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Die Henkerstochter und der Fluch der Pest Historischer Roman von Pötzsch, Oliver (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.04.2020
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Die Henkerstochter und der Fluch der Pest

»Damals Kräuter- und Schnabelmasken, heute Mundschutz ... Man könnte dem Autor angesichts dieses Romans durchaus seismographische Fähigkeiten bescheinigen.« Süddeutsche Zeitung
Der achte Band der erfolgreichen Henkerstochter-Serie von Bestseller-Autor Oliver Pötzsch

Sommer 1679. Die Pest, die bereits in Wien wütet, breitet sich in Bayern aus. Der Schongauer Scharfrichter Jakob Kuisl wird von einem Pestkranken aufgesucht, der kurz darauf zusammenbricht. Bevor er stirbt, flüstert er Jakob Kuisl noch ein paar rätselhafte Worte ins Ohr: Kuisl muss Kaufbeuren retten, ein schwarzer Reiter spielt dort mit seiner Pfeife zum Tanz auf, der Mörder hat zwei Gesichter. Gemeinsam mit seiner Tochter Magdalena geht Jakob Kuisl den geheimnisvollen Andeutungen nach. Ein gefährliches Unterfangen, denn inzwischen gibt es immer mehr Tote in Kaufbeuren. Doch was steckt dahinter - die Seuche oder ein raffinierter Mörder?


Oliver Pötzsch, Jahrgang 1970, arbeitete nach dem Studium zunächst als Journalist und Filmautor beim Bayerischen Rundfunk. Heute lebt er als Autor mit seiner Familie in München. Seine historischen Romane haben ihn weit über die Grenzen Deutschlands bekannt gemacht: Die Bände der 'Henkerstochter'-Serie sind internationale Bestseller und wurden in mehr als 20 Sprachen übersetzt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 736
    Erscheinungsdatum: 30.04.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843722360
    Verlag: Ullstein
    Größe: 3322 kBytes
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Die Henkerstochter und der Fluch der Pest

Kapitel 1

München, den 2. August, Anno Domini 1679

Dieser französische Burgunder mundet ganz ausgezeichnet. Es ist mir ein Rätsel, wie wir all die Jahre diesen sauren Fusel aus dem Rheinland trinken konnten. A votre santé!«

Der Münchner Bürgermeister Wilhelm Ligsalz hob sein Glas, dann nahm er einen tiefen Schluck und gab ein schmatzendes Geräusch von sich. »Wirklich köstlich!«

Ligsalz wischte sich über den Spitzbart und machte sich wieder über die Hirschkeule her, die vor ihm auf einem silbernen Teller in brauner Biersoße schwamm. Sein Hemd mit Spitzenkragen und Manschetten wies bereits etliche Flecken auf. Es war der dritte Gang des Abends. Zuvor hatte es schon Karpfen auf fränkische Art gegeben und danach knusprig gebratene Gans mit Klößen, eine Spezialität der dicken Köchin, die eben einen weiteren Krug Wein hereinbrachte. Magdalena war spätestens nach der fetten Gans übel gewesen. Seitdem stocherte sie auf ihrem Teller herum und schob das Fleisch von der einen auf die andere Seite.

Schweigend nippte sie an ihrem Glas, während sie aus dem Augenwinkel die illustre Tischgesellschaft beobachtete. Zu ihrer Linken saß Hans Schobinger, einer der reichsten Brauer der Stadt, neben ihm seine dürre Gattin, deren Mundwinkel stets herabhingen wie bei einer Beerdigung. Rechts, neben Magdalenas Mann Simon Fronwieser, hatte der städtische Kämmerer nebst Gattin Platz genommen, ihnen gegenüber der Münchner Bürgermeister und schließlich ihr Gastgeber, Doktor Malachias Geiger. Im Gegensatz zu seinen aufgetakelten Gästen trug der Doktor lediglich ein schlichtes schwarzes Wams und einen ebenso schwarzen Rock. Freundschaftlich prostete er Magdalena zu.

»Die Kinder sind alle wohlauf, Frau Fronwieser?«

»Danke, ich kann nicht klagen«, entgegnete Magdalena und zwang sich zu einem Lächeln. »Glücklicherweise haben wir ja meine jüngere Schwester Barbara, die sich in unserer Abwesenheit um die kleine Sophia kümmert.«

»Familie ist ein wertvolles Gut, Frau Fronwieser«, erwiderte Malachias Geiger ernst. »Vielleicht das wertvollste, das wir haben. Gerade in diesen unruhigen Zeiten.«

Magdalena nickte und bemühte sich, ihr Unwohlsein zu überspielen. Sie hasste diese Abendessen, zu denen sie und Simon gelegentlich von Doktor Geiger eingeladen wurden. Es wurde über Themen geredet, die sie nicht interessierten, und alles wirkte so steif und aufgesetzt wie ein einstudiertes Schauspiel. Vor allem aber spürte Magdalena die Missgunst ihrer Tischnachbarn. Obwohl sie nun schon etliche Jahre in München lebten, wurden Simon und sie von der sogenannten feinen Gesellschaft noch stets geschnitten. Es war nett gemeint von Doktor Geiger, dass er sie trotz allem immer wieder zu sich lud. Doch auch der Doktor müsste eigentlich merken, wie die anderen Gäste mit dem aus dem fernen Schongau zugezogenen Paar umgingen.

»Habt Ihr schon einmal Fruchteis versucht?«, wandte sich Mathilde Schobinger eben an Magdalena. Sie zog kurz die Lippen hoch, während sie ihre Tischnachbarin spöttisch musterte. »Ich vermute nicht. Es ist sehr teuer. Was man so hört, wird es am französischen Hof täglich serviert, der König liebt es, besonders mit Erdbeeren! Das Eis stammt aus den Alpen, und sie verwenden Rohrzucker aus Westindien. Eine wahre Delikatesse!«

»Ich denke, man muss nicht jede französische Mode mitmachen, auch wenn sie noch so en vogue ist. Wenn ich Eis lutschen möchte, breche ich mir im Winter einen Eiszapfen ab, das ist billiger«, gab Magdalena kalt lächelnd zurück. Sie sprach den französischen Ausdruck besonders gekünstelt aus, und der Brauersgattin entgleisten für einen Moment die Gesichtszüge.

»Äh, haha, meine Frau macht gerne einen Witz, nicht wahr?« Simon Fronwieser drückte unter dem Tisch Magdalenas Knie. »Unser Sohn Peter hat uns erst vor ein paar Wochen ein wenig Eiskonfekt vom Hofe mitgebracht. Köstlich!«

»Das Eis ist wohl beim Kronprinzen v

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