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Die Katze riecht die Lunte Ein Fall für Mrs. Murphy von Mae Brown, Rita (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.04.2018
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Die Katze riecht die Lunte

Stadtfest in Crozet im schönen Monat Mai: Bei der alljährlichen "Schlacht" in Gedenken an den Bürgerkrieg gibt es dieses Jahr ein sehr reales Opfer zu beklagen. Millionär Sir H. Vane-Tempest wird von drei Kugeln durchbohrt. Einige Tage später ereilt Bauunternehmer Tommy Van Allen ein ähnliches Schicksal. Was hat die beiden Männer verbunden? Privatdetektivin Mary Minor "Harry" Haristeen und ihre tierischen Spürnasen – allen voran Katze Mrs. Murphy – gehen der Sache auf den Grund. Alle Fälle der Mrs.-Murphy-Erfolgsserie gibt es jetzt als E-Books bei Ullstein! Rita Mae Brown, geboren in Hanover, Pennsylvania, wuchs in Florida auf. Sie studierte in New York Filmwissenschaft und Anglistik und war in der Frauenbewegung aktiv. Berühmt wurde sie mit dem Titel Rubinroter Dschungel und durch ihre Romane mit der Tigerkatze Sneaky Pie Brown als Co-Autorin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 06.04.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843715881
    Verlag: Ullstein
    Größe: 9364 kBytes
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Die Katze riecht die Lunte

Kapitel 2

Die schrägen Strahlen der Nachmittagssonne ergossen sich über die Weiden von Harrys Farm. Die weit offene Tür zum Heuboden rahmte die schlafende Mrs. Murphy ein. Die Katze hatte sich auf den Rücken plumpsen lassen, ihr creme-beiger Bauch sog die Sonnenwärme ein. Ihr Schwanz wiegte sich sachte von einer Seite zur anderen, als würde er in einer Flut von Sonnenlicht treiben.

Simon, das Opossum, schlief zu einer grauen Kugel zusammengerollt am Eingang seines aus alten Heuballen errichteten Nests. Eine abgetragene Kinnkette glitzerte im Innern seiner Höhle. Simon schleppte gern glänzende Gegenstände ab, aber auch Bänder, Handschuhe, sogar alte Zeitungsfetzen.

Tucker schlief unten im Mittelgang des Stalls. Bei jedem Ausatmen flog eine Traube winzig kleiner Insekten auf und ließ sich dann wieder auf ihren Schultern nieder.

Der Mai, neben dem farbenfrohen Oktober gewöhnlich der schönste Monat in Mittelvirginia, blieb dieses Jahr bemerkenswert kühl; die Temperatur hielt sich bei zehn, fünfzehn Grad. Vor einer Woche, in den letzten Apriltagen, war ein Schneesturm von den Blue Ridge Mountains herabgefegt; er hatte die schwellenden Knospen zugedeckt und die Narzissen und Tulpen erfrieren lassen. Das alles war vergessen, als die Judasbäume blühten und der Hartriegel saftig weiß oder rosa auszuschlagen begann. Das Gras wurde grün.

An diesem Nachmittag konnten die Tiere die Augen nicht offen halten. Zuweilen brachte ein abrupter Jahreszeitenwechsel sämtliche Lebewesen vollkommen aus dem Tritt. Sogar Harry, sonst vor Tatendrang kaum zu bremsen, döste in der Sattelkammer. Sie war besten Willens, das Sattelzeug zu reinigen, ein eintöniges Unterfangen, das dem Jahreszeitenwechsel vorbehalten war. Harry hatte viel vor an diesem Morgen, aber sie war eingeschlafen, bevor sie noch das Zaumzeug auseinander genommen hatte.

Die Farm, die ihre verstorbenen Eltern ihr vermacht hatten, betrieb Harry allein - sofern es als "allein" durchging, wenn man geschieden war und den Exmann häufig um sich hatte. Die Farmarbeit, heutzutage durch behördliche Vorschriften erschwert, warf genug Geld ab, um die Steuern abzudecken. Für Essen und Kleidung war Harry auf ihre Anstellung im Postamt von Crozet angewiesen.

Harry, eine Frau in den Dreißigern, war sich ihrer Reize nicht bewusst. Ihr einziges Zugeständnis an weibliche Eitelkeit war ein ordentlicher Haarschnitt. Sie lebte in Jeans, T-Shirts und Cowboystiefeln. Ihre Cowboystiefel trug sie sogar zur Arbeit. Da das Postamt von Crozet klein und abgelegen war, brauchte sie kein Karriere-Outfit.

Harry maß Erfolg am Lachen, nicht am Geld. Sie war ungemein erfolgreich. Wenn sie nicht mit anderen Menschen lachte, dann lachte sie mit der allzeit geistreichen Mrs. Murphy, mit Tucker oder mit Pewter, der Katze, die zum Essen kam.

Pewter, die sich auf Harrys Schoß zusammengerollt hatte, träumte von Crème brûlée. Andere Katzen träumten von Mäusen, Maulwürfen, Vögeln, der gelegentlichen Spinne. Pewter beschwor Bilder von Filet Wellington, Kartoffelbrei, frischem Brot mit Butter und ihrer absoluten Lieblingsspeise, Crème brûlée. Sie hatte die Kruste gern dünn und knusprig.

Ein leises Surren in der Ferne veranlasste Mrs. Murphy, ihr Ohr in diese Richtung zu schnippen. Das wunderliche Geräusch kam näher. Sie schlug ein Auge auf und ließ den Blick über die lange Lehmstraße schweifen, die mit Wasserpfützen vom nächtlichen Regen gesprenkelt war. Sie streckte sich, stand aber nicht auf.

Das kehlige Dröhnen klang nach einer großen Katze, die ihr Territorium absteckt. Murphy hörte deutlich das Knirschen von Reifen auf grobem Kies. Neugierig hob sie den Kopf, richtete sich dann auf, streckte sich von vorne nach hinten und blinzelte im Sonnenlicht.

Auch Pewter hob den Kopf.

Tucker verharrte im Tiefschlaf.

Mrs. Murphy kniff die Augen zusammen und erblickte einen glänzenden schwarzen Wagen, der die ferne Kurve nahm.

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