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Die stille Kammer Psychothriller von Blackhurst, Jenny (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.05.2015
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Die stille Kammer

Susan Webster hat keinerlei Erinnerung an den schrecklichsten Abend ihres Lebens: Sie soll ihren eigenen Sohn erstickt haben. Jahre später entdeckt sie Fotos, die die Hoffnung schüren, dass ihr geliebter Sohn noch lebt. Auf eigene Faust versucht Susan, den rätselhaften Bildern und ihrer eigenen Erinnerung auf den Grund zu gehen - und kommt dabei einem anderen grauenvollen Verbrechen auf die Spur, das sich vor zwanzig Jahren an einem Elite-College im Norden Englands ereignete ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 446
    Erscheinungsdatum: 15.05.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732506224
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: Cradle and All
    Größe: 3094 kBytes
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Die stille Kammer

Kapitel 4

Wie an den meisten Samstagen ist die Stadt gedrängt voll. Jugendliche, Paare und Mütter, die ihre mürrischen, quengelnden Kleinkinder hinter sich herzerren, besuchen die wenigen Geschäfte, die wir noch haben. "Die Rezession hat die Stadt hart getroffen", erklärt Rosie Fairclough mir, während sie mir ein Riesenstück klebrigen, warmen Schokoladenkuchen serviert. "Wir brauchen mehr junges Blut wie Sie, das wieder Geld in die Stadt bringt."

Fast hätte ich laut gelacht. Die neugierige Rosie wäre sicher ganz anderer Meinung, wenn sie eine Ahnung hätte, wer da in ihre verschlafene Kleinstadt gezogen ist. Da hätte der Landfrauenverband doch wirklich mal was zu klatschen.

Ich mache mich über den Schokoladenkuchen her, ein wenig zu gierig, und riskiere dabei einen verstohlenen Blick zum Fenster hinaus. Nichts als Straßen mit Kopfsteinpflaster und Leute, die ihre Wochenendeinkäufe erledigen. Ich schüttle den Kopf, komme mir albern vor und versuche, mir in Erinnerung zu rufen, dass ich nicht in einem Low-Budget-Spionagefilm lebe. Niemand beobachtet mich. Ich muss versuchen, alles zu vergessen, was heute Morgen geschehen ist, den dummen Streich , daher wende ich meine Aufmerksamkeit den anderen Gästen zu.

Eine Frau sitzt in der Nähe des Tresens und spielt gedankenverloren mit einem Stück Möhrentorte herum, ohne dabei zuzulangen, wie ich es gerade getan habe. Sie ist ungefähr so alt, wie meine Mutter jetzt wäre, allerdings wirkt sie nicht so, als müsste sie sich Gedanken um ihre Figur machen, und ihre Miene lässt vermuten, dass sie Sorgen hat. Ihr langes blondes Haar fällt ihr ins Gesicht, als sie auf die Zeitung vor sich starrt, und sie macht sich nicht die Mühe, es zurückzustreichen. Ich ertappe mich bei der Überlegung, was für eine Geschichte wohl bei ihr dahintersteckt. Streit mit dem Liebhaber? Ein Ehemann auf Abwegen? Oder etwas viel Schlimmeres?

Fast so, als hätte ich sie gerufen, blickt sie unvermittelt auf und ertappt mich dabei, wie ich sie anstarre. Peinlich berührt lasse ich meinen Blick zur Tür gleiten; es ist mir unangenehm, dass ich beim Gaffen erwischt wurde. "Nicht die Leute anstarren, Schätzchen", pflegte meine Mutter zu sagen. "Das ist unhöflich."

"Na, das hat ja nicht lange vorgehalten." Rosie sieht, dass ich meinen Schokoladenkuchen schon verdrückt habe, und lächelt. "Möchten Sie noch ein Stück?"

O Gott, ja.

"O Gott, nein." Ich lache ein wenig zu laut. Ich musste schon immer gegen mein inneres dickes Mädchen ankämpfen; Essen ist mein Trost. Wenn ich je das Essen verweigerte, pflegte meine Mutter meinen Vater anzusehen und zu flöten: "Oh-oh, Len, ich glaube, wir haben da ein Problem." Sie zog mich damit auf, obwohl es ihre Schuld war, dass wir eine Familie von Genießern waren. Ihre selbst zubereiteten Mahlzeiten, besonders die Desserts, brachten meine Freundinnen dazu, für eine Essenseinladung Schlange zu stehen, und meine Pausenbrotdose war der Neid meiner Klassenkameraden. Biskuitrollen, Zitronenkuchen mit Guss, Himbeer-Baiser-Torte - ich war wie die Grundschulversion eines Crackdealers. Sehr zum Leidwesen meines Mannes konnte ich nie an die kulinarischen Fähigkeiten meiner Mutter heranreichen, und er musste sich mit einem verflixt guten Sonntagsessen einmal in der Woche zufriedengeben. "Meine Hüften würden mir das nie verzeihen", sage ich. "Rosie, könnte ich Sie mal etwas fragen?"

Die Augen der älteren Frau leuchten auf, als hätte ich sie gefragt, ob es ihr etwas ausmachen würde, wenn ich ihr ein Gewinnlos im Mittwochslotto überließe. Rosie ist praktisch der Informationsdienst hier in der Stadt.

"Ich habe mich nur gefragt, wie die Leute hier in der Gegend so sind. Gibt es viel Ärger?"

Rosie schüttelt den Kopf. "Oh nein, Liebchen, also, samstags gelegentlich eine Prügelei unter Jugendlichen, aber sonst nicht viel. Warum, haben Sie Probleme mit irgendjemandem?"

Sofort bereue ich meine Fra

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