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Die Gefallenen Thriller von Liney, Peter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.05.2015
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Die Gefallenen

Der ehemalige Gauner Clancey ist auf einer Gefängnis-Insel inhaftiert: die Endstation für alle alten Menschen, die angeblich keinen Beitrag mehr zur Gesellschaft leisten können. Es gelingt ihm, einen Aufstand anzuzetteln und aufs Festland zu fliehen. Doch die Lebensumstände haben sich sehr verändert. Extreme Grausamkeit und Gewalt, wohin er auch blickt. Wie es scheint, hat Clanceys Kampf gegen das System gerade erst begonnen ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 431
    Erscheinungsdatum: 15.05.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732506620
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: Into the Fire
    Größe: 1481 kBytes
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Die Gefallenen

KAPITEL 1

Ich habe es schon einmal gesagt, und ich sage es wieder: Nicht die Gitterstäbe zerbrechen einen, sondern der Anblick des Himmels zwischen ihnen. Wenn man denkt, man hätte sein spezielles Gefängnis endlich hinter sich gelassen, und dann feststellt, dass man sich in Wirklichkeit an einem noch schlimmeren Ort als zuvor befindet.

Als wir von der Insel flüchteten und Lena und ich schaukelnd auf dieser kaum schwimmfähigen Holztür zum Festland hinübertrieben - mit Jimmy, Delilah und den Kids ein Stück vor uns, wo sie sich in jener riesigen, bunt zusammengewürfelten Flotte aus entflohenen Häftlingen und Treibgut verloren -, ich schwöre, da war ich so glücklich wie nie zuvor in meinem Leben. Und warum auch nicht? Nach all den Jahren, die ich auf dem Müllberg festgesessen hatte, war ich endlich frei. An meiner Seite hatte ich die Frau, auf die ich mein Leben lang gewartet hatte und die mich, auch wenn Sie mir das wahrscheinlich nicht glauben werden, genauso sehr liebte wie ich sie, und wir konnten hingehen, wo immer wir wollten. Uns umgab eine Welle aus Freude und Optimismus, als Tausende Inselhäftlinge die etwa zwei Kilometer zum Festland hinüberpaddelten, -segelten oder einfach -schwammen.

Immer und immer wieder hallten trotzige Schreie zum nächtlichen Sternenhimmel empor und über das Wasser, um die Menschen in der Stadt wissen zu lassen, dass wir uns auf dem Weg zurück befanden. Gelegentlich wurde sogar gesungen und gelacht. Verdammt, wenn wir nicht im Wasser gewesen wären, hätten wir vielleicht eine Polonaise gebildet und wären hinübergetanzt. Alte Menschen und Kids, fernab von jenem schrecklichen Ort, von dem Gestank, der allgegenwärtigen Gewalt und den Müllfürsten, unterwegs auf der Suche nach einem besseren Leben. Nur währte es nicht lange, sondern endete fast schon, bevor es richtig begonnen hatte.

Ich musste immer wieder an diese Redewendung denken: "Aus dem Regen in die Traufe". Allerdings wurde das der Situation nicht ganz gerecht. Noch bevor wir ans Ufer gelangten, wusste ich, dass irgendetwas ganz und gar nicht stimmte.

Die Sache ist die: Ich flüchtete eigentliche nicht, ich kehrte vielmehr nach Hause zurück. In die Stadt, in der ich über fünfzig Jahre lang gelebt hatte, die Stadt, zu der ich von der Insel aus fast täglich sehnsüchtige Blicke geworfen hatte, auch wenn ich es niemals zugegeben hätte. Aber je näher wir ihr kamen, desto weniger vertraut erschien sie mir. Und mein Unbehagen legte sich nicht gerade durch den Umstand, dass ich sehen konnte, wie mehrere der Satelliten, die Jimmy so programmiert hatte, dass sie sich gegenseitig zerstörten, Brände in der Stadt ausgelöst hatten. Die Flammen schienen nicht bloß zu züngeln , sie schienen vielmehr auszubrechen wie Lava aus einem Vulkan.

Lena schwamm mir gegenüber auf der anderen Seite der Tür. Ihr Haar hing in nassen Strähnen an ihrem Kopf herab. Sie lauschte einen Augenblick. In ihren nussbraunen Augen spiegelte sich der unnatürliche Schimmer der Stadt. "Was ist los?", fragte sie.

"Die Satelliten", antwortete ich und achtete auf einen möglichst unbeschwerten Tonfall, "haben ein paar Brände ausgelöst."

Ein fragendes Stirnrunzeln trat in ihre Züge. "Klingt laut."

Ich stemmte mich hoch und beugte mich zu ihr hinüber. Als ich sie ermutigend umarmte, tauchte die Tür durch mein Gewicht kurzzeitig unter Wasser. Lena gab ihr Bestes, doch mir war klar, was für eine Herausforderung das Ganze für sie sein musste. Immerhin verließ sie einen Ort, der ihr so vertraut gewesen war, dass sie dort beinah so gut "sehen" konnte wie jemand, der sein Augenlicht noch besaß. Und nun hielt sie auf neue Gefilde zu, wo sie keinen einzigen Schritt kannte. Ich meine, ich habe nichts zu ihr gesagt, natürlich nicht, aber falls sie nicht zurechtkommt, dann pfeif auf ein neues Leben, pfeif auf die Freiheit, pfeif auf alles. Dann gehe ich mit ihr zurück und lebe mit ihr auf dieser

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