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Die Ewigkeit in einem Glas Roman von Kidd, Jess (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.11.2019
  • Verlag: DuMont Buchverlag
eBook (ePUB)
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Die Ewigkeit in einem Glas

"Man möchte sich verneigen vor Jess Kidd." Susanne Mayer, DIE ZEIT London 1863. Bridie Devine, Privatdetektivin und Expertin für kleinere chirurgische Eingriffe, erhält den Auftrag, die entführte Tochter des Adligen Sir Edmund zurückzubringen. Alles an dem Fall ist beängstigend seltsam: der nervöse Vater, die feindselige Dienerschaft, der windige Hausarzt. Allen voran aber die verschwundene Christabel, die kaum je einer gesehen hat. Doch zunächst ist die energische Bridie ganz in ihrem Element, denn sie liebt vertrackte Fälle. Zudem fühlt sie sich beschützt von ihrem neuen Begleiter, Ruby - der ist zwar tot, aber wen stört das schon. Als sich Bridie jedoch Zugang zu Christabels Räumen verschafft, begreift sie, was das Besondere an dem Mädchen ist und dass dieses in großer Gefahr schwebt. Und noch etwas ahnt sie: Ihr größter Widersacher aus der Vergangenheit, ein herzloser und grausamer Sammler menschlicher Kuriositäten, von dem Bridie gehofft hatte, dass er tot sei, ist wieder aufgetaucht, und er wird zu ihrem gefährlichsten Gegner bei der Suche nach Christabel. Außenseiter, Schurken und seltsame Wesen bevölkern den spannenden Roman von Jess Kidd, in dem sie ein lebendiges Bild der englischen Gesellschaft zwischen Aberglaube und Fortschritt zeichnet. "Ihre Sprache und ihr Gespür für Atmosphäre erinnern an einige der großen Autoren von Ghost Stories des 19. Jahrhunderts - würde sich Jess Kidd für dieses Genre entscheiden, würde sie alle in den Schatten stellen." John Boyne, Autor von Der Junge im gestreiften Pyjama Die Ewigkeit in einem Glas Der Sommer der schwarzen Schafe Die Ewigkeit in einem Glas The Rapture Der Freund der Toten Heilige und andere Tote Die Ewigkeit in einem Glas

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 01.11.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783832184704
    Verlag: DuMont Buchverlag
    Originaltitel: Things in Jars
    Größe: 3402 kBytes
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Die Ewigkeit in einem Glas

1

April 1976

Mahony schultert seinen Rucksack, steigt aus dem Bus und steht genau in der Mitte des Dorfes Mulderrig.

Heute ist Mulderrig nur ein freundliches Fleckchen Erde, entspannt und lässig in der Sonne ausgestreckt. Scheinbar harmlos.

Könnte Mahony sich an das Dorf erinnern, was er natürlich nicht kann, würde er feststellen, dass sich seit seinem Fortgang nicht viel verändert hat. Mulderrig verändert sich nicht, weder schnell noch langsam. Sechsundzwanzig Jahre machen da keinen Unterschied.

Mulderrig ist ein Dorf wie kein anderes. Hier sind die Farben ein kleines bisschen leuchtender, und der Himmel ist ein kleines bisschen weiter. Hier sind die Bäume so alt wie die Berge, und ein klarer Fluss fließt ins Meer. Seine Einwohner bleiben von Geburt an hier, bis sie sterben. Sie wollen nicht weg. Wieso sollten sie auch, wo doch alle Straßen, die nach Mulderrig führen, bergab gehen, sodass das Fortgehen anstrengend und mühsam wäre?

Um diese Tageszeit sind die wenigen Geschäfte verrammelt und verriegelt, die Ladenschilder pendeln in einem munteren Feierabend-Rhythmus, und die Reklamen über den von der Sonne erwärmten Schaufenstern leuchten auf und verblassen. Auf der ganzen Hauptstraße, von Adairs Apotheke bis zu Farrs Bekleidungsgeschäft, von der Rechtsanwaltskanzlei Gibbons & McGrath bis zum Gemischtwarenladen mit Postschalter rührt sich nichts.

Zwei Alte sitzen an der bemalten Wasserpumpe mitten auf dem Dorfplatz. Heute ist kein Wort aus ihnen herauszubekommen: Das Wetter hat ihnen die Sprache verschlagen, denn es hat seit Tagen und Tagen und Tagen nicht geregnet. Es ist der heißeste April seit Menschengedenken. So heiß, dass den Krähen beim Fliegen die Zunge raushängt.

Der Busfahrer nickt Mahony zu. "Es ist, als würde das Dorf hundert Sommer gleichzeitig erleben, und dabei schüttet es gerade mal eine Meile von hier an der Küste wie aus Kübeln, und es pfeift ein Wind, von dem einem der Hintern abfriert. Wenn Sie mich fragen", sagt der Fahrer, "verheißt das einen Riesenhaufen Ärger."

Mahony sieht dem Bus hinterher, der in einer brütend heißen Sandwolke vom Dorfplatz rollt. Er fährt ohne Passagiere zurück über die schmale Steinbrücke, die einen apathischen Fluss überspannt. Bei diesem Wetter wird alles, was sich bewegt, mit einer feinen Membran aus Staub überzogen. Aber im Moment bewegt sich bloß eine Schar Kinder, die verspätet nach Hause rennen und deren helle Rufe ihnen nachhallen. Die Mammys sind drinnen und machen Abendessen, und die Daddys sind drinnen und können es nicht erwarten, auf ein Bier in den Pub zu gehen. Somit ist Tadhg Kerrigan die erste lebende Seele im Dorf, die Mahonys Rückkehr mitbekommt.

Tadhg macht gerade die Tür zu Kerrigan's Bar auf, nachdem er ein schweres Fass ausgetauscht und eine Kellerratte mit messerscharfer Zunge bedroht hat. Er hält sein rotes Gesicht hoch, um ein wenig Sonne zu tanken, und kratzt sich derweil konzentriert am Hintern. In Gedanken ist er bei der Witwe Farelly, ihrem neuen Bungalow, ihren wunderbar weißen Gardinen und ihrem verlockend fülligen Busen.

Tadhg beäugt Mahony, der über den Dorfplatz auf den Pub zusteuert. So, wie der aussieht, denkt Tadhg, ist er entweder ein Dichter oder ein Großmaul, mit den langen Haaren und der Lederjacke und diesem Gang, als könnte ihm keiner was.

"Alles klar?"

"Bestens", sagt Mahony, stellt seinen Rucksack ab und lächelt durch seine Haare hindurch, die ungewaschen aussehen und ihm ein ganzes Stück über die Ohren gewachsen sind.

Tadhg befindet, dass der Bursche ganz sicher ein Großmaul ist.

Ob die Toten von Mulderrig derselben Meinung sind oder nicht, ist schwer zu sagen, aber sie werfen erste vorsichtige Blicke aus Schlafzimmerfenstern oder schweben zaghaft aus kleinen Gassen hervor, verharren jäh und gaffen.

In einem Leben wie dem von Mahony sind die Toten nämlich stets ganz in der Nähe. Die Tote

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