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Die Ruine am See Ein Emma-Graham-Roman 3 von Grimes, Martha (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.02.2016
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
8,99 €
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Die Ruine am See

Eine geheimnisvolle Hotelruine, ein verschwundenes Baby und eine junge Ermittlerin.
Die zwölfjährige Emma ist in ihrem Heimatort La Porte am Spirit Lake eine kleine Berühmtheit. Sie hat zwei Kriminalfälle aufgedeckt und verfolgt bereits eine neue heiße Spur. Vor vielen Jahren verschwand während einer Ballnacht im Luxushotel 'Belle Rouen', das mittlerweile verfallen ist, das Baby eines amerikanischen Ehepaares spurlos. Doch es wurde kein Lösegeld gefordert und der Fall nie polizeilich weiterverfolgt. Sehr merkwürdig, findet Hobbydetektivin Emma, und begibt sich mit Feuereifer auf die Spur des verschollenen Kindes ...

Martha Grimes zählt zu den erfolgreichsten Krimiautorinnen unserer Zeit. Lange Zeit unterrichtete sie kreatives Schreiben an der Johns-Hopkins-University. Durch ihre Serien um Inspektor Richard Jury und die 12-jährige Ermittlerin Emma Graham wurde sie weltbekannt. Die "Mystery Writers of America" kürten sie 2012 für ihr Lebenswerk zum "Grand Master", und ihre Inspektor-Jury-Reihe wurde nun auch fürs deutsche Fernsehen entdeckt und erfolgreich verfilmt. Martha Grimes lebt heute abwechselnd in Washington, D.C., und in Santa Fe, New Mexico.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 416
    Erscheinungsdatum: 02.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641188399
    Verlag: Goldmann
    Originaltitel: Belle Ruin
    Größe: 791kBytes
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Die Ruine am See

1

"Nicht kann sie Ruhm hinwelken, täglich Sehn an ihr nicht stumpfen/Die immerneue Reizung."

Dwayne zitierte Shakespeare oder jedenfalls behauptete er, es sei von Shakespeare. Eigentlich müsse es "Alter" heißen und nicht "Ruhm", meinte er. Das habe er aber geändert, weil das besser auf mich passte. "Alter" (sagte er) könnte ja wohl keine Bedrohung darstellen für ein Mädchen, das zwölf Jahre alt ist ("und das schon lange", hätte er nicht extra hinzufügen müssen, fand ich). Meine jüngste Heldentat hat in Spirit Lake tatsächlich mächtig Aufsehen erregt. So etwas ist hier, nun ja, noch nie passiert. Dwayne sagte, Shakespeare würde in den Zeilen Kleopatra beschreiben, die zu ihrer Zeit ebenfalls berühmt war, fast genauso berühmt wie ich. Das erzählte er mir, während er unter Bobby Stucks altem Studebaker lag. Dwayne ist nämlich Meistermechaniker.

Ich saß auf einem Stapel neuer Reifen in Abel Slaws Autowerkstatt. Eigentlich durfte ich gar nicht hier drin sein bei den ganzen Autos und Werkzeugen und Hebekränen. Also wartete ich immer ab, bis Abel Slaw sich ins Büro verdrückte, und schlich mich dann in die Werkstatt. Ich hab noch nie jemanden gesehen, der so viel an der Strippe hängt wie der.

Dwayne schob sich auf so einem flachen Ding mit Rollen dran unter dem Studebaker hervor und guckte unter die Kühlerhaube. Das Dumme ist, dass ich Dwayne in der Werkstatt nie richtig ins Gesicht schauen kann. Wenn er unter dem Auto ist, sehe ich gar nichts von ihm, und wenn er sich unter die Kühlerhaube beugt, sehe ich ihn nur von der Seite. Ich kann also nicht erkennen, ob er sich insgeheim schieflacht über mich. Er witzelt immer ganz schön herum, und ich weiß deshalb nie so recht, woran ich bin, wenn ich sein Gesicht nicht sehe.

Ich weiß, es hört sich so an, als wäre ich schon ewig zwölf Jahre alt. Das liegt aber bloß daran, dass in den letzten paar Wochen eine Menge passiert ist und ich so viele Details in meine Geschichte reinpacken muss, zum Beispiel, dass Dwayne "Meister"-Mechaniker ist. Ein Detail, das ich wahrscheinlich doch wieder beiseitelassen werde, was ich ihm auch gesagt habe.

"Na, so ein Glück."

So viel von Dwayne, mit dem Kopf unter der Kühlerhaube des Studebaker.

Ich will die Ereignisse mal kurz zusammenfassen, nicht die ganze Geschichte (die Sie ja schon kennen sollten, wenn Sie richtig aufgepasst haben), sondern bloß das Ende, wo ich zu Ruhm und Ehren komme. (Aus den Zeitungsartikeln über mich habe ich mir ein paar schlaue Ausdrücke zugelegt.) Mein Ruhm ist das, was "im Nachhinein" geschah. Das Verbrechen und sein Nachspiel. Das Verbrechen war wirklich Wahnsinn, mit Blut und Schießerei und allem. Doch manchmal glaube ich fast, das, was danach kam, ist sogar noch wichtiger als das Verbrechen selbst.

Bei dem Nachspiel saßen die Reporter vor dem Hotel Paradise auf der Veranda, wippten in den dunkelgrünen Schaukelstühlen, tranken Kaffee oder Martinis (je nachdem, wer die Gastgeberin war, meine Mutter oder Lola Davidow), als wären sie zahlende Hotelgäste, und stellten mir Fragen über das, was im Bootshaus am Spirit Lake geschehen war, und ob ich keine Angst gehabt hätte und so weiter.

Damit will ich sagen: Die Reporter waren meinetwegen da. Für meine Mutter und Mrs. Davidow und deren un -berühmte Tochter Ree-Jane - ganz besonders für Ree-Jane - war das schwer zu glauben. Es war schwer zu glauben, weil ich in meinen ganzen zwölf Jahren nie großartig Aufmerksamkeit geerntet hatte. Dass all diese Zeitungsgeschichten von mir handelten, na, das war einfach zu viel. Meine Mutter freute sich, dass ich berühmt war, Lola Davidow freute sich über einen Anlass, eine Flasche Gordon's Gin aufzumachen, und Ree-Jane freute sich ganz und gar nicht.

Da saßen wir also auf der Veranda, die Reporter, meine Mutter, Mrs. Davidow, Ree-Jane und ich. Mein Bruder Will war nicht dabei. Der ist prinz

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