text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Die Einkreisung Der Roman zur Netflix-Serie von Carr, Caleb (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.05.2018
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Die Einkreisung

Das Psychogramm eines Mörders
New York 1896: Unter Polizeichef Theodore Roosevelt kommt es zu einem grauenvollen Mord, der sich als Teil einer ganzen Mordserie erweist. Mit den Ermittlungen wird Dr. Kreisler beauftragt, ein Vorläufer Sigmund Freuds. Gegen erbitterte Widerstände gelingt es ihm, mittels eines detaillierten Psychogramms den Mörder einzukreisen.

Caleb Carr ist in der Lower East Side von Manhattan aufgewachsen und lebt heute in der Nähe von New York. Er studierte Geschichte an der New York Unviversity. Sein erster Roman 'Die Einkreisung' wurde ein internationaler Erfolg und in über zwanzig Sprachen übersetzt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 736
    Erscheinungsdatum: 14.05.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641185411
    Verlag: Heyne
    Originaltitel: The Alienist
Weiterlesen weniger lesen

Die Einkreisung

K APITEL 3

E igenartig, wie lange ich brauchte, um das Bild, das sich mir bot, zu erfassen. Doch das war alles so vollkommen falsch, so irrwitzig, so ... verzerrt - wie hätte man das auch schneller begreifen sollen?

Auf dem Metallsteg befand sich der Körper einer jungen Person. Ich sage "Person", weil zwar die sekundären Geschlechtsmerkmale die eines halbwüchsigen Jungen waren, aber die Bekleidung (zu sehen war nur ein Unterkleid, dem ein Ärmel fehlte) sowie das Make-up auf ein Mädchen oder vielmehr auf eine Frau hindeuteten, und zwar eine von zweifelhaftem Ruf. Das unglückliche Geschöpf hatte die Handgelenke auf dem Rücken zusammengebunden, die Beine waren zu einer knienden Haltung gebogen, und zwar so, dass das Gesicht gegen den eisernen Laufsteg gepresst wurde. Aber was mit dem Körper geschehen war ...

Das Gesicht wies keine Spuren von Schlägen auf - die Schminke schien unberührt -, aber wo einst Augen gewesen waren, sah man jetzt nur noch blutige Höhlen. Aus dem Mund ragte ein unkenntliches Stück Fleisch. Quer über die Kehle zog sich ein breiter Schnitt, der jedoch kaum blutete. Der Unterleib war geradezu zerfetzt worden, sodass man die inneren Organe erahnen konnte. Die rechte Hand war glatt und sauber abgeschlagen. Eine klaffende Wunde im Schritt bot die Erklärung für den Mund - die Genitalien waren abgetrennt und dem Opfer zwischen die Zähne gestopft worden. Auch die Hinterbacken fehlten, mit großen, breiten Schnitten abgesäbelt wie von einem Metzger.

In den ein oder zwei Minuten, die ich brauchte, um die Einzelheiten aufzunehmen, wurde um mich herum plötzlich alles schwarz, und was ich zuerst für das Stampfen eines Dampfers hielt, war in Wirklichkeit das Dröhnen meines Blutes in meinen Ohren. Etwas Galliges stieg mit einem Mal in mir auf, daher drehte ich mich rasch um und hängte meinen Kopf über das Geländer.

"Commissioner!", schrie Connor und stürzte aus dem Wacht turm. Aber Theodore war schon mit einem Sprung bei mir.

"Beruhige dich, John", hörte ich ihn sagen, während er mich mit seiner drahtigen, aber erstaunlich kräftigen Boxerstatur stützte. "Tief durchatmen."

In diesem Augenblick hörte ich einen lang gezogenen Pfiff von Flynn, der offenbar noch immer auf den Toten starrte. "Da sieh mal einer an", sagte er ungerührt. "Giorgio alias Gloria, dich hat einer ganz schön fertiggemacht, was? Tja, du wirst keinen mehr einwickeln."

"Ach, Sie kennen dieses Kind, Flynn?", fragte Theodore, während er mich gegen die Mauer des Wachtturms lehnte. Das Karussell in meinem Kopf wurde allmählich langsamer.

"Allerdings, Commissioner." In dem trüben Licht schien es, als würde Flynn grinsen. "Kind kann man das hier allerdings nicht nennen, wenn es nach seinem Benehmen geht. Familienname Santorelli, Alter, na ja, sagen wir so um die dreizehn. Giorgio hieß es ursprünglich, aber als es anfing, in der Paresis Hall zu arbeiten, nannte es sich Gloria."

"Es?", fragte ich und wischte mir dabei mit der Manschette meines Rocks den kalten Schweiß von der Stirn. "Warum sagen Sie immer wieder 'es'?"

Flynns Grinsen wurde noch breiter. "Ja, wie würden Sie denn zu so was sagen, Mr. Moore? Ein Mann war es ja wohl nicht, so wie es sich aufführte - aber als Frau hat Gott es auch nicht erschaffen. Von dieser ganzen Brut spreche ich immer nur als 'es'."

Theodore stemmte seine zu Fäusten geballten Hände in die Hüften; ihm war klar geworden, was für ein Bursche dieser Flynn war. "An Ihrer philosophischen Analyse der Situation bin ich nicht interessiert, Sergeant. Der Junge hier war in jedem Fall ein Kind, und dieses Kind wurde ermordet."

Flynn gluckste und starrte wieder auf die Leiche. "Ist wohl kaum zu bestreiten, Sir."

"Sergeant!" Theodores Stimme, die im Gegensatz zu seinem freundlichen Aussehen immer etwas scharf wirkte, klang jetzt noch barscher, als er den nun strammstehenden Flynn anfuhr. "Kein Wort me

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen