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Die Bernini-Büste Kriminalroman von Pears, Iain (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.12.2017
  • Verlag: Fahrenheit
eBook (ePUB)
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Die Bernini-Büste

Der neue Fall für die attraktive Flavia die Stefano und den Kunstfachmann Jonathan Argyll, rund um die legendäre Bernini-Büste Der Kunstexperte Jonathan Argyll hat einem kalifornischen Museum einen unbedeutenden Tizian verkauft . Zuerst erstaunt ihn nur der überhöhte Preis , der ihm geboten wurde. Dann stibt der reiche Käufer eines unnatürlichen Todes und auch Jonathan wird zur Zielscheibe des Mörders. Zum Glück sind Flavia di Stefano und Generale Bottando unterwegs in die USA um eine legendäre Bernini-Büste aufzuspüren. Iain Pears, geboren 1955 in Coventry ist ein englischer Kunsthistoriker und Schriftsteller. Neben seinen journalistischen Arbeiten entstand mit der Zeit ein literarisches ?uvre, das vom Publikum wie auch von der offiziellen Literaturkritik immer wieder gelobt wurde. Er lebt mit seiner Familie in Oxford.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 01.12.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492983266
    Verlag: Fahrenheit
    Größe: 1228 kBytes
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Die Bernini-Büste

2

Trotz Argylls Befürchtungen war der Empfang eine sehr eindrucksvolle Angelegenheit, vor allem, wenn man dachte, wie überstürzt er auf die Beine gestellt worden war. So unangenehm Moresby als Arbeitgeber auch sein mochte, bei seinen Parties schien der Blankoscheck zu regieren. Und welche Unzulänglichkeiten das Museum selbst auch haben mochte, so war doch seine Eingangshalle ein idealer Ort für ein Gelage. Im Mittelpunkt stand ein riesiger Tisch, beladen mit Unmengen eisgekühlter Meeresfrüchte, für die man wohl den halben Ozean leergefischt hatte. Es gab Häppchen im Überfluß, in einer Ecke dröhnte eine Jazzkapelle und in einer anderen fiedelte ein Streichquintett, quasi als Bekräftigung des Anspruchs des Museums, hohe und populäre Kunst miteinander zu versöhnen. Beide wurden kaum beachtet. Getränke gab es zwar nicht gerade im Überfluß, aber in ausreichender Menge, wenn man sich ihnen widmete.

Mangel allerdings herrschte an diesen Multi-Multimillionären, die sabbernd Schlange standen, um Argyll seinen kleinen (aber erlesenen) Bestand an Kunstwerken abzukaufen. Vielleicht waren sie aber auch vorhanden, und er erkannte sie bloß nicht. Schließlich konnte man sich doch nicht einfach an einen heranschleichen und ihn schnell mal nach seinem Kontoauszug fragen, obwohl einige Leute einen sechsten Sinn für derartiges zu haben schienen: Edward Byrnes zum Beispiel ging instinktiv auf Leute zu, die so viel überschüssiges Bargeld hatten, daß es ihnen Löcher in die Taschen brannte. Argyll hatte nie begriffen, wie er das anstellte. Und ebensowenig verstand er sich darauf, ein Gespräch unmerklich so zu steuern, daß es sich plötzlich um, sagen wir mal, die französische Landschaftsmalerei des neunzehnten Jahrhunderts drehte. Von der man zufällig ein sehr schönes Exemplar anbieten könne...

Seine eigenen Bemühungen in diesem höchst komplizierten Betätigungsfeld führten meistens zu dem Versuch, flämische Genremalerei an Kellner zu verkaufen. Und falls er sich einmal den richtigen Ansprechpartner ausgesucht hatte, endete es damit, daß er ihm ausführlich die Mittelmäßigkeit seiner eigenen Bilder darlegte und statt dessen etwas empfahl, das sich im Augenblick im Besitz eines Konkurrenten befand.

So war es auch an diesem Abend. Beinahe gegen seinen Willen gelang es ihm, den Eindruck zu erwecken, er finde den Gedanken, etwas zu verkaufen, leicht geschmacklos. Während Hector di Souza, so erschien es Argyll, jeder reichen Frau in der Umgebung seine Fälschungen aufschwatzte, schaffte er es nicht einmal, jemandem zu sagen, daß er etwas zu verkaufen hatte. Seine einzige längere Unterhaltung führte er mit dem Architekten, einem sich betont zwanglos gebenden Mittvierziger mit einer für seine Generation typischen Neigung zur Beleibtheit, der ihm einen Vortrag hielt über die Synthese des modernistischen Utilitarismus und der klassischen Ästhetik, wie sie in seinem uvre zum Ausdruck kam. Mit anderen Worten, er redete zwanzig Minuten lang ununterbrochen über sich selbst. Es machte ihn nicht gerade sympathisch, daß er die Gewohnheit hatte, einem pausenlos über die Schulter zu schauen, um nur ja nicht einen eventuell interessanteren Gesprächspartner zu verpassen.

Ganz uninteressant war die Unterhaltung dennoch nicht: In einem Anfall von Selbstzufriedenheit vertraute er Argyll an, daß dies ein großer Abend für ihn sei. Der alte Moresby habe sich nun endlich dazu durchgerungen, das Große Museum (GM, wie das Personal es nannte) zu bauen, und werde es heute abend bekanntgeben. Daher die Panik, daher der plötzliche Besuch, daher Thanets blasierte Unbestimmtheit, mit der er seine tiefergehende Besorgnis überspielte, und daher vermutlich auch Anne Moresbys Präventivschlag wenige Stunden zuvor.

"Der größte private Museumsauftrag seit Jahrzehnten", sagte er mit entschuldbarer Befriedigung. "Das Ding wird eine Stange kosten."

"Wieviel ist eine Stange?" fragte Argyll, der Geschichten über die

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