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Die stille Braut Kriminalroman von Wendelken, Barbara (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.09.2015
  • Verlag: Piper
eBook (ePUB)
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Die stille Braut

Gerade erst von ihren Verletzungen genesen nimmt Oberkommissarin Nola van Heerden ihren Dienst wieder auf. Gleich ihr erster Fall führt sie erneut nach Martinsfehn. An einem Badesee findet man die als Braut zurechtgemachte Leiche einer jungen Frau, die vor vier Jahren aus einer Internatsschule für Gehörlose verschwunden ist. Bei ihren Ermittlungen stößt Nola auf ein düsteres Geheimnis. Bald gibt es weitere Tote und es scheint, als wäre der Täter ihr immer einen Schritt voraus ...

Barbara Wendelken wurde 1955 in Schwanewede bei Bremen geboren. Die gelernte Kinderkrankenschwester veröffentlicht seit 1996 regelmäßig Kinderbücher, Kriminalromane sowie zahlreiche Kurzgeschichten in Anthologien. Wenn sie nicht schreibt, genießt die Autorin mit ihrem Mann das Landleben in Ostfriesland.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 512
    Erscheinungsdatum: 14.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492970105
    Verlag: Piper
    Größe: 1766 kBytes
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Die stille Braut

D i enstag,
26. Februar

Es war der dunkelste Winter seit sechzig Jahren, nicht einmal hundert Sonnenstunden hatten die Wetterdienste bislang aufgezeichnet. Die Welt versank in stumpfem, trübseligem Grau. Schon tagsüber brannte Licht in den Wohnungen, und wer raus in die Kälte musste, hastete mit gesenktem Kopf durch die Straßen, die Zähne fest zusammengebissen und eingewickelt in warme Winterkleidung, die nur das Gesicht frei ließ. In den Wetterprognosen war die Rede von weiterhin frostigen Temperaturen. "Keine Aussicht auf Frühling", sagte die blonde Wetterfee im Fernsehen, und ihr Lächeln wirkte verlegen, als schäme sie sich für das, was sie verkünden musste.

Seit einer Woche war Nola van Heerden, Oberkommissarin bei der Kripo Leer, wieder im Dienst. Ab und an schmerzte der rechte Arm noch, wenn sie ihn zu stark beanspruchte wie am Vortag beim Tragen der Kiste Mineralwasser. Ihr Physiotherapeut hatte zu moderatem Hanteltraining geraten, am besten täglich. Obwohl sie den Sinn durchaus begriff, konnte Nola sich nur selten dazu aufraffen.

Gerade als sie den Flur des Ersten Fachkommissariats betrat, stürmte ihr direkter Vorgesetzter, Kriminalhauptkommissar Robert Häuser, aus seinem Büro. Er hatte es so eilig, dass Jupp, sein uralter Rauhaardackel, der ihn häufig zum Dienst begleitete, beinahe von der zufallenden Tür eingeklemmt worden wäre, was Robert nicht einmal bemerkte, Jupp hingegen zu seinem Herrchen aufschauen ließ, gekränkt, wie Nola fand.

"Nola, der Anruf ist gerade reingekommen. Leichenfund. Eine junge Frau am Kreihenmeer." Da sie nicht reagierte, weil ihr Blick immer noch an Jupp hing, sah er sich zu einer weiteren Erklärung genötigt. "Kreihenmeer. Das ist plattdeutsch und bedeutet Krähenmeer. Eine große Freizeitanlage mit Badesee. Im Sommer ist da der Teufel los. Mehr kann ich dir noch nicht sagen. Dr. Fenders und die Spurensicherung sind informiert."

"Okay. Wer fährt mit? Conrad?"

Robert nickte. "Ja. Sein Wagen streikt, und er kommt später, vermutlich erst gegen Mittag. Du musst also allein anfangen." Er räusperte sich und wich ihrem Blick aus. "Das Kreihenmeer liegt in Martinsfehn. Kriegst du das hin?"

"Natürlich." Es klang weitaus überzeugter, als sie es wirklich war. Im November hatte Nola in Martinsfehn ermittelt und dabei Renke Nordmann, den Leiter des dortigen Polizeireviers, kennengelernt. Sie waren sich ziemlich nah gekommen, was Nola beinahe das Leben gekostet hätte. Sie betrachtete die Geschichte mit Renke als abgeschlossen, und im Nachhinein war es ihr unangenehm, dass jeder im Präsidium darüber Bescheid wusste. Never fuck the company . Daran würde sie sich künftig halten.

Während der Fahrt versuchte Nola, ihre Gefühle zu sortieren. Freute sie sich auf ein Wiedersehen mit Renke oder fürchtete sie sich davor? Wahrscheinlich beides, auf jeden Fall war sie aufgeregt, und das nicht nur aus beruflichen Gründen.

Laut Google Maps lag das Kreihenmeer außerhalb der Ortschaft Martinsfehn, und es gab nur eine einzige Zufahrt, den Meerweg, der direkt von der Bundesstraße abging. Kurz vor der Abzweigung entdeckte Nola auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein großes Schild, das auf einen Reiterhof hinwies, der etwa vierhundert Meter zurück lag. Wenn es überhaupt Zeugen gab, dann wohnten sie dort. Von der Straße aus konnte man allerdings nur die große, fensterlose Reithalle sehen, deren grüne Fassade sich nahtlos in die Landschaft einfügte, und davor eingezäunte Koppeln, auf denen um diese Jahreszeit keine Tiere grasten. An der Stelle, wo der Meerweg begann, wartete ein uniformierter Kollege, dessen Aufgabe darin bestand, jeden, der nichts mit den Ermittlungen zu tun hatte, weiterzuwinken. Obwohl er zum Revier Martinsfehn gehören musste, hatte Nola ihn noch nie gesehen. Ihr fiel ein, dass jemand die zwei Beamten ersetzen musste, die im Dezember getötet worden waren. Sie verzichtete

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