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Die Stadt ohne Juden Der Roman von übermorgen: Eine erschreckend genaue Zukunftsvision und satirische Antwort auf den primitiven Antisemitismus der 1920er-Jahre von Bettauer, Hugo (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.06.2014
  • Verlag: e-artnow
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Die Stadt ohne Juden

Dieses eBook: 'Die Stadt Ohne Juden' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Zur Inhalt: In Österreich kommen die Christlichsozialen an die Macht und der Bundeskanzler, Dr. Schwerdtfeger, ein fanatischer Antisemit, sieht sein Volk durch die Juden beherrscht. Er bringt in der Nationalversammlung ein Gesetz durch, das alle Juden bis zum Jahresende zur Auswanderung zwingt. Das Gesetz wird von der Bevölkerung begeistert aufgenommen - die Juden verlassen das Land. Doch schon nach kurzer Zeit stellt sich Ernüchterung ein. Das Kulturleben verarmt - in den Theatern werden nur noch Werke von Ludwig Ganghofer und Ludwig Anzengruber gespielt. Viele Kaffeehäuser stehen leer oder werden in Stehbierhallen umgebaut, wo heiße Würstchen verkauft werden. Nach einem anfänglichen Aufschwung geht es auch mit der Wirtschaft bergab, da der Handel stark zurückgegangen ist und sich in andere Städte -Prag und Budapest - verlagert hat. Inflation und Arbeitslosigkeit machen sich breit. Maximilian Hugo Bettauer (1872-1925), war ein österreichischer Schriftsteller und Drehbuchautor. Bettauer spezialisierte sich auf Kriminalromane mit sozialem Engagement. Populär wurden seine Romane auch dadurch, dass ihre Schauplätze nicht allein Wien, sondern auch New York und Berlin waren. Er gehörte damit nicht nur zu den umstrittensten, sondern auch erfolgreichsten Schriftstellern seiner Zeit.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 194
    Erscheinungsdatum: 18.06.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788026817499
    Verlag: e-artnow
    Größe: 524 kBytes
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Die Stadt ohne Juden

2. Kapitel.
Herr Schneuzel und sein Schwiegersohn

Inhaltsverzeichnis

Als der Nationalrat, Gemeinderat, Armenrat und Gewerberat Antonius Schneuzel am nächsten Vormittag – es war ein Sonntag – infolge der endlosen Siegesfeier arg verkatert am häuslichen Frühstückstisch erschien, fand er eine recht unbehagliche Stimmung vor. Seine Gattin hatte eine nadelspitze Nase, was auf Sturm deutete, seine Tochter, Frau Corroni, saß mit verquollenen Augen da, ihr Gatte, der Prokurist Alois Corroni, lächelte den Schwiegervater impertinent und verächtlich an, und die beiden Enkelkinder Lintschi und Hansl stießen ein furchtbares Geheul aus, als Herr Schneuzel seine kleinen Äuglein verwirrt und ängstlich um den Tisch kreisen ließ.

"Ja, was is denn da los?"

Frau Schneuzel stemmte die Arme in die Seite. "Was los is, du Fallot, du? Gar nichts is los, als daß du, alter Tepp, geholfen hast, deine Tochter und die Enkelkinder aus dem Land zu treiben!"

"Ja, wieso denn?" stammelte Herr Schneuzel. Aber schon dämmerte ihm grauenhafte Wahrheit. Richtig, er hatte im Laufe der Jahrzehnte total vergessen, daß sein Schwiegersohn, Herr Alois Corroni, in frühester Jugend Sami Cohn geheißen und erst stehend und aufrecht die Taufe empfangen. Also mußte er ja hinaus und mit ihm die beiden Kinder, die Judenstämmlinge waren!

"So eine Gemeinheit", schluchzte Frau Corroni in ihr Taschentuch hinein, "was soll ich jetzt mit den Kindern anfangen? Nach Zion auswandern vielleicht, du Rabenvater, du?"

"Jawohl, es ist ein starkes Stückchen", erklärte nun Herr Corroni mit scharfer Betonung jedes Wortes, "einen Mann wie ich, der behaupten darf, mindestens ein ebenso guter Christ zu sein als tausend andere, die den ganzen Tag im Wirtshaus herumsitzen, einen Mann wie ich, dessen Kinder im christlichen Glauben groß geworden sind, aus dem Lande zu jagen wie einen tollen Hund!"

Herr Schneuzel wollte eine Erwiderung machen und murmelte etwas von großer, heiliger Sache, Prinzipien, die auf Einzelfälle keine Rücksicht nehmen können. Aber schon saß die Hand der Gattin in seinen spärlichen Haaren und ließ nicht locker, bevor sie sich mit einem ganzen Büschel des immer rarer werdenden Gewächses zurückziehen konnte.

"Viecher seid's ihr alle zusammen! Gestohlen könnt's ihr mir werden mit eurem Christentum! Hat der Loisl unser Annerl nicht immer gut behandelt? Hat sie nicht einen Bisampelz von ihm bekommen, läßt er die Kinder nicht aufwachsen wie die Prinzen! Dem lieben Gott sollst du danken, daß sie einen Juden bekommen hat und nicht einen Kerl wie dich, einen Saufbruder und Skandalmacher!"

"I geh' net nach Zion", heulte Lintscherl, während Hans die Gelegenheit benützte, von Großvaters Teller weg den Sonntagsgugelhupf zu grapsen.

Im Moment höchster Aufregung kam die Köchin Pepi herein, räumte resolut den Tisch ab und erklärte seelenruhig:

"I geh'! I heirat' mein Isidor, der was Kommis im Konsumverein is, und wann er auswandern muß, wander' i mit ihm aus! Von mir aus können sich die Herrn Nationenräte mitsamt dem Kränzler alle zusammen aufhängen."

Nachdem sich die Aufregung gelegt, erörterte Herr Corroni sachlich die Situation.

"Ich denke natürlich gar nicht daran, nach Palästina auszuwandern, schon deshalb nicht, weil man mich als getauften Juden

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