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Die Schneeleiche von Lübbenau und zwölf weitere authentische Kriminalfälle aus der DDR von Swat, Wolfgang (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.10.2016
  • Verlag: Bild und Heimat
eBook (ePUB)
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Die Schneeleiche von Lübbenau

Auf einer leicht abschüssigen Straße gerät ein voll besetzter Trabant in den Straßengraben und prallt gegen eine kleine Birke. Sekunden später geht er in Flammen auf. Drei Menschen sterben. War es nur ein tragischer Unfall? In Eberswalde-Finow werden aus Kindergärten und Wohnhäusern immer wieder leere Kinderwagen gestohlen. Die meisten werden später zerstört im Finow-Kanal gefunden. Die Lage eskaliert, als eines Tages ein Baby samt Kinderwagen entführt wird. In der Spreewaldstadt Lübbenau wird Rosenmontag gefeiert. Am nächsten Tag finden Kinder eine nackte Frauenleiche. Spuren im Schnee verraten, dass die Tote einem schweren Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Wolfgang Swat hat erneut Kriminalfälle aus der DDR gesammelt und die alten Verbrechen auf gewohnt versierte Weise von allen Seiten beleuchtet: spannend und auch nach vielen Jahren noch aufwühlend. Wolfgang Swat, geboren 1948 in Hoyerswerda, war Journalist bei der Lausitzer Rundschau und berichtete auch über Mordfälle in der Gegend. Bereits sein erstes Buch Der Tote in der Wäschetruhe (2010) war sehr erfolgreich, es folgten Mord ohne Mörder (2012), Die gepfählte Frau (2013) und zuletzt Die Tote an der Wendeschleife (2014).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 07.10.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783959587259
    Verlag: Bild und Heimat
    Größe: 1039 kBytes
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Die Schneeleiche von Lübbenau

Der Frauenschwarm

Es ist Freitag, der 1. Juni 1990. Der Tag verspricht für Brandenburg an der Havel herrliches vorsommerliches Wetter. Die Sonne scheint schon morgens, ihre Strahlen wärmen und locken hinaus ins Freie. Am Himmel ist kaum ein Wölkchen, hinter dem sie sich verstecken könnte. Jürgen Kort hat zwar wenig geschlafen, doch im Bett hält es ihn trotzdem nicht mehr. Der Kopf brummt, denn in der Disco letzte Nacht haben er und seine Freunde doch einige Büchsen Bier "ausgetrocknet". Die Pyramide, die aus den geleerten Büchsen auf dem Kneipentisch entstanden war, hatte jedenfalls eine ansehnliche Höhe.

Kort, der in diesem Monat seinen dreiundzwanzigsten Geburtstag feiern wird, treibt es zum "Kopfauslüften" aus Bett und Haus. Er ist mit einem T-Shirt und einer blauen Jeanshose bekleidet, deren Hosenbeine er eigenhändig abgeschnitten hatte. Das Aufstehen musste sein, trotz des "Katers". Er will unter Leute, muss gesehen werden.

Der junge Mann nimmt Kurs auf das Marienbad, trifft dort Kumpel Steven. Der Kaffee, den sie trinken, soll die Geister in den Köpfen vertreiben. Bei Steven wirkt er allerdings nicht belebend. Ihn zieht es wieder nach Hause. Allein gelassen, hat Kort keinen "Bock" mehr auf das Bad. An der Regattastrecke auf dem Beetzsee kennt er lauschige Plätzchen, auf denen man abhängen und den Gedanken freien Lauf lassen kann. Auf dem Weg dorthin kauft er sich eine Schachtel Zigaretten, eine Flasche Bier und ein Päckchen Rasierklingen. An der Regattastrecke in Höhe der Tausend-Meter-Marke ist eine der kleinen Badebuchten. Baden ist hier zwar verboten, doch wen stört das schon. Jetzt, um die Mittagszeit herum ist nur vereinzelt mal ein Boot zu sehen. Später wird das anders sein. Die Regattastrecke hat unter Wassersportlern einen guten Ruf. Zahlreiche nationale Meister, Weltmeister und Olympiasieger der DDR haben sich auf dem Beetzsee Kraft, Ausdauer und Geschicklichkeit für ihre sportlichen Erfolge erarbeitet. Zwar wurde schon seit den 1880er Jahren in Brandenburg an der Havel gerudert, doch der legendäre Ruf verbreitete sich erst ab 1967 in der Wassersportwelt, als der Bau einer modernen Rennstrecke am Westufer des Sees beschlossen wurde.

Kort sucht sich ein Plätzchen, zieht Jeans und T-Shirt aus und legt sich, mit einer bunten Badehose bekleidet, in die Sonne. Die Arme sind hinter dem Kopf verschränkt. Auf der Insel gegenüber bemerkt er durch die halbgeschlossenen Augen ein paar Sonnen- und Badegäste. Der junge Mann döst vor sich hin, doch Ruhe findet er nicht. Er raucht hin und wieder eine Zigarette der Marke "Marlboro". Die gibt es jetzt in der DDR, und die schmecken natürlich viel besser als die Tabakstrünke von "F6" oder "Juwel". Alle möglichen Gedanken beschäftigen ihn. In letzter Zeit, das muss er sich eingestehen, ist eine Menge schiefgegangen. Das hat auch mit der Wende in der DDR zu tun. Seit ein paar Wochen ist er arbeitslos. Sein Chef in der Veranstaltungsagentur hat ihn rausgeschmissen. Angeblich, weil er nachts in den Räumen der Agentur, wo er als Ordner und wegen seines handwerklichen Geschicks - als gelernter Instandhaltungsmechaniker - angestellt war, eine Frau geschlagen und vergewaltigt haben soll. Kollegen hatten ihn morgens schlafend im Flur angetroffen und in unmittelbarer Nähe einen Blutfleck, einen Rock und zwei Kettchen bemerkt. Es war in der Nacht hoch hergegangen in der Disco, und das letzte Bier war bestimmt schlecht, dass ihm übel geworden war. Mit dem Mädchen, da ist er sich sicher, war aber nichts Ernstes, und das hatte er auch beteuert. Jedenfalls konnte er sich an nichts erinnern. Das Ermittlungsverfahren wurde ja auch eingestellt. Trotzdem wurde er gefeuert.

Dabei war die Agentur sein Ein und Alles gewesen. Schließlich hatte er lange im Jugendklub, mit dem sich der Chef nach der Wende selbständig gemacht hatte, mitgearbeitet, Tage und Nächte dort verbracht. Das sollte nun nichts mehr zählen?

Na gut, da war noch die Sache mi

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