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Die Frau, die verschwand Kriminalroman von Teige, Trude (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.01.2019
  • Verlag: Aufbau Verlag
eBook (ePUB)
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Die Frau, die verschwand

Mörderische Geheimnisse. Die Journalistin Kajsa hat sich auf eine Insel bei Oslo zurückgezogen, als ein Mann sie aufsucht, um sie auf das Schicksal einer verschwundenen Frau hinzuweisen. Wenig später wird dieser Mann tot aus dem Meer gefischt. Offenbar hat ihn jemand betäubt und ins Wasser geworfen. Kajsas Interesse erwacht. Der Fall, dem sie nachgehen soll, liegt Jahre zurück. Damals ist Julia, eine junge Frau, verschwunden - und nun ist ihre Mutter, eine Psychiaterin, auf die Insel zurückgekehrt... Ein Bestseller aus Norwegen - ein packender Roman um verschollene Bilder, eine mysteriöse Klinik und eine junge Frau, die ein Geheimnis hütet. Trude Teige, Jahrgang 1960, ist eine bekannte Journalistin und gehört zu den erfolgreichsten Kriminalautorinnen Norwegens. Bei atb sind bisher zwei Romane mit Kajsa Coren erscheinen "Totensommer" und "Das Mädchen, das schwieg".

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 268
    Erscheinungsdatum: 18.01.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841216007
    Verlag: Aufbau Verlag
    Originaltitel: Pasienten
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Die Frau, die verschwand

2
Losvika, 14. März 2016

Kajsa Coren ließ beim Kinderwagen die Bremsen einrasten. Dann hob sie sich den dreieinhalb Jahre alten Sohn Jonas auf die Hüfte, warf sich die Tasche über die Schulter und betrat das Hotel von Losvika.

Warum um alles in der Welt hatte sie sich zu diesem Treffen mit einem Fremden bereiterklärt, der nicht verraten wollte, worüber er mit ihr zu sprechen wünschte, überlegte sie, als sie Jonas auf den Fahrstuhlknopf drücken ließ.

Sie klopfte an die Tür von Nummer 210 und öffnete sie, als eine Stimme "Herein" sagte. Neugier, dachte sie, und: Man kann nie wissen. Es war schon häufiger vorgekommen, dass jemand sich an sie gewandt hatte, ohne gleich einen Grund zu nennen. Einige Male hatte das durchaus zu interessanten Reportagen geführt.

Der Mann stand vor einem der großen Fenster und schaute hinaus auf den Fjord. "Es ist schön hier draußen am Meer", sagte er, ohne sich umzudrehen.

Er sprach das Wort "schön" auf eine Weise aus, die für sie schwedisch klang, weit hinten im Mund, mit sehr viel Atem.

"Ja, das stimmt allerdings", sagte sie und blieb abwartend bei der Tür stehen.

Erst jetzt drehte er sich halbwegs um, schaute sie über seine Schulter hinweg an.

"Sie kommen ursprünglich von hier, nicht wahr?", fragte er in einem Gemisch aus Norwegisch und Schwedisch.

"Ich bin hier geboren, aber wir sind nach Ostnorwegen umgezogen, als ich zehn war. Vor zwei Jahren bin ich mit Mann und Kindern zurückgekehrt."

Er winkte sie zu sich, reichte ihr die Hand. "Göran Nordin, freut mich. Und wer ist der kleine Knabe?", fragte er mit Blick zu Jonas, der verlegen sein Gesicht an Kajsas Brust schmiegte.

"Wild und schön", sagte der Mann dann und wandte sich wieder der Aussicht zu. "Vor allem bei Wind."

Erst jetzt sah sie, dass sein halbes Gesicht entstellt war. Seine gesamte Stirn, Teile der Nase und die eine Wange waren von rötlichem Narbengewebe bedeckt. Das linke Augenlid hing herab und ließ ihn wehmütig aussehen. Es war schwierig, sein Alter zu schätzen, vielleicht Anfang dreißig. Er war groß, an die eins neunzig. Er hatte sich die Haare abrasiert, bis auf ein knotiges Feld an der Seite, das eine Fortsetzung des Narbengewebes im Gesicht war. Sein Ohr war deformiert, fast aller Knorpel war verschwunden. Das Kinn war von einem dichten, gepflegten Bart bedeckt, und er trug eine moderne Brille mit dünner, schwarzer Fassung.

Das Losvika Hotel war aus Glas und Schiefer gebaut und passte sich der Landschaft an der Küste von Sunnmøre hervorragend an. Es hatte heftige Auseinandersetzungen um diesen Bau gegeben, viele hatten das Hotel für einen hässlichen Eingriff in die schöne Natur gehalten. Aber die Proteste waren immer leiser geworden, je weiter die Bauarbeiten fortschritten.

Kajsa schaute auf das Gartenrestaurant des Hotels hinab, das gleich unter dem Fenster lag. Es war Mitte März. Hier draußen am Meer kam der Frühling frühzeitig, aber in diesem Jahr war er bisher kühl und feucht gewesen, deshalb waren draußen noch keine Möbel aufgestellt worden. Mit Ausnahme einer an einem Steg vertäuten Schmack gab es im Gästehafen des Hotels keine Boote. Die Aussicht war großartig. Der weite Fjord verengte sich in nördlicher Richtung zwischen zwei Inseln. In der Ferne, im Osten, ragten die zackigen Gipfel der Sunnmørsalpen in den Himmel. Ein leichter Dunst trieb langsam über der Wasseroberfläche.

"Boot", sagte Jonas und zeigte darauf.

Ein kleines Fischerboot umrundete die Landspitze gleich unterhalb des Hotels, dicht gefolgt von einer Schar Möwen. An Deck stand ein Mann in orangem Ölzeug und nahm Fische aus. Er warf den Abfall ins Meer, zur Begeisterung der Möwen. "Glauben Sie, er ist glücklich?", fragte Göran Nordin und zeigte auf den Mann im Boot.

Kajsa schaute verstohlen zu ihm hinüber, überrascht über diese Frage. "Wer weiß?"

"Ja, wer weiß

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