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Die Schweigende Der neue große Roman der Bestsellerautorin von Sandberg, Ellen (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.10.2020
  • Verlag: Penguin Verlag
eBook (ePUB)
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Die Schweigende

Manche Erinnerungen hinterlassen tiefe Narben auf der Seele ...
München, 2019. Im Garten der Familie Remy verdorren langsam die Rosenbüsche, die zur Geburt der drei Töchter gepflanzt wurden. Imke, Angelika und Anne sind längst erwachsen und gehen ihrer Wege - bis zu dem Tag, an dem ihr Vater beigesetzt wird. Denn auf dem Sterbebett nimmt er Imke ein Versprechen ab, das schnell eine zerstörerische Kraft entfaltet - und das sie alles hinterfragen lässt, was sie über ihre Mutter zu wissen glaubt.

1956. Im Nachkriegsdeutschland wächst eine neue Generation heran. Die lebenslustige Karin spart für ihre erste Jeans, träumt von Elvis Presley und davon, später Ärztin zu werden. Sie ahnt nicht, dass die Schatten der Vergangenheit lang und mächtig sind - und welch verheerenden Folgen eine spontane Entscheidung haben wird. Nicht nur für sie.

Nach dem großen Erfolg von »Das Erbe« der neue Roman der Bestsellerautorin Ellen Sandberg.


Ellen Sandberg ist eine erfolgreiche Münchner Autorin. Ihre groß angelegten Spannungs- und Familienromane stehen regelmäßig in den Top Ten der SPIEGEL-Bestsellerliste. Sie arbeitete zunächst in der Werbebranche, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Mit ihren Romanen »Die Vergessenen«, »Der Verrat« und »Das Erbe« bewegte und begeisterte sie ihre Leserinnen und Leser. Unter ihrem bürgerlichen Namen Inge Löhnig veröffentlicht sie eine erfolgreiche Krimireihe.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 544
    Erscheinungsdatum: 26.10.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641246099
    Verlag: Penguin Verlag
    Serie: Penguin Taschenbuch 10485
    Größe: 2421 kBytes
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Die Schweigende

Imke

Die Biene gab nicht auf. Wieder und wieder flog sie gegen die Scheibe des Wohnzimmerfensters, krabbelte ein Stück nach oben und startete einen neuen Versuch, sobald sie den Rahmen erreichte. Eine Weile beobachtete Imke das kleine Drama, dann ging sie in die Küche, nahm ein Glas vom Regal und eine Postkarte ihrer Schwester Geli vom Kühlschrank. Damit kehrte sie ins Wohnzimmer zurück, stülpte das Glas über die Biene und schob die Karte darunter. Das Surren wurde tiefer und hektisch. Mit der Rettungskapsel auf der Hand trat Imke auf die Terrasse und ließ die Biene frei.

Die Luft war nach dem Regenguss der vergangenen Nacht frisch und klar, doch der Himmel noch grau verhangen. Es war einer dieser Tage, die sich seit Papas Tod häuften. Tage, an denen sie schon am Morgen wusste, dass sie alle Kraft von ihr fordern und sie sich am Abend ein Glas Chardonnay einschenken würde, um runterzukommen. Genau wie ihre Mutter es seit über fünfzig Jahren tat. Dabei hatte sie nie wie Mama werden wollen, die ihr bestenfalls ein negatives Vorbild gewesen war. Was sie in ihrem Leben anders machen würde, hatte Imke bereits mit fünfzehn gewusst. Bis auf ein paar Kleinigkeiten hatte sie das gut hinbekommen. Das Glas Wein beispielsweise, nach einem anstrengenden Tag. Wobei sie nur gelegentlich Chardonnay trank, im Gegensatz zu Mama, die sich täglich ihr Glas Luganer gönnte. Schlimmer war die Mauer, die Imke immer wieder einreißen musste. Wenn ihr Mann Moritz zärtlich wurde, baute sich binnen Sekunden diese verdammte Mauer auf, und sie wehrte ihn häufig ab, obwohl sie das nicht wollte. Warum konnte sie seine Nähe nicht gleich zulassen? Weshalb gab es diesen Widerstand in ihr, der ihr auch nach beinahe zwanzig Ehejahren noch immer weismachen wollte, dass sie es nicht wert war, geliebt zu werden. Diese blöde Macke, von der sie instinktiv wusste, dass sie sie auf verschlungenen Wegen von ihrer Mutter geerbt hatte. Die Biene verschwand aus ihrem Blickfeld. Imke ging hinein.

Schon halb neun. Ihre Familie war längst ausgeflogen. Moritz stand jetzt auf der Baustelle eines Einkaufszentrums in Regensburg, für dessen Statik er verantwortlich war. Ihre Zwillinge Steffi und Tobi saßen in der Schule und bereiteten sich aufs Abi im kommenden Jahr vor. Hoffentlich. Ganz sicher konnte sie nicht sein. Es war Freitag und daher möglich, dass die beiden wieder einmal fürs Klima demonstrierten, während sie versuchte, hier in ihrem Reihenmittelhaus in München-Obermenzing den täglichen Spagat zwischen Hausfrau, Mutter und selbständiger Übersetzerin hinzukriegen. Wobei die Aufträge von Jahr zu Jahr weniger wurden. Übersetzungsprogramme nahmen ihr die Butter vom Brot. Deshalb hatte sie sich entschlossen, ihr Hobby zum zweiten beruflichen Standbein auszubauen. Die Herstellung hochwertiger Seifen. Im Moment konnte sie das allerdings vergessen. Eine weitere Aufgabe schlich sich an: Mama. Ein flaues Gefühl breitete sich in Imke aus. Um diese Verantwortung riss sie sich nicht. Doch sie würde an ihr hängen bleiben. Denn sie lebte nur fünfhundert Meter von ihrem Elternhaus entfernt. Seit Papas Tod vor acht Wochen bewohnte Mama es allein und kam nicht gut zurecht.

Bei dem Gedanken an ihren Vater setzte sich ein Druck in ihre Kehle. Er war so überraschend gestorben, und viel zu früh. Kurz vor seinem neunundsiebzigsten Geburtstag. Wobei sie immer erwartet hatte, nicht nur seinen Achtzigsten, sondern auch seinen Neunzigsten mit ihm zu feiern. Mit Mama eher nicht. Ihre Mutter hatte zeitlebens zu viel Wein getrunken und kaum Sport getrieben, während ihr Vater auf seinem Rennrad und später auf dem Mountainbike kilometermäßig die Erde sicher mehrmals umrundet hatte. Als er vor zwei Jahren die Steigung am Deininger Weiher nicht mehr hinaufgekommen war, hatte er sich ein E-Bike zugelegt. »Das ist kein Mofa«, hatte er erklärt. »Man keucht die Berge trotzdem hinauf, allerdings mit ein bisschen elektrischer Unterstützung, was in meinem Alter sin

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