text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Die graue Macht (Krimi-Klassiker) Ein fesselnder Detektivroman von Schirokauer, Alfred (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.03.2015
  • Verlag: e-artnow
eBook (ePUB)
0,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Die graue Macht (Krimi-Klassiker)

Dieses eBook: 'Die graue Macht (Krimi-Klassiker)' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Alfred Schirokauer (1880 - 1934) war ein deutscher Schriftsteller, Drehbuchautor und Filmregisseur. Er verfasste Romanbiografien über Ferdinand Lassalle, Lord Byron, Napoleon und Lucretia Borgia sowie historische und Gegenwartsromane. Seit 1912 schrieb Schirokauer auch häufig Drehbücher. Aus dem Buch: 'Assessor Hoff kam die Wilhelmstraße herauf und bog in die 'Linden' ein. Jung, stolz und hochgewachsen ging er dahin. In seinem Gesicht strahlte ein verwegenes Siegeslächeln. Wirklich, ja, er war stolz beglückt und zukunftssicher. Er hatte zwar immer dunkel geahnt, er würde seinen Weg machen. Aber daß der Erfolg so bald kam! Daß man ihn beim ersten zaudernden Schritt anerkannte! Das war fast wie ein Reifen aller bunten Blütenträume. Als der erste Band seiner 'Geschichte des deutschen Strafrechts' vor einigen Wochen erschien, war er von der wissenschaftlichen Kritik und einigen Tagesblättern sehr lobend begrüßt worden. Das hatte seine Reize und Werte für einen jungen Autor. Aber was bedeutete das dem heutigen Erfolg gegenüber! Heute, ja - das war eine staatliche Prämiierung, obrigkeitliche Patentierung seines Könnens und seiner Auserwähltheit.'

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 186
    Erscheinungsdatum: 15.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788026832959
    Verlag: e-artnow
    Größe: 678 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Die graue Macht (Krimi-Klassiker)

3.

Inhaltsverzeichnis

Freudebeschwingt sprang Hoff die Treppen hinauf. Ganz leise öffnete er die Wohnungstür und schlüpfte in sein Zimmer. Es galt unbemerkt den Frack mit dem Wochentagsanzug zu vertauschen, sonst merkten sie gleich etwas. Sie waren so hellsichtig, seine drei Frauen. Und bei Tisch wollte er dann ganz unauffällig damit anfangen, daß man immer von verkannten Genies rede, die trotz alles Könnens nicht durchdrängen. Und dann würde Herta eifrig in die Debatte springen und Lisbeth würde wohl auch einige durchdachte Worte einwerfen und die Mutter würde mit ihren ernsten, braunen, klugen Augen der Diskussion folgen. Und wenn dann als ganz unwiderlegbare Wahrheit festgestellt war, daß die Mitwelt immer töricht ist und alle großen Geister erst nach ihrem Tode oder frühestens zu ihrem siebzigsten Geburtstag "entdeckt" werden - Herta würde mit Beispielen sofort bei der Hand sein - dann wollte er mit seinem Erfolg herausrücken und sich weiden an dem stolzen Staunen und der beglückten Begeisterung.

Als Hoff ins Eßzimmer trat (es war zugleich Wohnzimmer, Arbeitsraum und Salon), trug Lisbeth gerade die Suppe auf. Die Mutter und Herta legten die Arbeit nieder und setzten sich zu Tisch.

Nur die Hälfte der schwarzen Eichentafel war gedeckt. Denn der Tisch war für die vier Personen viel zu groß. Überhaupt drückten die engen Wände ein wenig auf die wuchtigen stolzen Möbel, die einst ganz anderen Maßen bestimmt gewesen. Aber seligst in diesen kleinen Zimmern wahrten sie ihre schöne Würde. Man hatte nur verkauft, was auch die liebevollste Raumkunst nicht unterzubringen vermochte. Die prächtigsten Stücke aber zeigten wie einst in der Landgrafenstraße ihre edlen Formen und taten ihr Bestes, den Schein einer kleinen, gut bürgerlichen Behaglichkeit vorzutäuschen. Die dunklen, glänzenden Eichenflächen, die strahlenden venezianischen Spiegelaugen blickten pflichtbewußt wohlhabend drein. Es gehörte zum Lebensplan der Hoffs, ihren früheren Verkehr aufrechtzuerhalten. Denn Frau Hoff vergaß nicht einen Augenblick, daß ihre Ziele Verbindungen heischten. Und deshalb scheute sie kein Opfer, ihr Heim zu erhellen und zu erwärmen - für die Gäste. Jetzt freilich hätten die herumliegenden Leinenhaufen und Stickereifetzen allerhand zweifelnden Argwohn erweckt und genährt.

Nun schritt Hoff zur Enthüllung.

"Ich las da heute", begann er arglistig, "daß sie jetzt Almquist für den größten schwedischen Dichter halten. Zu seinen Lebzeiten haben ihn sehr wenige anerkannt. In Not und Elend haben sie ihn leben und sterben lassen."

Lisbeth hob die kluge bleiche Stirn: "Almquist?" sann sie. "Ich glaube, ich las einmal von ihm das 'Buch der Dornenrose'. Ein ganz seltsames" - Hier unterbrach lebhaft Herta.

"Du, Ewald, daß du heute nachmittags nicht fortgehst. Elfriede Damerow kommt zum Kaffee. Ich meine nur, da du gerade von in Not und Elend leben und sterben sprichst."

Es war, als zöge eine dunkle Wolke über den freundlichen Familienhimmel. Aus Hoffs Augen wich aller schelmische Glanz.

"Ich habe euch doch gesagt", begann er und seine Stimme klang belegt, "daß Elfriede Damerow nicht in Betracht kommen kann. Ich denke nicht daran, mich an diesen Petrefakten fortzuwerfen."

"Petrefakt?" rief Herta hastig. "Wieso Petrefakt? Was ist denn überhaupt: Petrefakt?! Sie ist ein sehr schönes Mädchen und gar nicht petrefakt."

"Es gibt auch schöne Petrefakten", sagte Hoff etwas ruhiger. "Ich mag aber keine versteinerte Frau. Was soll ich damit? Elfriede Damerow ist hart - steinhart. Sie hat nicht für fünf Pfennig Gemüt."

"Du kennst sie ja kaum", wehrte sich Herta. "Nicht drei Worte hast du mit ihr gesprochen."

"Ich kenne sie gerade genug, um ihr jede Spur von Gefühl abzusprechen. Sie protzt geradezu mit ihrer Seelenroheit. Neulich, wie sie das von ihrer Mutter erzählte! Na -! Also kurz und gut - die Sache ist für mich erledigt."

Da

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen