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Die Republik Roman von Voland, Maxim (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.10.2020
  • Verlag: Piper Verlag
eBook (ePUB)
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Die Republik

Was wäre, wenn ... Maxim Voland schreibt die deutsche Nachkriegsgeschichte neu! Europa, 1949: Die neu gegründete DDR umfasst nach einem unglaublichen Coup das gesamte deutsche Staatsgebiet, mit Ausnahme des westlichen Teils von Berlin. Gegenwart: Die DDR ist führende europäische Macht - ein hochmoderner Überwachungsstaat mit einem glücklichen Volk. So scheint es. Während internationale Agentenorganisationen im autonomen West-Berlin ihre Pläne schmieden, wird die DDR von einem furchtbaren Vorfall erschüttert: Über den Platz der Akademie zieht eine Giftgaswolke und fordert zahlreiche Tote. Ein Unfall? Ein Anschlag? Welche Macht steckt dahinter? Ein desillusionierter Stasi-Oberst, der französische Dolmetscher Christopher und die junge DDR-Bürgerin Alicia geraten in eine Verschwörung gigantischen Ausmaßes, die das Ende Europas bedeuten könnte ...

Maxim Voland ist ein deutscher Autor und Historiker. In seinem Spannungsdebüt 'Deutschland einig Vaterland' entwickelt er ein 'Was wäre wenn ...'-Szenario, wie es spannender nicht sein könnte. Voland plant bereits weitere Romane.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 528
    Erscheinungsdatum: 26.10.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492997959
    Verlag: Piper Verlag
    Größe: 6308 kBytes
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Die Republik

1
Berlin, Hauptstadt der DDR

»Einmal der halbe Goldbroiler mit Bratkartoffeln für Sie, Herr Oberst.« Schwungvoll setzte die junge Kellnerin im schwarzen Kleid mit weißer Schürze den Teller ab, der appetitliche Duft breitete sich sofort am Tisch aus. »Und einmal Kesselgulasch mit Thüringer, Herr Kandwitz.« Nicht ein Spritzer der schweren dunkelbraunen Soße ging bei der Landung des Tellers auf dem weißen Leinentuch daneben. »Rotkohl bring ick gleich nach, wa? Lassen Se sich's schmecken.« So schnell, wie sie gekommen war, verschwand die Rothaarige wieder.

Roland Kandwitz, ein Mittdreißiger im neusten hellblauen Designeranzug der Nobelmarke Exquisit, nahm das Besteck und sah dabei zu seinem Patenonkel. »Haste gehört?« Er grinste. »Sie hat mich erkannt.«

»Nadja? Liest bestimmt deine Spaßkolumne 'Mit sozialistischem Gruß'.« Gustav freute sich auf den Broiler. Nirgends war die Haut knuspriger als im Telecafé. Dank seiner Touren von Interhotel zu Interhotel hatte er in den letzten Jahren sämtliche Broilerstuben der Stadt sowie der halben Republik testen können.

»Aber wieso kennt sie deinen Rang?« Roland deutete mit der Gabel andeutungsweise zum Restaurantleiter, der wachend am Eingang stand; man munkelte, dass er für das Ministerium für Staatssicherheit arbeitete. »Wegen der Firma Memfis?«

»Nein. Ich bin öfter hier.« Auf Gustavs Glatze saß ein schmaler Trilby-Hut, der die von Natur aus leicht gebräunte Haut schützte. Sein schlichter schokoladenfarbener Anzug zu weißem Hemd und Schlips saß ein wenig eng. Zu viele Goldbroiler. »Und wir kamen mal ins Gespräch. Sie ist eigentlich zu schlau für so einen Job. Die will mehr. Zum Theater.«

Behutsam schob sich der frisch sanierte Palast der Republik am Marx-Engels-Platz in Gustavs Sichtfeld. Das drehbare Restaurant des Fernsehturms kreiste in ewiger Rotation in etwas mehr als zweihundert Meter Höhe und gewährte einen Ausblick auf die verschiedenen Stadtteile Berlins mit ihren jeweils charakteristischen Bauten.

»Ins Gespräch. Mit Nadja. Soso, Genosse Oberst«, merkte Roland an und blies eine hellbraune Strähne aus seinem stoppeligen Gesicht.

»Nix soso. Viel zu jung. Sie könnte meine Tochter sein.« Gustav mochte den Ausblick von Sankt Walter, wie der Turm wegen des kreuzförmigen Schattenwurfs an seiner Oberfläche genannt wurde. Die Architekten hatten bei der Auswahl und Form der blechernen Außenverkleidung damals nicht bedacht, welchen Streich ihnen die Sonne spielen konnte. Bei direkter Beleuchtung entstand ein großes, weithin sichtbares Kreuz an der Fassade. »Die Rache des Papstes«, nannte es der Volksmund.

Die Sanierungsbrigaden hatten den Dreck von allen berühmten Gebäuden geschrubbt, sie renoviert und ihnen neuen Glanz verliehen. Ob Erichs Lampenladen, Palasthotel, das Stadion der Weltjugend, das Lindencorso an der Friedrichstraße mit seinem bekannten Café Espresso oder das wunderschöne Ahornblatt nahe der Fischerinsel.

»Ich habe mich gefragt, warum ein Memfis-Oberst sich mit einem Journalisten von Neues Deutschland trifft. So was wie eine konspirative Zusammenkunft der stärksten meinungsbeeinflussenden Staatsorgane?« Rolands Lächeln verblasste, als eine heitere Reaktion ausblieb. »Scheiße! Ist es was Ernstes?«

»Könnte sein.«

»Krebs?«

Gustav lächelte schwach. »Nein. Danke, dass du dich sorgst.«

»Na ja. Bei dem ganzen Strahlenkram, den die Stasi früher einsetzte«, murmelte Roland und aß erleichtert weiter. »Wo drückt denn der Schuh? Auch wenn ich mich wundere.«

»Worüber?«

»Also, du bist bei der Stasi. Ließe sich das nicht ... intern regeln?«

Gustav wollte die Bombe noch nicht zünden. »Fangen wir doch mit was Schönerem an: Was gibt's Neues in den Redaktionen?«

»Fragst du mich in deiner Funktion als Stasi-Oberst?« Roland blinzelte überzogen. Natürlich wusste der Journalist,

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