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Die letzte Terroristin Thriller von Georgi, André (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.08.2018
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
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Die letzte Terroristin

Eine Frau in den Fängen des Terrorismus, unterwegs in einer waghalsigen Mission. Ihr Zielobjekt: einer der meistgehassten Männer der wiedervereinigten Republik. Ihr Gegenspieler: ein unter Druck geratener BKA-Ermittler. In die Enge getrieben steht sie plötzlich vor einer Entscheidung, die nicht nur ihr eigenes Leben verändern wird ... Berlin, 1991: Treuhandchef Hans-Georg Dahlmann muss die Staatsbetriebe der untergegangenen DDR in die Privatwirtschaft überführen und ist der meistgefährdete Mann nach der Wende: Verhasst im Osten, im Konflikt mit westdeutschen und internationalen Unternehmen, potenzielles Zielobjekt der RAF. BKA-Mann Andreas Kawert ist der jüngsten Generation der Terrorgruppe auf der Spur. Hinweise verdichten sich, dass ein Attentat auf Dahlmann bevorsteht. Eine Frau rückt in den Fokus des Ermittlers. Doch ist er wirklich hinter der Richtigen her? Und wird er es schaffen, das Attentat zu verhindern? André Georgi, geboren 1965 in Kopenhagen, ist in Berlin aufgewachsen. Er studierte Philosophie und Germanistik und lebt als Drehbuchautor und Dramaturg in Bielefeld. Von ihm stammen zwanzig Drehbücher zu Fernsehkrimis - darunter für den Tatort , für Bella Block und die Verfilmungen von Kurzgeschichten von Ferdinand von Schirach und Siegfried Lenz.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 13.08.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518757437
    Verlag: Suhrkamp
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Die letzte Terroristin

Staubflusen auf dem Boden, die Vorhänge vergilbt, das Licht ein Halbschatten, rot besprenkelt von den Marktschreiereien der Bordelle dort draußen. Gereon steht auf, wieder, zum dritten Mal in den letzten fünfzehn Minuten. Unruhig tigert er durch die Wohnung, keine Stunde am Stück hat er geschlafen, insgesamt vielleicht fünf, mehr war nicht drin.

Dabei war er gestern Abend schon um neun hier angekommen, überreizt und übermüdet. Er hatte sich auf die Isomatte in der Ecke gelegt, den Schlafsack ausgepackt, über sich gezogen und - endlich in Sicherheit - versucht zu schlafen. Aber die ganze Nacht hindurch war er überdreht gewesen, manisch umhergetrieben wie schon die ganzen Tage, eigentlich die ganze Woche vorher. Ins Bad, Wasser trinken, zurück, hinlegen, sich der Angst überlassen, ist schon okay so, ist schließlich auch eine harte Nummer, die du hier durchziehst. Dann doch gegen die Angst kämpfen, jetzt reiß dich zusammen! Dann kurz in den Schlaf getrieben, aufgeschreckt, nur darauf warten, dass es endlich Morgen würde und er diesen Anruf hinter sich bringen könnte. Er würde Kawert Bescheid sagen, ihm eine Adresse für ein Treffen geben, die Pizzeria in Darmstadt. Kawert würde jemanden schicken und ihn hier rausholen, keine Ahnung wie, aber Kawert hatte ihm versprochen, dass es den Exit geben würde, wenn er ihn brauchte. Und Gereon braucht ihn jetzt. Sieben Jahre V- Mann und jetzt - endlich - kann er liefern, was Kawert will: Die RAF plant ein Attentat. Gereon kennt: den Ort (Königstein bei Frankfurt), die Zeit (heute, im Laufe des bevorstehenden Morgens), das Opfer (Dr. Ernst Wegner).

Das ist seine Eintrittskarte in ein neues Leben. Gereons Zukunft wird heute beginnen, und sie soll - muss! - besser sein als die letzten vierunddreißig Jahre.

Gereon geht zum Fenster und zieht die nikotinvergilbten Vorhänge auseinander. Vorsichtig. Nicht allzu weit, damit er von draußen nicht gesehen werden kann. Eine Straße in der Frankfurter Innenstadt, weit hinten protzt Mainhattan mit den Emblemen der Banken. Davor, am Ende der Straße, steht die Telefonzelle. Gereon weiß nicht, warum Kawert die Wohnung nicht mit Telefon ausgestattet hat. Ein Riesenfehler. Wahrscheinlich hatte er befürchtet, dass man die Anrufe zurückverfolgen könnte, oder weiß der Geier. Not funny. Jetzt muss Gereon da raus, zur Telefonzelle, sein erster und letzter Gang heute, dann zurück in die Wohnung, diesen Saustall, und warten, warten, warten. Wenn Kawert schnell ist, denkt Gereon, bin ich heute Mittag hier weg, spätestens am Nachmittag. Nicht eine Nacht mehr werde ich hier pennen, kannste vergessen.

Gereon schaut auf die Uhr. 7 Uhr 25.

Er wirft noch einen Blick auf die Fassade gegenüber. Die Fenster sind zum größten Teil noch dunkel, ein Bürohochhaus. Unten, im Erdgeschoss: Döner, Pommes, Burger. Daneben grölt jetzt schon die Werbung für den kleinen Mittagsfick zum Nachtisch: Fünfundzwanzig DeutschMark für PolnischSchlampe, Alter, vergiss den Gummi, hier ist gefühlsecht.

Gereon zieht den Vorhang zu. Geht zu seiner Tasche, nervös und hibbelig, schnappt sich seine Pistole, steckt sie sich hinten in den Hosenbund. Checkt die Kohle in der Tasche - drei Groschen für den Anruf, alles da. Er will zur Wohnungstür gehen, aber er ist so fickrig und zappelig, dass sogar ihm - Mr. Maniac himself - klar ist, dass er sofort auffallen wird. Es sind nur dreihundert Meter zu dieser scheiß Telefonzelle, aber ich werde das nicht fertigbringen, wenn ich nicht ruhiger bin. Wann habe ich etwas gegessen? Ich muss was essen. Irgendwas.

Der Kühlschrank ist ausgeschaltet. Auf dem Tisch steht die Raviolidose, die er gestern Abend geöffnet hat. Drei Löffel kalte Ravioli, das hat gereicht. Gereon, der Mann mit der Junkie-Figur, braucht nichts. Aber jetzt essen. Gereon schnappt sich den Löffel und schaufelt den Rest in sich hinein. Ein Glas Wasser. Wieder an Kawert denken. Kawert. Kawert. Kawert. Die drei Grosche

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