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Die Stille vor dem Tod Thriller von McFadyen, Cody (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.09.2016
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Die Stille vor dem Tod

Smoky Barrett ist zurück! An einem kalten Oktobertag werden Smoky Barrett und ihr Team nach Denver, Colorado, gerufen. Im Haus der Familie Wilton ist Schreckliches geschehen: Die gesamte fünfköpfige Familie wurde ermordet, und der Täter hat durch eine mit Blut geschriebene Botschaft Smoky mit der Lösung des Falles beauftragt. Doch das Unheil ist weit größer, denn die Wiltons sind nicht die einzigen Opfer. Insgesamt drei Familien wurden in der gleichen Nacht und in unmittelbarer Nähe voneinander getötet. 'Komm und lerne', lautet die Botschaft an Smoky. Es wird ein grausamer Lernprozess, das Böse in seiner reinsten Form, in seiner tiefsten Abgründigkeit zu spüren. Smoky gelangt an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Und weit darüber hinaus. Der fünfte Psychothriller aus der Smoky Barrett-Reihe von Cody Mcfadyen - Hochspannung mit Gänsehaut-Potenzial!

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 26.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732531691
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Serie: Smoky Barrett 5
    Originaltitel: The Truth Factory
    Größe: 2005 kBytes
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Die Stille vor dem Tod

KAPITEL 1

Es war einmal , geht es mir durch den Kopf, da wohnte hier eine Familie. Und wenn sie nicht gestorben ist ...

Ich rümpfe die Nase, so scheußlich sind die Verwesungsgerüche. Sie sättigen die Luft, dick und schwer, und ich spüre (wie immer sehr lebhaft), dass ich mit jedem Atemzug den Tod inhaliere.

Es ist ein sinnloser Gedanke, aber wie üblich kann ich ihn nicht loswerden. So war es schon bei meiner allerersten Begegnung mit den Gerüchen des Todes gewesen; der abscheuliche Gestank hatte mir so zugesetzt, dass ich Hals über Kopf aus der Haustür in den Vorgarten geflüchtet war, die Hand vor dem Mund.

Ich hatte es gerade noch bis auf den Rasen geschafft, als mir die Kotze auch schon zwischen den gespreizten Fingern hindurchspritzte. Damit hatte ich zwar den Tatort unversehrt gelassen, war aber in die Fänge der Außenwelt geraten: Eine Gruppe von Cops und FBI-Leuten schaute zu, wie ich auf die Knie fiel und drei Viertel eines Cheeseburgers mit einer großen Portion Pommes herauswürgte. Von diesem Moment an hatte ich für ein paar Monate den Spitznamen "Kotzbrocken" weg.

Beim Schlucken habe ich das Gefühl, dass mir etwas Pelziges, Schleimiges durch die Kehle kriecht. Unwillkürlich schüttle ich mich. Der "Kotzbrocken" ist zwar Vergangenheit, aber die Erinnerungen sind noch wach, und sie sind so widerwärtig wie eh und je.

"Stinkt ganz schön", meint Alan, der meine Gedanken gelesen hat. Er hat die Augen leicht zusammengekniffen, und seine Nasenflügel sind gebläht. Er schüttelt den Kopf. "Leichen sind eine verdammte Plage."

"Sie sind lästig", bestätige ich ihm.

Am lästigsten sind zweifellos die Mordopfer.

Ich stehe regungslos im Flur und sammle mich für das, was jetzt kommt. Es ist eine Sache, den Schauplatz eines Mordes zu betreten, eine ganz andere, der Realität des Todes zu begegnen, wenn man nicht richtig darauf vorbereitet ist. Dann möchte man am liebsten irgendwo anders sein; man wünscht es sich nicht nur, man sehnt es sich geradezu herbei.

Die Erinnerungen an den Anblick meines ersten Mordopfers sind frei von Regungen, welcher Art auch immer, und wenngleich es Erinnerungen an etwas sehr Reales sind, kommen sie mir jedes Mal unwirklich vor. Die Eindrücke, die ich mit dem Anblick der Leiche verbinde, sind Kompositionen aus verwaschenen Farben, völliger Stille und Tunnelblick. Ich weiß nicht mehr, welche Farbe der Teppich hatte, aber die Frauenleiche mit ihren unerträglichen Details steht mir noch heute deutlich vor Augen. Ich kann noch immer die Poren auf ihrer Nase sehen; ich erinnere mich an die Farbe ihres Nagellacks auf den Zehennägeln. Wenn ich die Augen schließe, kann ich sogar die Knoten in dem dünnen Hanfseil zählen, das straff um ihren Hals lag und sich tief ins Fleisch gegraben hatte.

Deshalb weiß ich heute, dass es besser ist, wenn man eine Zeit lang wartet und sich wappnet, um auf den Angriff der Verleugnung vorbereitet zu sein. Auf diese Weise kann man die Wirklichkeit leichter ertragen, wenn es an der Zeit ist, sich ihr zu stellen.

"Okay", sage ich zu Alan, vor allem aber zu mir selbst. "Gehen wir."

Ich verlasse den kleinen Flur, in den die Haustür mich geführt hat, und gehe los, ohne einen Blick zurückzuwerfen. In der Mitte des Zimmers, in das ich komme, bleibe ich stehen. Ich kann die Leichen jetzt aus den Augenwinkeln sehen. Ich rühre mich nicht vom Fleck, schließe die Augen und tauche ein in das überwältigende Gefühl des Lebendigseins; ich zähle meine Herzschläge, meine Atemzüge und sage stumm ein Mantra auf: Ihr Tod ist nicht dein Tod. Du bist die Lebende. Du lebst.

Dann nehme ich einen tiefen Atemzug, mache die Augen auf und wende mich den Leichen zu. Ich höre das Pling! , das den Beginn jener kurzen Zeitspanne markiert, während der mein Verstand nicht wahrhaben will, was meine Augen mir zeigen. Dieser Moment ist wie das

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