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Die letzte Rast Ein Fall für Roger Chapman von Sedley, Kate (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.12.2013
  • Verlag: Edel Elements
eBook (ePUB)
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Die letzte Rast

Der Auftakt zu einer spannenden Reihe historischer Kriminalromane aus der Zeit der Rosenkriege! Kate Sedley entwirft ein farbenprächtiges Bild des mittelalterlichen England, erzählt von rauschenden Festen, opulenten Banketten, prunkvollen Maskenspielen am Fürstenhof, aber auch vom Leben in verwinkelten Gassen und finsteren Kaschemmen der Unterwelt. Roger Chapman, ehemals Dominikanermönch, jetzt Straßenhändler, ermittelt in seinem ersten Fall. England 1471, in den Wirren der Rosenkriege: Der junge Klosterschüler Roger soll Mönch werden, doch für das Leben hinter Klostermauern ist er zu abenteuerlustig. Er verlässt seinen Orden und schlägt sich fortan als Straßenhändler durch. Unterwegs lernt er einen reichen Ratsherrn kennen, dessen Sohn auf mysteriöse Weise verschwunden ist. Seine Spur führt in ein dubioses Gasthaus ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 18.12.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783955301781
    Verlag: Edel Elements
    Größe: 3264 kBytes
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Die letzte Rast

ERSTER TEIL

Mai 1471

Bristol


1

H eute, im Jahr des Herrn 1522, bin ich ein alter Mann. Ich habe fünf Könige herrschen sehen – sechs, wenn man den jungen Eduard hinzurechnet. Meiner eigenen Schätzung nach bin ich jetzt siebzig Jahre alt, habe also das Alter erreicht, das den Menschen, wie uns die Bibel lehrt, auf Erden gegeben ist, und wenn meine Stunde kommt, werde ich nicht traurig sein. Die Dinge sind heute nicht mehr das, was sie einmal waren, sage ich stets zu meinen Kindern und Enkelkindern. Und genau das hat auch meine Mutter schon immer zu mir gesagt.

"Es ist eben alles nicht mehr so wie früher, als ich noch ein junges Mädchen war", schimpfte sie dann, wirbelte mit ihrem Besen den Staub und die alten Binsen auf und schob sie so schwungvoll über die Schwelle, als wollte sie alles neuartige Benehmen und Denken gleich mit zur Tür hinauskehren.

An unser kleines Haus in Wells erinnere ich mich noch so deutlich, als wäre ich gestern erst dort gewesen. An meinen Vater dagegen blieben mir nur verschwommene Erinnerungen. Aber das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn er starb, als ich knapp vier Jahre alt war. Er war Steinmetz von Beruf und, wie meine Mutter stets betonte, überall hoch angesehen – so hoch jedenfalls, daß der Bischof, als mein Vater während der Bauarbeiten an der Decke der Kathedrale vom Baugerüst fiel und kurz darauf an den Folgen des Sturzes starb, meiner Mutter aus dem eigenen Säckel eine kleine Rente aussetzte. Ich glaube, deshalb kam sie auf die Idee, daß ich lesen und schreiben lernen sollte. Und aus diesem Grund gab sie mich schließlich auch als Novize zu den Benediktinern in Glastonbury.

Die arme Frau konnte einfach nicht verstehen, daß ich für das Klosterleben nicht geschaffen war. Ich hielt mich am liebsten im Freien auf. Ich war gern mein eigener Herr. Und ich hatte nicht das geringste Gespür für Musik. Mein unmelodischer Gesang trieb die anderen Novizen bei den täglichen Gottesdiensten schier zur Verzweiflung und war nur einer der Gründe dafür, warum sie am Ende ganz froh waren, mich wieder loszuwerden. Meine gute Gesundheit, die ich mir bis in allerjüngste Zeit bewahren konnte, war ein weiterer Grund. Die anderen Mönche und Novizen gingen, besonders im Winter, auf der Krankenstation ein und aus. Ich aber kann mich nicht erinnern, während meiner gesamten Zeit in Glastonbury ein einziges Mal auf der Krankenstation gewesen zu sein. Ich hatte auch immer sehr gute Zähne, litt nie unter Zahnschmerzen oder anderen Beschwerden. Ein paar Zähne habe natürlich auch ich inzwischen einbüßen müssen, und die anderen bereiten mir manchmal Schwierigkeiten, besonders wenn der Wind aus Osten kommt – aber was kann man mit siebzig Jahren anderes erwarten?

Der wahre Grund dafür, warum ich Glastonbury nach dem Tod meiner Mutter wieder verließ, lag jedoch tiefer als der Groll, den die anderen Mönche gegen mich hegten. Er betraf eigentlich nur mich und Gott. Der Abt, ein weiser und großmütiger Mann, hatte Verständnis für mich. Nicht, daß ich die Existenz einer anderen Welt, eines Jenseits, jemals bezweifelt hätte. Ich hatte einfach das Gefühl, nie ganz sicher sein zu können, ob das Christentum auch wirklich auf alle Fragen eine Antwort hatte. Manchmal, vor allem in den Abendstunden, wenn ich durch die alten Wälder mit ihren großen Eichen und Birken schritt, spürte ich etwas von der Macht, welche die alten Baumgötter über das Denken unserer angelsächsischen Vorfahren ausgeübt hatten. Die knorrigen, verkrümmten Äste, die sich mir in der Dunkelheit entgegen reckten, riefen die Erinnerungen ganzer

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