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Die Todesbotschaft Kriminalroman von Kornbichler, Sabine (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.07.2019
  • Verlag: Piper Verlag
eBook (ePUB)
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Die Todesbotschaft

Ein Mann stirbt bei einem Verkehrsunfall, eine Bergsteigerin verunglückt, und eine Frau wird von einem Einbrecher überrascht und getötet – auf den ersten Blick drei Todesfälle ohne Zusammenhang. Doch nicht für die junge Künstlerin Finja, denn sie ist mit allen Opfern befreundet oder auf die eine oder andere Weise verwandt. Sie reist aus Berlin in ihre Heimat am Tegernsee und stellt entsetzt fest, dass jemand die vermeintlichen Unfälle in Todesanzeigen angekündigt hatte. Eine gefährliche Entdeckung, die Finja ins Visier von Menschen rückt, denen Geld und Macht über alles gehen ... Sabine Kornbichler, geboren 1957, wuchs an der Nordsee auf und arbeitete in einer Frankfurter PR-Agentur, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Schon ihr Debüt "Klaras Haus" war ein großer Erfolg, ihr Kriminalroman "Das Verstummen der Krähe" wurde für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert. Sabine Kornbichler lebt und arbeitet als Autorin in der Nähe von München.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 432
    Erscheinungsdatum: 02.07.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492992886
    Verlag: Piper Verlag
    Serie: Piper Taschenbuch 23203
    Größe: 4946 kBytes
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Die Todesbotschaft

1

Unten im Hof hielten die Spatzen ein Palaver ab, als gelte es, einen Lautstärkerekord zu brechen - und das ausgerechnet um Viertel vor sieben am Samstagmorgen. Eigentlich liebte ich diese gefiederten Spitzbuben. Nach einer durchtanzten Nacht wünschte ich mir hingegen nur, der Kater aus dem Erdgeschoss würde sich kurz im Hof blicken lassen. Aber vermutlich lag er faul auf der Fensterbank und erholte sich von seinen nächtlichen Streifzügen.

Genervt schlug ich die Decke zurück und setzte mich auf. Fast augenblicklich begann es, in meinem Kopf zu hämmern. Während ich mich mit einem Stöhnen vorsichtig zurücksinken ließ, bereute ich jeden einzelnen Cocktail, den ich getrunken hatte. Sie hatten fruchtig ausgesehen und auch so geschmeckt. Ich versuchte, mich zu erinnern, wie viele ich getrunken hatte, gab es jedoch schnell auf. Der Schmerz in meinem Kopf machte selbst simpelste Additionen unmöglich.

Ich ließ ein paar Minuten verstreichen und versuchte dann noch einmal, mich aufzusetzen. Langsamer diesmal. Als meine Füße den Boden berührten, hatte das Hämmern bereits wieder meine Schläfen erreicht. Im Schneckentempo bewegte ich mich durchs Zimmer. Das Knarren der Holzdielen schien so laut wie noch nie, es tat mir in den Ohren weh. Im Flur nahm ich meine Sonnenbrille aus dem Bücherregal und setzte sie auf, bevor ich mich in die lichtdurchflutete Küche wagte, um zwei Kopfschmerztabletten aufzulösen. Mit dem Glas in der Hand schlich ich zurück ins Schlafzimmer, schloss das Fenster und kroch unter die Decke.

In kleinen Schlucken trank ich die nach Orangen schmeckende Flüssigkeit und wünschte mir nichts sehnlicher, als dass sie Turboteilchen enthielt, die mit dem Schmerz kurzen Prozess machten. Während ich noch darüber nachdachte, musste ich eingeschlafen sein, denn als ich das nächste Mal auf den Wecker schaute, war es kurz nach eins. Die Sonnenbrille war von meiner Nase gerutscht und lag neben mir auf dem Kopfkissen. Vorsichtig reckte ich die Arme hinter den Kopf und gähnte. Dann stand ich auf, öffnete die dunkelblauen Vorhänge einen Spalt und blinzelte in den Hochsommerhimmel.

Über Nacht war der Juli in den August übergegangen, und ich hatte beschlossen, mir eine kreative Auszeit zu gönnen, nachdem ich im vergangenen Dreivierteljahr fast ohne Pause gearbeitet hatte. Und das nicht etwa im eigenen Atelier wie viele meiner Künstlerkollegen. Im Gegensatz zu ihnen ging ich zu den Menschen nach Hause oder in ihre Büros und malte meine Motive auf die Innenwände. Diese fremden Wände inspirierten mich weit mehr, als es einer Leinwand je gelingen würde.

Jetzt würde ich mich zwei Monate lang durch die Tage treiben lassen, ohne ihnen eine Struktur oder eine Richtung vorzugeben. Allein die Vorstellung tat gut. Mit ausgebreiteten Armen ließ ich mich zurück aufs Bett fallen. Mein Blick wanderte über die Decke zu den Wänden. Es faszinierte mich, den Einfluss von Licht auf Farben zu studieren. Die Wand am Kopfende meines Bettes war nicht einfach nur dunkelrot, sie hatte viele Nuancen - je nachdem, wie das Licht im Raum beschaffen war. Das Gleiche galt für die gegenüberliegende Wand, die ein früherer Kommilitone von der Kunsthochschule für mich mit einer Unterwasserlandschaft bemalt hatte. Auf dem Meeresgrund, umgeben von Seegras, waren ein alter orangefarbener VW-Käfer zu sehen, ein Eisenbahnwaggon, über und über mit Graffiti bemalt, und ein verrostetes Fahrrad, das an einem Schiffscontainer lehnte. Dazwischen schwammen Fische und Seeschlangen.

Die meisten, denen ich das Bild gezeigt hatte, fanden es bedrückend. Aber das war es nicht nur, denn die Meerestiere wussten, den Müll zu nutzen. Die Mikroorganismen, die sich darauf angesiedelt hatten, dienten als Nahrungsquelle, die Hohlräume als Schutz. Für mich war es Sinnbild für das Überleben unter widrigen Umständen.

Mit einem Gähnen stand ich auf, trottete ins Bad und stellte mich minutenlang unter die Dusche. Erst als der

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