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Die Bildhauerin Roman von Walters, Minette (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.04.2016
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Die Bildhauerin

Olive Martin sitzt wegen einer grausamen Tat im Gefängnis: Sie hat zugegeben, ihre Mutter und ihre Schwester ermordet und dann zerstückelt zu haben. Unter ihren Mitgefangenen ist Olive wegen ihrer Ausbrüche gefürchtet, und ihre Beschäftigung mit Knetpuppen, in die sie Nadeln sticht, hat ihr die Bezeichnung 'Die Bildhauerin' eingetragen. Die Journalistin Rosalind Leigh ist gewarnt, als sie das Gefängnis betritt, um Olive zu treffen. Doch schnell stößt sie auf eine Reihe von Ungereimtheiten, und die beiden Frauen begeben sich auf eine gefährliche Reise in die Vergangenheit ...

Minette Walters arbeitete lange als Redakteurin in London, bevor sie Schriftstellerin wurde. Seit ihrem Debüt 'Im Eishaus', das 1994 auf Deutsch veröffentlicht wurde, zählt sie zu den Lieblingsautoren von Millionen Leserinnen und Lesern in aller Welt. Alle ihre bisher erschienenen Romane wurden mit wichtigen Preisen ausgezeichnet und in zahlreiche Sprachen übersetzt. Minette Walters lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen in Dorset, England.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 100
    Erscheinungsdatum: 05.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641186029
    Verlag: Goldmann
    Größe: 1839kBytes
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Die Bildhauerin

1

Es war unmöglich, sie ohne einen Schauer des Abscheus näher kommen zu sehen. Sie war die groteske Parodie einer Frau, so unförmig, dass Kopf, Hände und Füße auf absurde Weise wie viel zu klein geratene nachträgliche Anhängsel von der gewaltigen Masse ihres Körpers abstanden. Schmutziges blondes Haar klebte feucht und dünn an ihrer Kopfhaut, und unter ihren Achselhöhlen hatten sich dunkle Schweißflecken ausgebreitet. Das Gehen bereitete ihr offensichtlich Mühe. Immer in Gefahr, das Gleichgewicht zu verlieren, schlurfte sie auf den Innenkanten ihrer Füße vorwärts, die Beine auseinander getrieben von der Stoßkraft eines gigantischen Oberschenkels gegen den anderen. Und selbst bei der kleinsten Bewegung spannte sich mit der Verlagerung der Fleischmassen der Stoff ihres Kleides gefährlich. Sie besaß, so schien es, nicht ein einziges Charakteristikum, das mit ihrer Erscheinung versöhnt hätte. Selbst ihre Augen, von einem tiefen Blau, gingen förmlich unter in den hässlichen Falten gewellten weißen Fetts.

Seltsam, dass sie nach so langer Zeit noch immer ein Objekt der Neugier war. Leute, die sie jeden Tag sahen, starrten ihr nach, wenn sie durch den Korridor ging, als sähen sie sie zum ersten Mal. Was war es, das sie so faszinierte? Einfach die Dimensionen einer Frau, die einen Meter achtzig groß war und fast hundertvierzig Kilo wog? Oder ihr Ruf? Der Abscheu vor ihr? Nie lächelte jemand. Die meisten beobachteten sie unbewegt, wenn sie vorüberging, vielleicht aus Furcht, ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Sie hatte ihre Mutter und ihre Schwester in kleine Stücke zerhackt und die einzelnen Teile in blutiger Abstraktion auf ihrem Küchenboden geordnet. Wenige, die sie sahen, konnten das vergessen. Wegen ihres grausigen Verbrechens und der Furcht, die sie, finster und gewaltig, allen im Gerichtssaal eingeflößt hatte, war sie zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe verurteilt worden, mit der Empfehlung, dass sie mindestens fünfundzwanzig Jahre der Strafe verbüßen sollte. Was sie, abgesehen von dem Verbrechen selbst, zu einer ungewöhnlichen Person machte, war die Tatsache, dass sie sich schuldig bekannt und jede Verteidigung abgelehnt hatte.

Innerhalb der Zuchthausmauern war sie als die Bildhauerin bekannt. Ihr richtiger Name war Olive Martin.

Rosalind Leigh, die an der Tür des Besprechungsraums wartete, fuhr sich mit der Zunge durch den Mund. Ihr Abscheu war so unmittelbar, als hätte das Böse an Olive Martin die Hand nach ihr ausgestreckt und sie berührt. Mein Gott, dachte sie, und der Gedanke erschreckte sie, ich halte das nicht durch! Aber sie hatte keine Wahl. Hinter ihr, der Besucherin, waren die Zuchthaustore so fest geschlossen wie hinter den Insassen der Anstalt. Sie drückte ihre zitternde Hand auf ihren Oberschenkel, dessen Muskeln unkontrollierbar zuckten. Ihre praktisch leere Aktentasche hinter ihr war hohnlachendes Zeugnis ihrer mangelnden Vorbereitung auf dieses Zusammentreffen und ihres naiven Vertrauens darauf, dass ein Gespräch mit Olive sich entwickeln werde wie jedes andere. Nicht einen Moment lang war ihr der Gedanke gekommen, Furcht könnte ihren Einfallsreichtum lähmen.

Lizzie Borden mit dem Beile, hackt ihre Mutter in zehn Teile. Schaut sich die Bescherung an, nimmt gleich den Vater auch noch dran. Der Reim ging ihr unaufhörlich im Kopf herum, benebelnd in seiner ständigen Wiederholung. Olive Martin mit dem Beile, hackt ihre Mutter in zehn Teile. Schaut sich die Bescherung an, nimmt gleich die Schwester auch noch dran ...

Roz trat von der Tür weg und zwang sich zu lächeln. "Hallo, Olive. Ich bin Rosalind Leigh. Es freut mich, Sie endlich kennen zu lernen." Sie reichte Olive herzlich die Hand, vielleicht in der Hoffnung, sie könnte ihre Abneigung bezwingen, wenn sie unvoreingenommene Freundlichkeit demonstrierte. Olives Berührung war rein mechanisch, ein Hauch lebloser Finger. "Danke", sagte Roz

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