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Des Menschen Furcht Historischer Roman von Mackay, Neil (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.10.2016
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Des Menschen Furcht

Das große Epos um den berüchtigsten Mörder des Mittelalters
Deutschland im ausgehenden 16. Jahrhundert: Immer noch steht Europa im Zeichen des finsteren Mittelalters. Aus der Gegend um Köln dringt beunruhigende Kunde. In Bedburg wird ein gewisser Peter Stumpf, genannt Stubbe-Peter, angeklagt, an die 70 Menschen ermordet zu haben. Der Advokat Paulus Melchior soll zusammen mit einem fanatischen Inquisitor den Prozess leiten. Ihm zur Seite steht sein Adlatus William, der sich dem illustren Zug gen Bedburg anschließt und in das faszinierende Panorama einer Welt eintritt, wie wir sie nicht mehr kennen ...

Neil MacKay ist preisgekrönter Journalist, Sachbuchautor und Filmemacher. Sein Dokumentarfilm The War of Truth wurde für den BAFTA nominiert. Da in England und Schottland mittelalterliche Prozessakten schon im Mittelalter sorgsam archiviert wurden, ist Mackay auf den historischen Fall des Peter Stump gestoßen. Dies war die Geburtsstunde für seinen Debütroman Des Menschen Furcht.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 544
    Erscheinungsdatum: 11.10.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641199760
    Verlag: Heyne
    Originaltitel: The Wolf Trial
    Größe: 1611 kBytes
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Des Menschen Furcht

PROLOG

Das ehrliche und bekennende Zeugnis von William Loos, bekannt als der deutsche Lehrmeister von Glasgow

Meine Geschichte ist schon so alt, weil ich so alt bin. Und deshalb kommt es mir vor, als erinnerte ich mich an eine Figur, die irgendein anderer Schriftsteller vor langer Zeit in einer Erzählung erfunden hat und in der ich meine bescheidene Rolle gespielt habe. Ich bin nicht mehr der Mann, der ich damals in Bedburg war. Eigentlich war ich da noch ein Junge. Doch so wie Theseus' weit gereistes Schiff - dessen Mast ersetzt, dessen Ruder ausgetauscht, dessen Gallionsfigur ausgewechselt und dessen Planken erneuert wurden -, ist nichts mehr von mir übrig aus dieser damaligen Zeit. Aus dem Jungen ist ein alter Mann geworden, was traurig ist, denn ich war in meiner Jugend von schöner Gestalt. Doch ich spreche nicht nur von meinem Erscheinungsbild. Selbst der Boden, auf dem ich gehe, die Sprache, die ich spreche, und die Menschen, mit denen ich lebe, sind anders. Vielleicht existiert noch etwas vom dem damaligen Geist, denn Geschichte ändert sich eigentlich nicht - eine These, die meine Schüler nur schwer hätten nachvollziehen können, wäre ich noch jung genug, um zu lehren, oder würde ich in einem Zeitalter leben, in dem statt Schmeicheleien und Manieriertheiten die Lehre und das Wort noch etwas zählten. Doch auch ich kann mich nicht davon freisprechen, in jungen Jahren Törichtes getan zu haben, und liefere damit einmal mehr den Beweis, dass sich nichts ändert. Meine Lehrer hielten mich für oberflächlich und selbstgefällig, was ich - wie ich zu meiner Schande gestehen muss - wohl durchaus auch war.

Meine Heimat, oder eher gesagt, das Land, in dem ich seit nunmehr über sechzig Jahren lebe, ist das kalte, felsige Schottland. Es war damals der Ort, der so weit wie möglich von den Wurzeln meiner Jugend entfernt lag, wo ich hatte hinreisen können. Ich hätte genauso gut nach Moskowien oder in den Maghreb fliehen können, doch unter den Rus oder den Muselmännern zu leben, konnte ich mir nicht vorstellen. Die Briten sind ein raues Volk, aber gerade noch zu ertragen, und ich fand ihre Sprache angenehm, da sie meiner Muttersprache Deutsch so ähnlich war. Die Rus sprechen die Sprache des Waldes und der Steppe, die Araber die Sprache der Wüste. Englisch und Deutsch sind Sprachen der Felder, Wälder und der kleinen Städte Europas. In unseren Adern fließt seit Menschengedenken das gleiche Blut.

Was meine lieben, toten Eltern im Himmel denken, wenn sie hinab auf ihren einzigen, in Schottland lebenden Sohn blicken, daran mag ich gar nicht denken. Meine Mutter wird wohl lachen und meinem Vater erklären, wie falsch er doch mit seiner Vermutung gelegen hat. Der törichte alte Mann war nämlich in meiner Kindheit der felsenfesten Überzeugung gewesen, dass ich den Rest meines Lebens am Rockzipfel meiner Mutter hängen und nie hinaus in die Welt ziehen würde. Wenngleich er mich auch gern in seiner Nähe hatte. Er zeigte mir auf Landkarten im Hinterzimmer seiner Druckerei, wo Britannien und Irland lagen, und erklärte mir, dass die Inseln wie eine langbeinige Hexe aussahen, die einen Säugling wiegte. Dabei roch er nach Druckerschwärze und süßem Essig, der von neuem Papier stammte. Mittlerweile hat es mich in die Hutkrempe der Hexe verschlagen, nach Glasgow. Hier sitze ich nun in meinen Gemächern in der Auld Pedagogy. So nennen die Schotten ihre Hochschule, ein ebenso ungestümes wie liebenswertes Volk. Eine ausgezeichnete Einrichtung, auch wenn das Verständnis für moderne Fächer wie Staatsführung und politische Philosophie unter den Lehrenden nur gering ausgeprägt ist. Die Universität ist hervorragend in Rechtswissenschaften, Sprachen, Mathematik, Rhetorik und Geschichte, sodass ich für das Kollegium gut geeignet war, auch wenn die Mathematik nicht zu meinen Stärken zählt.

Ich darf auch im Ruhestand weiterhin in meinem alten Quartier wohnen. Mit fast achtzig Jahren unterrichte ich nur noch s

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