracht, Franz war ein Freund aus meiner Studienzeit, wo wir zwar an verschiedenen Hochschulen studierten, aber abends in denselben Lokalen verkehrten und uns zeitweilig für dieselbe Frau interessierten, die dann einem lachenden Dritten den Vorzug gab, dem das Lachen aber auch bald verging. Franz hatte Kunstgeschichte studiert und danach einige Jahre lang erst eine von seinen Eltern finanzierte Galerie und dann eine vom Staat finanzierte Kunsthalle geleitet, nach deren Schließung ich ihm einen guten Tipp gab, wo er seine inzwischen erworbenen umfangreichen Weinkenntnisse gewinnbringend verwerten könnte.

Ante Zupan war etwas jünger als wir beide und ursprünglich Germanist, aber sehr bald im Kulturjournalismus gelandet. Ich hätte an einem Gymnasium Biologie und Chemie unterrichten können, hatte aber nach einem Probejahr gerne auf eine Karriere im Schuldienst verzichtet. Jetzt waren wir drei unterschiedlich lange, aber in jedem Falle scho

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