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Die Engel warten nicht Kriminalroman von Versendaal, Dirk van (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.01.2014
  • Verlag: btb
eBook (ePUB)
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Die Engel warten nicht

Rasant und atmosphärisch - ein neuer, unverwechselbarer deutscher Krimi!

Hamburg. Auf die beiden Autodiebe Knut Giovanni Myrbäck und Jan Holzapfel wartet ein neuer Deal. Ein Audi Q7. Ein Highlight für die beiden. Doch dann brennt auf einem Kartoffelacker eine Leiche. Und in Jans verstaubter Hinterhofwerkstatt wird ein weiterer Toter gefunden. Den beiden bleibt nur die Flucht in den Norden. In Nynäshamn, einer Kleinstadt südlich Stockholms, stoßen sie auf die frustrierte Schulkrankenschwester Heidi Olofsson und ihre zu Hausarrest verurteilte Mitbewohnerin Sassie, deren Kindheit in der dänischen Hippiekommune Christianias ein grausames Geheimnis birgt. Und auf einmal geraten die Dinge aus dem Ruder. Ihre letzte Flucht führt das unglückselige Quartett auf eine Schäreninsel, ins Visier eines mächtigen Gegners.

Dirk van Versendaal, in Rotterdam geboren, in Hamburg aufgewachsen, Ausbildung zum Schneider und Schnitttechniker in Mailand, danach Journalistenschule Hamburg. Redakteur beim SZ-Magazin und später als freier Autor für SZ-Magazin, Zeit, Spiegel-Extra, NZZ und Vogue. Seit 2000 fester Freier beim Stern. Lebt mit Frau und Kindern abwechselnd in Hamburg und in der Nähe von Stockholm.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 512
    Erscheinungsdatum: 13.01.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641112578
    Verlag: btb
    Größe: 839kBytes
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Die Engel warten nicht

H interher ist es immer dasselbe. Myrbäck wunderte sich über den seligen Ernst, über die Konzentration, mit der er seiner Arbeit in entscheidenden Momenten nachzugehen vermochte. Im Grunde war er eine lächerliche Figur, die nächtens zwischen Autos entlangrobbte und Bleche aufbohrte. Die unter Angstattacken litt, unter einem teuflischen Jucken der Kopfhaut, einer psychogenen Begleiterscheinung der Nervosität. Jeder Beruf, tröstete er sich, hat seine eigenen Neurosen.

Er passierte das Großklinikum, wählte einen Schwenk vorbei an den Wohnblöcken von Osdorf, und mit jeder weiteren Kreuzung, die er auf seinem Weg in die Innenstadt hinter sich ließ, wurde er ruhiger. Das Jucken seiner Kopfhaut wich einem wärmenden Rieseln. Um den Geruch von Popcorn und fauliger Nässe aus dem Wagen zu lüften, öffnete er alle vier Fenster gleichzeitig. Auf der Rückbank flatterte das Sommerkleid im Fahrtwind.

Mit einer Hand tastete er nach dem Radio, fand aber anstelle der Stereoanlage nur einen Bildschirm. Sein Mittelfinger strich über die glasige Fläche hinweg, bis er eine Erhebung erfühlte und drückte. Der Monitor sprang an. Grüne und rote Striche flatterten sich zurecht, dann gaben sie die Straße, die vor ihm lag, in einem digitalen Negativ wieder. Zwei Fußgänger, die einen winzigen Hund an der Leine hinter sich herzerrten, glühten in Scharlachrot. Wer fährt mit einer Wärmebildkamera durch die Straßen?, fragte er sich. Sondermodell, Holzapfel hatte es ja gesagt.

In Regennächten sah die Straße, in der Jan lebte, noch finsterer aus. Sie duckte sich in den Schatten des Messeare als, einer tristen Gegend in jeder Hinsicht. Holzapfel aber war sturstolz auf seine bestenfalls fünfzig Quadrat, die er vor Jahren gefunden, sie mit Bett, Stühlen und Tisch sowie jeglicher Computerelektronik samt Kabelwirrwarr ausgestattet hatte; dabei war es im Großen und Ganzen geblieben. Besonderes Glück bereitete ihm, kein Mensch verstand warum, die Aussicht von seinem Schlafzimmerfenster: Blick auf Tor Zwei des Schlachthofs und die Reststoffsammelstelle des Fleischgroßmarktes Hamburg AG. An Wochenenden weckte einen der klirrende Betrieb an den Altglascontainern, in der Woche rangierten ab vier Uhr früh schwere Lieferwagen, um ihre stinkende Ladung unter dem Geschrei von Krähenschwärmen zu löschen.

Den gestohlenen Audi direkt vor Holzapfels Mietshaus abzustellen, wäre die passende Antwort auf sein Nichterscheinen an diesem Abend. Der fette Q7, ein bronzener Pfahl im Fleische der verarmten Nachbarschaft, Blickfang für jede kreuzende Polizeistreife. Myrbäck zögerte. Schließlich fuhr er in das neue Parkhaus, das an die fensterlosen Ziegelwände des Schlachthofs gestülpt worden war wie ein Joghurtbecher. Im untersten Kellergeschoss stellte er den Wagen ab. Sorgfältig breitete er zwei Schichten Grillfolie unter der Frontscheibe aus, bevor er Wagen und Parkhaus verließ. Sicher ist sicher, dachte er.

Im Freien duftete es nach Würstchen. War das ein Blendwerk seiner gespannten Nerven? Nein, es war die Nacht zum Dienstag, ihm fielen die Klagen Holzapfels ein. Da roch das ganze Viertel wie eine Feldküche voller Knackwürste, da wurden im Schlachthof die Wiener und Frankfurter gebrüht, die Jagdwürste gepökelt. Wer in diesen Nächten seine Fenster nicht schloss, schaffte den süßlichen Gestank am nächsten Tag kaum aus seiner Wohnung heraus.

Holzapfel reagierte nicht auf das Klingeln. Er war fort. Oder er schlief. Oder war tot, Myrbäck war es gleichgültig. Als er aus dem Hauseingang trat, schlug der Wind ihm einen Schauer ins Gesicht. Er öffnete blinzelnd die Augen und sah auf der anderen Stra&s

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