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Die Nacht zuvor Thriller von Walker, Wendy (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.09.2020
  • Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
eBook (ePUB)
12,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Die Nacht zuvor

Ist sie Opfer - oder Täterin? Rosie und Laura sind so verschieden, wie zwei Schwestern nur sein können. Doch sie haben sich ihr Leben lang aufeinander verlassen können. Als Laura nach einem Blind Date spurlos verschwindet, setzt Rosie alles daran, sie zu finden. Irgendetwas muss bei diesem Date furchtbar schiefgegangen sein. Ist Laura in Gefahr - oder auf der Flucht, weil sie selbst etwas Schreckliches getan hat? Denn Laura stand schon einmal unter Verdacht, einen Mord begangen zu haben. Damals fand man keine Beweise gegen sie. Aber die Zweifel blieben. Auch bei Rosie.

Wendy Walker ist Anwältin mit Schwerpunkt Familienrecht. Sie lebt in Connecticut und hat bereits mehrere Bestseller veröffentlicht.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 336
    Erscheinungsdatum: 18.09.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783423436816
    Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
    Originaltitel: The Night Before
    Größe: 2197 kBytes
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Die Nacht zuvor

2

Laura. Heute. Donnerstag, 19:00 Uhr.
Branston, Connecticut.

Lippenstift, kirschrot.

Ich wähle die Farbe, weil sie fröhlich ist und leuchtet. Optimismus in einem kleinen Röhrchen. Genau das brauche ich heute Abend.

Das Gästebad im Haus meiner Schwester ist unglaublich klein, mit Deckenschräge und einem winzigen, ovalen Spiegel. Der Lippenstift balanciert am Rand des Waschbeckens.

Ich trage ihn als Erstes auf, damit ich es mir nicht mehr anders überlegen kann, rolle den Optimismus quer über meine Lippen. Dann der Concealer. Zwei Streifen unter meine braunen Augen, schon verschwinden die dunklen Schatten wochenlanger Schlaflosigkeit. Roséfarbenes Rouge verleiht meinen Wangen Farbe. Sie haben viel zu lange keine Sonne gesehen.

Schlaflose schlafen tagsüber.

Meine Schwester Rosie hat mir ein hübsches Kleid geliehen. Schwarz mit winzigen Blümchen.

Trag doch zur Abwechslung mal ein Kleid. Dann fühlst du dich hübsch.

Rosie ist gerade dreißig geworden. Sie hat einen Ehemann und ein Kleinkind - Joe und Mason. Sie wohnen in einem Haus in den Hügeln von Branston, zehn Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Und eineinhalb Kilometer von dem Ort, an dem alles angefangen hat. Der Straße, in der wir aufgewachsen sind. Deer Hill Lane.

Rosie sagt, sie hätte ohnehin keine Gelegenheit, das Kleid zu tragen. Der Rock sei im Weg, wenn sie Mason nachjage, und abends reiche es höchstens für ein Bier im Einkaufszentrum, für alles andere sei sie zu müde. Es klingt, als vermisste sie die Zeit, in der sie nichts Besseres zu tun hatte, als sich zu schminken und schön anzuziehen. Dabei braucht sie weder das Kleid noch die Gelegenheit, es zu tragen, denn ihre Tage sind voller ungestümer Umarmungen und lautem Gelächter und klebriger Küsse.

Ihrem Mann Joe ist es ohnehin egal. Er vergöttert sie. Auch nach dreizehn Jahren Ehe. Auch nachdem sie in derselben Straße aufgewachsen sind. Auch mit Mason in ihrem Bett und einem alten Haus, an dem ständig etwas kaputtgeht, und obwohl Rosie nie ein Kleid trägt.

Er vergöttert sie, weil sie früher ständig hübsche Kleider für ihn getragen hat und er noch immer diesen Menschen in ihr sieht.

So ein Mensch muss ich heute Abend sein.

Ich wühle in einem Haufen Handtücher und Kleidungsstücken nach meinem Handy. Dann rufe ich in der App das Profil auf und wecke die Hoffnung. Jonathan Fields. Sein Name klingt wie ein Lied.

Jonathan Fields. Ich habe ihn auf einer Dating-Website namens findlove.com entdeckt. Dieser Name sagt alles. Jonathan Fields ist vierzig. Seine Frau hat ihn vor einem Jahr verlassen, weil sie nicht schwanger werden konnte. Das Haus hat sie behalten. Er fährt einen schwarzen BMW.

Das hat er mir erzählt.

Ich habe mit Jonathan Fields telefoniert. Er sagte, er möge weder E-Mails noch SMS, die seien zu unpersönlich. Eigentlich hasse er Online-Dating, aber ein Freund habe seine Verlobte über findlove.com gefunden. Es sei kein Portal für schnelle Affären. Nicht eben mal schnell über den Touchscreen wischen. Man brauche eine Stunde, um sein Profil zu erstellen. Die Fotos würden geprüft und genehmigt. Jonathan Fields sagte, es sei, als würde die eigene Großmutter ein Blind Date organisieren, worüber ich lachen musste.

Jonathan Fields sagte, mein Lachen gefalle ihm.

Mir gefiel seine Stimme, und nun, da ich mich an sie erinnere, wird mir ganz warm. Ich merke, wie sich meine Mundwinkel nach oben kräuseln. Ein Lächeln.

Ein verdammtes Lächeln.

Ich habe viel von meinem Job erzählt, was es leichter machte, wenig über mich zu verraten.

Ich habe einen eindrucksvollen Lebenslauf vorzuweisen, nachdem ich mir mein Leben lang ein Bein ausgerissen habe. Princeton ... MBA an der Columbia ... Job an der Wall Street!

»Wall Street« is

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