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Die Suche oder Die Abenteuer des Uwe Reuss Erstes Buch von Schreyer, Wolfgang (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.05.2012
  • Verlag: EDITION digital
eBook (ePUB)
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Die Suche oder Die Abenteuer des Uwe Reuss

HAMBURG, FRÜHJAHR 1979. Uwe Reuss, als Chef einer Nordsee-Bohrinsel kürzlich entlassen, nimmt die Suche nach der Tochter seines besten Freundes auf: Gina Dahlmann ist mit einem verheirateten Grundstücksmakler angeblich nach Übersee geflogen und dort verschollen. Amateurdetektiv Reuss folgt der verwirrenden Spur; doch was treibt ihn an? Tut er all das nur den Dahlmanns zuliebe? Ist es Flucht aus dem Wartestand des Arbeitslosen oder der Reiz des Abenteuers, was den passionierten Sportsegler jetzt von Insel zu Insel weht? Oder steckt dahinter mehr, etwa der Wunsch, gänzlich auszusteigen? So schwierig diese Suche, so dunkel Reuss' wahres Motiv. Nur im Traum will es sich ihm enthüllen. Auf bizarren Umwegen endlich am Ziel, merkt Reuss, dass ihn, den Jäger, von den Gejagten wenig trennt. In der Weite des Ozeans und im Wagnis der Freiheit fühlt er sich den anderen - und dem Sinn seines Lebens - plötzlich nahe.

Wolfgang Schreyer, geboren 1927 in Magdeburg. Oberschule, Flakhelfer, Soldat, US-Kriegsgefangenschaft bis 1946. Debütierte mit dem Kriminalroman "Großgarage Südwest" (1952), seitdem freischaffend, lebt in Ahrenshoop. 1956 erhielt er den Heinrich-Mann-Preis für den Kriegsroman "Unternehmen Thunderstorm". Schreyer zählt zu den produktivsten und erfolgreichsten Autoren spannender Unterhaltungsliteratur in der DDR, schrieb Sachbücher, Szenarien für Funk und mehr als zwanzig Romane mit einer Gesamtauflage von 6 Millionen Exemplaren.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 471
    Erscheinungsdatum: 14.05.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863941079
    Verlag: EDITION digital
    Größe: 1340kBytes
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Die Suche oder Die Abenteuer des Uwe Reuss

Für einen Moment stand Reuss wie gelähmt. Gina in den warmen, aber saugenden, unüberschaubaren, wuchtig aufspritzenden Wellen? Er wollte sich das nicht vorstellen, weil es dann kaum noch Rettung gab. Wann war sie verschwunden? Niemand wusste es! Figueras war außer sich, nichts mehr von dem kühlen, höflichen Ton; er schwang die Peitsche über der Crew mitsamt den Offizieren. Wer ein Fernglas hatte, dem wies er einen Sektor zu, der Rest musste das Schiff durchsuchen, bis in den letzten Winkel. Er stellte Beobachter beiderseits aufs Brückennock, den Zweiten Offizier sogar aufs Peildeck (wo es ihn fast herunterblies). Er schien zu wissen, wie klein die Chance war - die Sonne sank auf den Schaum, violette Schatten füllten die Wellentäler -, aber das spornte ihn nur noch an. Sein Fieber riss jeden mit. Reuss vergaß das Unglück und dessen Folgen, so hetzte man ihn umher mit Befehlen, die sich oft schon widersprachen. Man kreuzte im Zickzack, ohne Rücksicht auf die Ladung. Er hatte das Gefühl, Figueras verliere den Überblick, zum ersten Mal. Die Suche schien ihm wichtiger als alles Übrige, er stellte sie über die Sicherheit des Schiffs. Bei Sonnenuntergang stoppte er alles, man hatte das Mädchen gefunden, verletzt! Sie lag bewusstlos in einer Schlucht des Laderaums, zwischen den Schweißplatten der Bordwand und den elenden Kisten. Zwei davon waren aufgeplatzt, offenbar nachträglich, während der Suchaktion, ein Berg Maschinenpistolen des canadischen Fabrikats "Sten" versperrte den Weg, und erst das Einsammeln der zerlegten Waffen mit ihren gefetteten Läufen und Schäften, Schalldämpfern und Schulterstützen legte den Winkel frei. Als man Gina barg, hatte sie eine schwach blutende Kopfwunde, ihre rechte Hand schwoll an, gebrochen oder verstaucht, und das war, wie sich zeigte, noch nicht alles. Figueras ließ sie auf einer Trage mit größter Vorsicht in ihre Kajüte bringen (den Schlafraum seiner eigenen vorn auf dem C-Deck). Es gab natürlich keinen Arzt an Bord. Der Kapitän, ein kleiner Mann aus British-Honduras mit sehr beschränkten medizinischen Kenntnissen, nahm außerdem rechts eine Serie von Rippenbrüchen an. Seine Hauptsorge galt ihrem Kopf, solange sie bewusstlos blieb. Hoffentlich müsse sie nicht erbrechen, wiederholte er, ohne zu sagen, was das zu bedeuten habe. Figueras war verzweifelt, er fürchtete auch innere Verletzungen durch die zerdrückten Rippen, falls sie in den Brustraum spießten, durch das Rippenfell... Es wurde klar, er gab sich selbst die Schuld an ihrem trostlosen Zustand; er hatte "alle Mann in die Luken" kommandiert, als die Ladung verrutschte und der höllische Tanz unter Deck begann. Jetzt befahl er Reuss, bei ihr zu wachen; ein vertrautes Gesicht sollte da sein, wenn sie zu sich kam. Das geschah anderthalb Stunden später, gegen acht. Gina übergab sich, wie befürchtet, und damit sie nicht erstickte, rollte er sie auf den Bauch. Anscheinend erwachte sie von den Schmerzen, die ihr das bereitete. Sie erkannte ihn; das war ein gutes Zeichen. "Ist da was schief gegangen?", fragte sie, nachdem das Würgen vorbei war. "Ist er okay - Sergio? Und das Schiff? Na, Gott sei Dank..." Sie stöhnte beim Umdrehen, klagte aber nicht; sie war immer schon tapfer gewesen. Es gelang ihm nur, sie für ein paar Minuten wach zu halten.

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