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Die Affäre Carambol Goethe und Schiller ermitteln - Kriminalroman von Lehnberg, Stefan (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.03.2018
  • Verlag: Tropen
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Die Affäre Carambol

Gerade saßen Goethe und Schiller noch bei der Frau Mama zum Tee, schon sind sie wieder in einen criminalistischen Fall verwickelt! Mysteriöse Mehllieferungen lassen vermuten, dass sich in Franckfurth eine Verschwörung anbahnt. Ein Glück, dass die scharfsinnigen Detective zur Stelle sind, um die Stadt vor einer Katastrophe zu bewahren. In Franckfurth am Main geht es nicht mit rechten Dingen zu. Im Geheimen werden Boten in die Regimentsstädte entsandt und gleichzeitig riesige Mengen Mehl in die Stadt geliefert. Der Stadtrat ist verzweifelt, denn für den französischen Consul Napoleon Bonaparte muss es ganz so aussehen, als würde die Stadt einen Aufstand planen. Da bereits zwei Stadträte unter ungeklärten Umständen zu Tode gekommen sind und niemand weiß, wem noch zu trauen ist, werden die bewährten Ermittler Goethe und Schiller zu Rate gezogen. Doch die Nachforschungen gestalten sich schwieriger als gedacht. Vor allem, als eine gewisse brünette Baronin Goethe den Kopf verdreht und er darüber völlig vergisst, die Verbrecher aufzuspüren ... "Stefan Lehnberg ist Autor und männlicher Hauptdarsteller der täglichen Radiocomedy 'Küss mich, Kanzler!', die seit 2008 ununterbrochen auf mehreren Sendern läuft. Er war als Schauspieler und Regisseur an verschiedenen deutschen Theatern tätig, ist seit Jahren in der Berliner Comedyszene aktiv und hat Texte für Harald Schmidt, Anke Engelke, Titanic, Satirikon, u.v.a geschrieben. Sein satirischer Roman 'Mein Meisterwerk' wurde mit dem Ephraim-Kishon-Literaturpreis ausgezeichnet. Weitere Veröffentlichungen: 'Das persönliche Tagebuch von Wladimir Putin', sowie die beiden Goethekrimis 'Durch Nacht und Wind' und 'Die Briefe des Ikarus'. Website des Autors: www.Lehnberg.com

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 10.03.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783608110470
    Verlag: Tropen
    Größe: 2544 kBytes
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Die Affäre Carambol

Neuntes Kapitel
Der Ball

G oethe stand inmitten der tanzenden Paare, wie vom Donner gerührt in dem prachtvollen Spiegelsaal, und starrte gebannt auf einen Punkt am anderen Ende des Saales.

Kurz zuvor hatten wir noch mit von Hilgendahl und Dr. Conrady in der Kutsche gesessen, die uns zum Palais bringen sollte, und nachdem die beiden uns hastig einen Schwall von Informationen über jene Stadträte zugeraunt hatten, welche am ehesten in Verdacht stünden, hinter allem zu stecken, waren sie auch auf die Baronin zu sprechen gekommen. Offenbar handelte es sich bei Helena von E. um die Witwe des vor einem Jahr verstorbenen Barons von E. Der Baron war fast 40 Jahre älter als seine Gemahlin gewesen, und es hieß, das Eheleben sey nicht allzu glücklich gewesen, was auch jedermann mit Ausnahme der Braut voraus gesehen hatte, denn der Baron war ein misanthropischer Wütherich von schlichtem Geiste gewesen, welcher außer der Jagd keinerlei Interessen gehabt hatte, während sie eine Frau voller Lebenslust war, welche nun - nach seinem Tode - ganz im gesellschaftlichen Umgange mit virtuosen Musikern und in der Ausrichtung musikalischer Soireen aufging. Es hieß, dass sie eine ganze Reihe dieser Künstler sogar als Mäzenin förderte, ein Umstand, welcher angesichts der lamentablen financiellen Lage der Einwohner Franckfurths um so bemerkenswerter war, aber der Baron hatte ihr ein beträchtliches Vermögen hinterlassen, welches sie zu einer der vermögendsten Persönlichkeiten der Stadt machte. Es nahm nicht Wunder, dass sie mit Heiratsangeboten geradezu überschüttet wurde, bisher jedoch hatte sie alle Verehrer - unter ihnen auch einen königlichen Geblüts - höflich abgewiesen.

Und nun standen wir also unter den Ballgästen, lauschten dem excellenten Streichquartett, hatten hier und dort einige belanglose Plaudereien geführt, und ich war eben im Begriffe, einen Stadtrat anzusprechen, auf den Herr von Hilgendahl verstohlen gedeutet hatte, als ich meinen Freund so stumm da stehen sah. Um zu ergründen, was sein Interesse erweckt hatte, näherte ich mich ihm und hatte ihn gerade erreicht, als er seine Sprache wieder fand. "Die Branconi, sie ist das leibhaftige Abbild der Branconi!" Ich musste lächeln über diese schwärmerische Anwandlung meines Freundes.

Maria von Branconi ...

Eines Nachts, nach einigen Flaschen schweren Portweins, hatte mir Goethe einige Jahre zuvor von ihr erzählt. Ich selbst hatte sie nie kennen gelernt, aber ich wusste, dass man von ihr allgemein bewundernd als der schönsten Frau Deutschlands sprach. Goethe hatte mir einmal ein Portrait der Branconi gezeigt, und ich muss zugeben, sie hatte ein durchaus ebenmäßiges Gesicht und auch eine gewisse Aura, jedoch war ich dadurch nicht übermäßig zu beeindrucken gewesen. Gewiss betrachte auch ich mich als Freund der Schönheit, aber diese wäre für mich nie Grund gewesen, über ein Frauenzimmer gänzlich aus dem Häuschen zu geraten. Es gibt bedeutendere Eigenschaften als Schönheit. Ich hielt es da schon immer mit jener alten Weisheit, die da lautet: Schönheit vergeht, aber Kochkunst besteht.

Goethe jedoch war von der Branconi hingerissen gewesen. Kennengelernt hatte er sie in Lausanne. Sie war kurz zuvor vom Braunschweiger Erbprinzen, dessen offizielle Mätresse sie gewesen war, verlassen worden und unternahm nun ausgedehnte Studienreisen durch ganz Europa. Mein Freund war damals gerade dreißig, sie war zwei oder drei Jahre älter, und es hatte von Anfang an eine starke Anziehung zwischen den beiden bestanden. Im Jahr darauf besuchte sie ihn in Weimar, und er unternahm zwei Gegenbesuche auf ihrem Gut bei Halberstadt. Auch stand er in lebhafter Correspondenz mit der Dame und vergaß nie, ihr die Manuskripte seiner neuesten Werke zu senden. Ob die romantischen Gefühle, welche beide zweifellos für einander hegten, je die Ebene sanfter Freuden erreichten, darüber

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