text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Deutscher Frühling Roman von Thiel, Sebastian (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.03.2019
  • Verlag: Gmeiner-Verlag
eBook (ePUB)
10,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Deutscher Frühling

Schutt und Asche bedecken Deutschlands Städte. Hunger und die ständige Angst vor dem Tod vereinen Hardy Schmittgen und Luisa Porovnik. Als das ungleiche Duo zufällig Reginald Taylor, Verbindungsoffizier des britischen Militärgouverneurs, das Leben rettet, nimmt dieser sie in seine Dienste. Und auf einmal liegt das Schicksal Deutschlands in den Händen eines grobschlächtigen Wachtmeisters und einer jungen Schmugglerin, die im Rahmen ihrer Aufträge erleben, wie ein ganzes Land zum Spielball der Mächtigen wird. Sebastian Thiel, Jahrgang 1983, ist Schriftsteller mit Leib und Seele. Er lebt in Tönisvorst am Niederrhein. Als Basis seiner Romane dienen historische Ereignisse und Personen, die er zu fantasievollen Geschichten verwebt. Seit mehreren Jahren ist Sebastian Thiel freiberuflicher Autor und widmet sich komplett dem Schreiben.

Produktinformationen

Weiterlesen weniger lesen

Deutscher Frühling

Kapitel 2
- Germania -

23. April 1945

Das war es also.

Berlin war eingeschlossen.

Luisa hielt den Atem an und lauschte den gedämpften Stimmen, die aus dem Hinterhof drangen. Dabei umklammerte sie das blutige Fleisch der zwei Karnickel so fest, als wären sie noch am Leben und könnten sich freistrampeln. Eigentlich hatte der Tag gut begonnen. Seit zwei Nächten waren die Luftangriffe ausgeblieben. Sie konnte in der Zeit drei Kippen gegen ein wenig Käse eintauschen, diesen zur alten Frau Huber bringen, woraufhin sie einen kleinen Sack Steckrüben bekam. Darauf war der dümmliche Schmitze aus Charlottenburg besonders scharf, weshalb er ihr seine Schmerzmittel und Süßigkeiten überließ. Diese wiederum brachte sie in den Moabiter Hinterhof, wo an diesem dämmrigen Tag das Leben noch den Hauch eines Pulses hatte. In den zerbombten und notdürftig freigeräumten Höfen konnte man alles tauschen, was noch irgendeinen Wert hatte. Kalle, ein schlaksiger Kerl mit schlechten Zähnen und guten Kontakten, war hier so was wie der Chef des Blocks. Man munkelte, dass er Fotografien von allen großen Tieren der Ordnungspolizei und Verwaltung geschossen hatte. So ein Bordell im Hinterhof zahlte sich offensichtlich aus. Einen großen Teil des Eudokal brauchte er selbst - wahrscheinlich wegen der eitrigen schwarzen Stümpfe in seiner Hackfresse, die er tatsächlich Zähne nannte. Mit Pervitin machte er die Mädchen gefügig und schenkte ihnen noch Süßigkeiten, wenn sie mal wieder einen ganz besonders perversen Wunsch zu erfüllen hatten.

Dabei waren die Frauen kaum älter als sie, Luisa. Doch wo Vater und Mutter fehlten, vom Krieg fortgerissen, hatte solcher Abschaum wie Kalle es nicht schwer. Niemand kannte seinen richtigen Namen und vielleicht war das auch gut so. Allerdings war er immer sehr gut informiert und seine geflüsterten Worte weckten bei Luisa höchste Aufmerksamkeit.

"Ist es wahr?" Langsam trat sie aus dem Schatten. Sie wusste, dass ihre hellblonden, beinahe weißen Haare sie verrieten, weshalb sie ein dunkelrotes Tuch um ihren Kopf gebunden hatte.

Nachdem der erste Schock überwunden war, grinste Kalle breit. Augenblicklich wurde Luisa speiübel. Worte waren zeitweise gefährlicher als Taten. Nicht wenige hatte die Schutzstaffel aufgeknüpft und mit warnenden Schildern versehen.

"Was soll wahr sein, Porovnik?" Kalle erhob sich vom kleinen Kohleofen, ebenso seine Mannen. Nervös blickte die Gruppe umher. Jetzt, wo das Reich zusammenbrach, zog sich auch die schützende Hand der Funktionäre langsam zurück. Jedermann spürte den eisigen Hauch des Todes über der Stadt wehen und erkannte die Veränderung, die er mit sich brachte.

Nachdem Kalle sich vergewissert hatte, dass niemand sonst ihr Gespräch belauschte und seine Mädels immer noch brav am anderen Ende des Hinterhofs ihren Körper feilboten, vollführte er einen Schritt auf Luisa zu. Behutsam, als wäre ihr Gesicht aus Porzellan, streichelte er ihr eine blonde Strähne aus dem Gesicht.

"Wie alt bist du jetzt, Porovnik?"

"Stimmt es, was du gerade gesagt hast?", entgegnete sie trotzig. Sie ließ die Hand auf ihren Rücken gleiten und umfasste den Griff ihres Lieblingsmessers. Er wäre nicht die erste Type gewesen, die meinte, dass ihre blauen Augen und die zierliche Figur dazu einluden, sie zu betatschen.

Kalle kam nah an sie heran. Sein stinkender Atem legte sich beißend in ihre Nase. "Beantworte mir meine Frage und ich beantworte deine."

"Ich bin 14." Sie zog die Nase hoch und fixierte ihn. "Und jetzt bist du dran?"

"14? Was für ein wundervolles Alter." Seine Männer lachten leise. "Wie wäre es, wenn du bei mir anfängst? Ich kann dich beschützen. Kein Schweinkram, nur leichte Sachen am Anfang. Ein wenig tanzen, vielleicht mal ein Rohr reinigen?"

Kurz blickte Luisa zu den Mädchen. Ihre Gesichter waren nur notdürftig gereinigt, wandelnden Leichen gleich hatten ihre Augen sämtl

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen